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Nobelpreis für Chemie geht an zwei Amerikaner

Robert Lefkowitz und Brian Kobilka erhalten die höchste Auszeichnung für Chemie. Das Nobelpreiskomitee zeichnete die beiden US-amerikanischen Zellbiologen aus.

Der EU wird die Ehre des Friedensnobelpreises zuteil: Flagge der Europäischen Union. (Archivbild)
Der EU wird die Ehre des Friedensnobelpreises zuteil: Flagge der Europäischen Union. (Archivbild)
Reuters
Hoher Physiker-Ehren: Serge Haroche aus Frankeich und David Wineland aus den USA gewinnen am Dienstag den Nobelpreis.
Hoher Physiker-Ehren: Serge Haroche aus Frankeich und David Wineland aus den USA gewinnen am Dienstag den Nobelpreis.
Keystone
Eine Statue des schwedischen Erfinders Alfred Nobel in Stockholm. (8. Oktober 2012)
Eine Statue des schwedischen Erfinders Alfred Nobel in Stockholm. (8. Oktober 2012)
AFP
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Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an Robert Lefkowitz und Brian Kobilka aus den USA. Sie erhalten den Preis für die Entdeckung von Strukturen in der Zellmembran, die wichtige Signale von aussen in die Zelle leiten. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften heute in Stockholm mit. Die beiden Preisträger hätten bahnbrechende Entdeckungen gemacht und die Arbeitsweise von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren enthüllt, hiess es in der Begründung.

Etwa die Hälfte aller Medikamente richten sich an diese Rezeptoren. Ihre Erforschung unterstützt daher die Entwicklung besserer Medikamente. Lefkowitz forscht am Howard Hughes Medical Institute und an der Duke University in Durham. Kobilka ist Professor an der Universität Stanford in Kalifornien.

Zum Hintergrund der Auszeichnung erklärte das Nobelkomitee, lange Zeit sei unklar gewesen, wie Zellen ihre Umwelt wahrnehmen könnten. Wissenschaftler wussten, dass Hormone wie Adrenalin starke Auswirkungen auf den Körper haben: Sie erhöhen den Blutdruck und lassen das Herz schneller schlagen. Vermutet wurde, dass die Zelloberfläche mit einer Art Empfänger für Hormone ausgestattet ist. Woraus diese Rezeptoren allerdings bestehen und wie sie arbeiten, blieb über weite Teile des 20. Jahrhunderts unklar.

Entdeckung des Beta-Adrenozeptors

Das Nobelpreiskomitee erklärte, Lefkowitz habe 1968 Radioaktivität eingesetzt, um die Zellrezeptoren aufzuspüren. Er entdeckte tatsächlich mehrere Rezeptoren, darunter den für Adrenalin, den Beta-Adrenozeptor. Gemeinsam mit seinem Team konnte Lefkowitz den Rezeptor extrahieren und gelangte zu einem grundlegenden Verständnis seiner Funktionsweise.

Der nächste wichtige Schritt erfolgte nach Angaben des Nobelkomitees in den 80er-Jahren. Der neu zum Team gestossene Kobilka isolierte das Gen des Beta-Adrenozeptors. Bei der Analyse entdeckten die Forscher, dass der Rezeptor dem ähnelt, der im Auge Licht empfängt. Sie kamen zu dem Schluss, dass es eine ganze Familie von Rezeptoren gibt, die gleich aussehen und arbeiten. Diese Familie wird heute als G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bezeichnet.

2011: Shechtman für Quasikristalle

Im vergangenen Jahr erhielt der israelische Wissenschaftler Daniel Shechtman die Auszeichnung. Mit der Entdeckung sogenannter Quasikristalle erbrachte er den Beweis dafür, dass die Atom- beziehungsweise Molekülanordnung in Kristallen regelmässig erscheinen kann, aber nicht zwingend sich wiederholende Muster aufweisen muss.

Die Nobelpreis-Woche begann am Montag mit dem Medizin-Preis, der an die Stammzellpioniere John Gurdon (GB) und den Japaner Shinya Yamanaka ging. Am Dienstag gewannen der Franzose Serge Haroche und der US-Amerikaner David Wineland den Physik-Preis für ihre Arbeit mit Quantenpartikeln.

Auszeichnung für Wirtschaft kam später dazu

Der Nobelpreis für Chemie wurde erstmals im Jahr 1901 vergeben. Dem Testament des Stifters Alfred Nobel zufolge soll damit derjenige ausgezeichnet werden, «der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung erbracht hat». Der Preis wird alljährlich als dritte der begehrten Auszeichnungen vergeben. Den oder die Chemie-Nobelpreisträger bestimmt die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften.

Der 1896 verstorbene schwedische Chemiker und Erfinder Nobel verfügte in seinem Testament den Aufbau einer Stiftung für all jene, die in Medizin, Physik, Chemie und Literatur sowie bei der Völkerverständigung jeweils «im verflossenen Jahr der Menschheit den grössten Nutzen gebracht haben». Die Bestimmung über das «verflossene Jahr» liess sich allerdings nicht halten, da sich der Wert von Entdeckungen bisweilen erst später zeigt. Deshalb revidierte die Nobel-Stiftung im Jahre 1900 ihre Statuten.

1968 stiftete die Schwedische Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung einen Preis für Wirtschaftswissenschaften, der erstmals 1969 verliehen wurde. Die Preise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft werden in Stockholm vergeben. Den Friedenspreisträger bestimmt ein gewählter Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo. Zu Lebzeiten Nobels bestand noch eine Union zwischen Schweden und Norwegen. Die Verleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters.

(dapd/sda)

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