Die erste Landung auf einem Kometen

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt landet am Dienstagabend ein von Menschen gemachtes Objekt auf einem Kometen. An der Rosetta-Mission der europäischen Weltraumbehörde ESA ist auch die Universität Bern massgeblich beteiligt.

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Am Dienstagmorgen, um 9.35 Uhr Schweizer Zeit, löst sich vom Mutterschiff Rosetta die Landefähre Philae und senkt sich mit einem Meter pro Sekunde auf den Kometen Tschurjumow Gerassimenko. Das Manöver findet weit draussen im Sonnensystem statt, zwischen der Mars- und der Jupiterbahn, in einer Distanz von 480 Millionen Kilometern zur Erde. Das ist eine der schwierigsten Phasen der Mission, die vor zehn Jahren in Französisch-Guyana gestartet wurde.

Der Lander wiegt auf der Erde 100 Kilogramm, wegen der viel schwächeren Anziehungskraft auf dem Kometen aber nur 10 Gramm. Eisschrauben an seinen drei Beinen sowie zwei Harpunen sollen Philae auf dem Kometenlandeplatz fixieren. Auf dem Lander befinden sich zehn Instrumente, die unter anderem Bodenproben entnehmen und die chemische Zusammensetzung der Oberfläche bestimmen. Eine Kamera darauf wird den Anflug auf den Kometen filmen.

Bereits viele Daten erhalten

«Etwa um 17 Uhr werden wir das erste Signal erhalten, das ausgelöst wird, wenn ein Landefuss den Boden berührt. Um 19 Uhr folgen die ersten Bilder, und erst dann wissen wir, ob die Landung wirklich geklappt hat, oder ob Philaes Füsse nach oben ragen», sagt Weltraumforscherin Kathrin Altwegg. Sie ist Professorin an der Universität Bern und Leiterin des Rosina-Projektes. Rosina ist das Schlüsselexperiment der Rosetta-Mission, es besteht aus zwei Massenspektrometern, die unter anderem die molekulare Struktur des Kometen erforschen.

Diese Geräte wurden unter der Leitung von Kathrin Altwegg entwickelt. Sie befinden sich nicht auf dem Lander, sondern machen ihre Messungen vom Mutterschiff aus, das in den nächsten Monaten den Kometen mit einer Geschwindigkeit von 32'000 Stundenkilometern begleitet. «Bis Ende 2015 sollten wir Daten erhalten», sagt Altwegg. «Auch wenn die Landung nicht klappt, die Mission ist ein voller Erfolg. Wir haben bereits extrem viele Daten gewonnen», sagt die Forscherin. Die Landung auf dem Kometen sei jetzt noch das i-Tüpfelchen.

Spannender Molekül-Mix

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der Mission gehören, dass der Komet mit vielen Ecken und Kanten ein sehr primitiver, ursprünglicher sei. «So haben wir ihn uns nicht vorgestellt», sagt Altwegg. «Zudem können wir sagen, ob das Wasser auf der Erde von Kometen kommt.» Sie dürfe die Antwort noch nicht verraten, erst müsse dies im Wissenschaftsmagazin «Science» publiziert werden. Weiter seien überraschend viele Moleküle gemessen worden: Wasser mit Kohlendioxid, vermischt mit Kohlenmonoxid.

«Dieser Mix ist sehr spannend, mehr über den Ursprung der Materie unseres Sonnensystems, über die Entstehung der Erde und den Ursprung des Lebens herauszufinden.» Herausgefunden hat Rosina auch etwas anderes, nämlich den idealen Landeplatz auf dem Kometen. Eine Bedingung war, dass der Landeplatz nicht zu viel ausgast und den Lander wegbläst. «Aber die Landung bleibt schwierig, ich schätze den Erfolg auf 50:50 ein», sagt Altwegg.

Die Landung im Livestream ab 16.30 Uhr auf bernerzeitung.ch.

Berner Zeitung

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