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Aufstand im Bauerndorf

Unsere Gartenbloggerin Marina Bolzli schreibt in ihrer Kolumne «Nachgehackt» über ihre neueste Entdeckung: Die Permakultur.

Seit Marina Bolzli nach Permakultur gärtnert, darf auch der Sommerportulak gedeihen – im Lauchfeld. Bild: iStock
Seit Marina Bolzli nach Permakultur gärtnert, darf auch der Sommerportulak gedeihen – im Lauchfeld. Bild: iStock

Nun habe ich endlich für alles eine Erklärung. Denn ich habe ein Buch über Permakultur gelesen. Das soll jetzt nicht ein billiger Witz sein. Im Gegenteil: Ich wusste bisher einfach nicht genau, was Permakultur ist, obwohl alle ständig davon sprachen. Mein Halbwissen beschränkte sich darauf, dass Permakultur nicht jäten heisst. Unordnung im Garten. Womit wir schon beim Grunddilemma wären. Die Ordnung im Bauerngarten ist ja beinahe heilig, was mich manchmal stresst.

Etwa, wenn eine echte Bauersfrau oder ein übermotivierter Hobbygärtner vorbeischaut und in einem netten, aber doch zurechtweisenden Ton meint, die Hirse müsse man dann unbedingt ausreissen und den wilden Sommerportulak dürfe man unter keinen Umständen absamen lassen, sonst werde man ihn nie mehr los. Dann möchte ich manchmal alles hinschmeissen. Das begann schon, als in meinem ersten Gartenjahr die Grossmutter meines Mannes gemächlich ums Haus herumging und mit ihrem Gehstock auf alle Pflanzen wies, die ich noch auszureissen hätte.

Ich bin nicht perfekt, mein Garten auch nicht. Ich jäte schon, natürlich. Aber irgendwann, und jetzt ist gerade diese Zeit, mag ich einfach nicht mehr nach. Der Boden ist so trocken, dass Ausreissen fast nicht mehr geht, und die Kinder wollen lieber in die Badi, als der Mutter beim Krampfen zuzusehen.

Darum war es eine regelrechte Befreiung, als mir mein Bürokollege letzthin dieses Buch mitbrachte: «Permakultur. Dein Garten. Deine Revolution.» Er musste mir meinen inneren Kampf angesehen haben. Ja, dachte ich, Aufstand im Bauerndorf! Und wirklich, mein Eintauchen in das Konzept der Permakultur war befreiend. Denn: Permakultur ist ungefähr das Gegenteil eines Bauerngartens.

Ja, eigentlich habe ich schon seit Jahren ziemlich nach den Grundsätzen der Permakultur gegärtnert. Nur wusste ich es nicht. Das Wichtigste dabei: Der Boden sollte immer bedeckt sein. Man sollte mit Blättern und Rasenschnitt mulchen. So wächst auch das Unkraut viel weniger, und der Boden trocknet nicht aus. Das ist gerade in heissen Sommern sehr zu empfehlen. Ich mulche also noch mehr. Bei den Gurken, den Kürbissen, zwischen dem Broccoli und dem Mais.

Aber ich habe auch meine eigene Strategie gefunden: Meinen Sommerportulak lasse ich trotz der warnenden Stimmen wachsen. Sommerportulak gilt ja laut Wikipedia weltweit als die achthäufigste Pflanzenart und als eines der zehn schädlichsten Unkräuter. Aber er ist auch essbar, schmeckt jung sogar sehr gut, leicht säuerlich und knackig. Und er ist ein perfekter Bodenbedecker.

Mein Sommerportulak wächst nun auf dem Lauchfeld, und der Lauch sieht gesund und stark wie selten sonst aus. Denn er wächst nicht in einem total ausgetrockneten Boden, ragt aber weit über den Sommerportulak hinaus, so, dass sie sich nicht konkurrenzieren. Im Gegenteil, sie machen gemeinsame Sache. Und ich jubiliere innerlich und denke: Revolution!

Buch: Sigrid Drage, «Permakultur. Dein Garten. Deine Revolution», Löwenzahn Verlag

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