Im Einsatz für die Dunkle Biene

Die Dunkle Biene, ursprünglich in unseren Breitengraden die einzige Honigbiene, gilt heute als gefährdet. Insbesondere in der Schweiz setzen sich engagierte Imker für sie ein. Mit Erfolg.

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Nördlich der Alpen gab es ursprünglich nur eine einzige Honigbiene: die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera). Ihr Territorium war riesig, es erstreckte sich von Frankreich im Westen über Skandinavien im Norden bis zum Uralgebirge im Osten. Im 19. Jahrhundert begannen die Imker allerdings damit, andere Honigbienen zu halten, von denen sie sich höhere Erträge erhofften. Die Dunkle Biene wurden immer mehr zurückgedrängt, sodass sie heute vom Aussterben bedroht ist. Vielerorts ist sie schon ganz verschwunden.

15'000 Völker in der Schweiz

Doch engagierte Imker setzen sich aktuell für den Erhalt und die Wiederansiedlung der Dunklen Biene ein, die auch Mellifera genannt wird. Der Zuchtverband Dunkle Biene Deutschland e. V. etwa erreicht mit etwa 200 Völkern der Dunklen Biene einen Anteil von 0,025 Prozent aller deutschen Bienenvölker, in Österreich sind es nach Angaben des Vereins Austrian Mellifera-Züchter rund 1000 Völker, was einem Anteil von einem Prozent des Gesamtbestandes an Bienen in Österreich entspricht.

Und in der Schweiz? Da bewegt man sich in einer ganz anderen Grössenordnung: «Von den rund 150'000 Bienenvölkern in der Schweiz sind rund 10 Prozent oder 15'000 Völker reinrassige Apis mellifera mellifera», sagt Padruot Fried, Präsident des schweizerischen Vereins Mellifera.ch.

Konsequente Reinzucht

Allerdings haben sich die Schweizer diese Erfolge auch hart erarbeitet, wie Melanie Parejo von der Universität Bern weiss. Sie hat die hiesigen Bienen umfangreichen DNA-Analysen unterzogen: «Die langjährige konsequente Reinzucht der Mellifera auf den Schweizer Belegstellen in meist abgelegenen Gebirgstälern zeigt heute ihre Wirkung.» Aktuell habe die Schweiz neben Irland und Russland die grösste reinrassige Mellifera-Population in Europa, kann sich dann auch Jürg Vollmer von Mellifera.ch freuen: «Hierzulande gibt es sechs Schutzgebiete von insgesamt 1000 Quadratkilometer Fläche. 35 zertifizierte Mellifera-Reinzüchter züchten jährlich über 5200 reinrassige Mellifera-Königinnen, mit DNA-Analyse geprüft.»

Buchstäblich bienenfleissig

Da die Tiere grösser und kräftiger sind als alle anderen Unterarten der Westlichen Honigbiene, sind sie auch überaus leistungsfähig. Die Arbeiterinnen fliegen kilometerweit ins Umland ihres Stockes aus, um Nektar und Pollen zu sammeln. Dabei können sie durchaus 400 Höhenmeter überwinden. «Keine andere Biene ist zu dieser Leistung fähig», lobte einst sogar der berühmte Imker und Benediktinermönch Bruder Adam (Karl Kehrle), der die Dunkle Biene zur Zucht seiner eigenen Buckfast-Bienen verwendete. «Ein leistungsstarkes Mellifera-Volk sammelt täglich bis zu 80'000 Pollenladungen, was jährlich bis zu 30 Kilogramm Pollen ergibt und bis zu dreimal so viel Propolis wie bei anderen Honigbienen», sagt Jürg Vollmer.

Robust und winterhart

Wie auch beim Honigertrag selbst spielen hier die Trachtbedingungen, also auch Standort und Klima eine entscheidende Rolle. Die samtschwarzen Dunklen Bienen sind aber nicht nur buchstäblich bienenfleissig, sondern auch ausgesprochen robust und winterhart. Sie fliegen auch noch bei misslichen Witterungsbedingungen umher, wenn andere Honigbienen längst in ihrem warmen Stock sitzen und auf besseres Wetter warten. Sie sind also hervorragend an das relativ raue Klima angepasst, das nördlich der Alpen herrscht. Zudem gehen die Insekten sparsam mit ihren Vorräten um und passen ihren Staat effektiv dem vorhandenen Futterangebot an.

Zu Unrecht schlechter Ruf

Bei all diesen Vorteilen mag es verwundern, warum ausgerechnet derart leistungsfähige Bienen nur so wenige Fürsprecher haben. Aber auch das hat seine Gründe. Die Tiere stehen nämlich bei vielen Imkern in dem schlechten Ruf, ganz üble Stecher zu sein. «Die Aussage, die Dunkle Biene oder ihre Hybriden seien stechlustig, entbehrt jeder Grundlage», meint der norddeutsche Imker Kai-Michael Engfer, der im Gegenteil sogar von einer ausgeprägten Sanftmütigkeit der Tiere überzeugt ist.

Gut für Wildblütenpflanzen

Ein weiteres Argument für die Förderung der Dunklen Bienen führt Gerhard Glock an, Vorsitzender der deutschen Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Bienen e. V.: «In Koevolution entwickelte sich die Dunkle Biene mit unseren Wildblütenpflanzen. Viele davon können deshalb nur durch sie erfolgreich bestäubt werden.»

Auch wenn sich vielleicht nicht jeder Imker für die Dunkle Biene begeistern kann, so würde ihr Aussterben die Welt doch ärmer machen.

Berner Zeitung

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