Zum Hauptinhalt springen

Der Abschied vom kalten Schweizer Winter

Einen neuen Temperaturrekord meldet Meteo Schweiz. Klar wird auch: Die Abstände zwischen extremen Warmwintern werden immer kürzer.

Bilder, die uns zu denken geben: Eine Spur von Kunstschnee zieht sich im Dezember 2016 über die Hänge von Savognin. Foto: Keystone
Bilder, die uns zu denken geben: Eine Spur von Kunstschnee zieht sich im Dezember 2016 über die Hänge von Savognin. Foto: Keystone

Fast drei Grad wärmer als normal seit Messbeginn 1864, twitterte Meteo Schweiz am Dienstag. Gemeint ist der aktuelle Winter, der in Sachen Temperatur voraussichtlich sogar die bisherigen Top 3 – 2007, 2016 und 1990 – übertreffen dürfte. Noch ist der Winter nicht um – der meteorologische Winter umfasst die Monate Dezember bis Februar. Aber wie Meteo Schweiz mitteilt, sind in einigen Regionen der Schweiz extreme Winterwerte deutlich über den bisherigen Rekorden zu erwarten.

Grafik vergrössern

Am Messstandort Locarno-Monti auf der Alpensüdseite beispielsweise überragt der aktuelle Extremwinter mit 6,7 Grad Celsius den bisherigen Rekordwinter 2006/07 um deutliche 0,4 Grad. In Château d’Oex liegt der aktuelle Rekordwinter mit 1,9 Grad sogar rund 1 Grad über dem bisherigen Höchstwert von 2015/16.

Immer kürzere Zeitabstände

Damit liegt der aktuelle Winter voll im Trend. Von 1864 bis 1990 blieb die landesweite Wintertemperatur immer deutlich im Minusbereich. Damals pendelte der Schweizer Winterdurchschnitt um minus drei Grad Celsius, in den Jahren von 1871 bis 1900 lag er sogar bei minus 3,8 Grad.

Während der letzten 30 Jahre erhöhte sich die durchschnittliche Schweizer Wintertemperatur auf rund minus zwei Grad Celsius. In immer kürzeren Zeitabständen folgten extreme Warmwinter mit landesweiten Mitteltemperaturen über null Grad Celsius. Lagen zunächst siebzehn und zehn Jahre zwischen extremen Warmwintern, liegt der letzte extreme Warmwinter erst vier Jahre zurück.

«Extreme Warmwinter mit einem landesweiten Mittel über null Grad Celsius sind ein Phänomen der letzten 30 Jahre», heisst es in einer Mitteilung von Meteo Schweiz. Kalte Winter mit landesweit deutlich unter minus vier Grad Celsius seien aus dem heutigen Klima der Schweiz verschwunden. «Der massive Anstieg der winterlichen Normtemperatur, Extremwinter über null Grad Celsius und das Verschwinden wirklich kalter Winter sind eindrückliche Signale der laufenden Klimaänderung.»

«Das Einzige, was die Modelle für die künftigen Winter eindeutig zeigen, ist eine zunehmende Erwärmung durch den Klimawandel.»

Stephan Bader, Meteo Schweiz

Wie die Messdaten zeigen, pendelt die mittlere Wintertemperatur in der Regel zwischen einigen wärmeren und einigen kälteren Jahren hin und her. «Diese Wellenbewegung wird über die Wetterlagen gesteuert», sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Der klassische kühle Schweizer Winter zeichnet sich durch eine häufige Tiefdrucklage mit kalter Luft aus dem Norden und Nordwesten und reichlich Schneefall in den Bergen aus. Um 1990 hat sich im Alpenraum als auffallende Änderung im Winterklima eine längere Periode mit dominanten winterlichen Hochdrucklagen etabliert. Dabei werden vor allem die Hochlagen mit recht warmer Luft versorgt. Als weiteres Wintermuster kommen Westwindlagen wie etwa diesen Februar hinzu, oft mit Sturm, aber mit milder Luft bis in hohe Lagen.

«Aus den verschiedenen Computermodellen geht nicht eindeutig hervor, welche Wetterlage in Zukunft im Winter dominieren wird», sagt Bader. «Das einzige, was die Modelle für die künftigen Winter eindeutig zeigen, ist eine zunehmende Erwärmung durch den Klimawandel.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch