Alles andere als liebestoll

Der Tomatenfrosch ist nicht etwa rot, weil er romantisch veranlagt wäre. Vielmehr soll seine Farbe auf natürliche Feinde ab­schreckend wirken.

Der Tomatenfrosch schreckt mit seiner roten Färbung Feinde ab.

Der Tomatenfrosch schreckt mit seiner roten Färbung Feinde ab. Bild: Raphael Moser

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Rot ist die Farbe der Liebe. Wenn also ein Tier so euphorisch rot leuchtet, wie dies der Dyscophus guineti tut, ist der Fall klar: Dieser Frosch muss einfach Schmetterlinge im Bauch haben und ein romantisches Leben führen.

Wahr ist jedoch das genaue Gegenteil: Die sechs Tomatenfrösche des Tierparks Dählhölzli leben enthaltsam. Dies allerdings nicht ganz freiwillig: Damit sich Tomatenfrösche paaren, müssen die klimatischen Bedingungen exakt jenen ihrer Heimat in Madagaskar entsprechen. Auf die Trockenzeit muss eine Regenzeit folgen. Genau während des Übergangs zwischen den beiden Jahreszeiten wird der Paarungs­instinkt geweckt.

Weil im Gehege im Dählhölzli aber das ganze Jahr dieselben Bedingungen herrschen, wird der Paarungsdrang ausgeschaltet. «Eine Zucht ist sehr aufwendig», erklärt Andreas Hofer, Revierleiter Terrarium. «In diesem Gehege können wir die Regenzeit nicht naturgetreu nachbilden und müssten die Frösche für die Paarung in anderer Umgebung platzieren.»

Klebriges Gift als Waffe

Der Grund für die auffallend rote Hautfärbung des Tomatenfrosches ist demnach nicht die Liebe. Vielmehr hat die Farbe eine überlebenswichtige Funktion: Im Tierreich gilt Rot allgemein als Warnfärbung. Sie soll allfälligen Feinden die Botschaft übermitteln: «Friss mich besser nicht, ich bin giftig und wehre mich.»

Reicht die Farbe allein nicht als Abschreckung, hat der Tomatenfrosch noch zwei weitere Möglichkeiten, sich zu verteidigen: Wittert er Gefahr, kann er sich aufblähen und sein Volumen vergrössern. Zudem kann er über Giftdrüsen, die über seinen Körper verteilt sind, seine Haut mit Gift überziehen. Das bekommt auch Andreas Hofer zu spüren, als er zwecks Fototermin zwei Frösche im Gehege platziert. Hofers Hand ist voll klebrigen ­Sekrets. Später wird er sich dreimal die Hände waschen müssen, um die Substanz wegzubekommen. Ansonsten kommt Hofer ungeschoren davon. «Es gibt Menschen, die bekommen eine Schwellung.» In eine offene Wunde oder die Augen sollte das Gift besser nicht gelangen. «Aber lebensgefährlich ist es für Menschen nicht», sagt Hofer. Der Tomatenfrosch wolle durch die Giftausschüttung erreichen, dass ihn sein Feind sofort wieder ausspuckt.

Fachmann Hofer ergänzt bei dieser Gelegenheit, dass praktisch jeder Frosch auf dieser Welt giftig sei.

«Alles, was ins Maul passt»

Der Tomatenfrosch stammt ursprünglich aus dem Regenwald in Madagaskar. Dort lebt er mit Vorliebe im Laub und in der Nähe von Flüssen. Der Dyscophus guineti gilt als bedrohte Tierart. Dies nicht etwa, weil er gezielt gefangen oder getötet würde. Vielmehr macht der Tomatenfroschpopulation die Abholzung des Regenwaldes zu schaffen.

Der Tomatenfrosch ernährt sich von Insekten, Regenwürmern, kleineren Reptilien und generell «von allem, was in sein Maul passt», wie es Andreas Hofer zusammenfasst. Die Tiere werden bis 15 Jahre alt. Augenfällig ist, dass die Weibchen grösser sind als die Männchen. Das hat seinen Grund in der Fortpflanzung und damit eben doch ein bisschen in der Liebe: Tomatenfroschweibchen legen auf einen Schlag 1000 bis 1500 Eier. Dazu brauchen sie den nötigen Körperbau. Von den geschlüpften Kaulquappen überleben nur die wenigsten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 07:25 Uhr

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