Radioaktives Cäsium in weiten Gebieten Japans

Japanische Forscher haben nachgemessen: Die Belastung der Böden in Fukushima und anderswo mit dem gefährlichen Cäsium 137 ist bedrohlich hoch. Einzige Lösung: Dekontaminieren oder sperren.

Die Gegend um das zerstörte AKW Fukushima Daiichi ist naturgemäss am stärksten verstrahlt: Das Strahlenmessgerät zeigt 73,20 Mikrosievert – als international anerkannter Eingreifrichtwert gilt eine Strahlungsdosis von 10 Mikrosievert pro Stunde.

Die Gegend um das zerstörte AKW Fukushima Daiichi ist naturgemäss am stärksten verstrahlt: Das Strahlenmessgerät zeigt 73,20 Mikrosievert – als international anerkannter Eingreifrichtwert gilt eine Strahlungsdosis von 10 Mikrosievert pro Stunde.

(Bild: Reuters)

Der Boden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans ist durch den Atomunfall in Fukushima mit radioaktivem Cäsium 137 stark verseucht worden. Das zeigt eine Studie im Fachmagazin «PNAS».

Die Forscher um Tetsuzo Yasunarie von der Universität in Nagoya hatten für den Zeitraum vom 20. März bis 19. April täglich aus meteorologischen Daten die Werte des eingetragenen Cäsium 137 für alle japanischen Präfekturen abgeschätzt. Vor dem 20. März wurden die kontaminierten Luftmassen laut den Forschern zum grössten Teil auf den Pazifischen Ozean geweht.

Cäsium 137 hat eine Halbwertzeit von 30,1 Jahren. Es gilt als besonders gefährliche radioaktive Substanz, weil es auf Jahrzehnte Auswirkungen auf die Landwirtschaft und das Leben der Menschen in den betroffenen Gebieten hat. Gemäss der Studie wurden vor allem die Böden im Osten und Nordosten des Inselreiches mit Cäsium 137 verseucht.

Westen durch Berge geschützt

Der Westen des Landes sei durch die Berge weitgehend vor stärkerer Kontamination geschützt worden. In den meisten östlichen Gebieten seien die Böden mit mehr als 1000 Megabecquerel pro Quadratkilometer verstrahlt worden (1 Megabecquerel sind 1 Million Becquerel).

In den Präfekturen nahe des Kernkraftwerks lägen die Werte sogar bei mehr als 10'000 bis mehr als 100'000 Megabecquerel, schreiben die Forscher. In Becquerel wird die Stärke der Radioaktivität angegeben, gemessen wird der Zerfall von Atomen pro Sekunde.

Aus den Werten errechneten die Wissenschaftler die Daten für die Kontamination des Bodens pro Kilogramm. Der Grenzwert der Belastung mit Cäsium 134 und Cäsium 137 für landwirtschaftlich genutzte Flächen liege in Japan bei 5000 Becquerel je Kilogramm Boden.

Detailmessungen nötig

Davon ausgehend, dass die Hälfte der Gesamt-Cäsium-Belastung auf Cäsium 137 entfalle, liege der Wert in der Präfektur Fukushima über dem Grenzwert, in Miyagi, Tochigi und Ibaraki zum Teil nur knapp darunter. In diesen drei Präfekturen seien unbedingt detaillierte Messungen nötig, da die Kontamination lokal stark schwanken könne.

In weiten Teilen des Landes lägen die Werte bei über 100 Becquerel pro Kilogramm Boden, in den westlichen Regionen bei etwa 25 Becquerel pro Kilogramm. Nun müssten regional weitere, direkte Messungen folgen, da die Werte lokal viel variabler seien, als mit dem meteorologisch basierten Modell berechnet werden könne.

Die erstellten Karten könnten aber ein erstes Hilfsmittel für Dekontaminations-Massnahmen und die Planung weiterer Analysen sein. Die Beseitigung mit Cäsium 137 verseuchter Böden sei eine «dringende Aufgabe», so die Forscher. Wo ein Abtragen des Bodens nicht möglich sei, müsse die Nutzung der Flächen eingeschränkt werden.

Nicht unter Kontrolle

In einer zweiten Studie in «PNAS» analysierten Forscher um Norikazu Kinoshita vom Institut für Technologie der Shimizu Corporation in Tokio die Verbreitung mehrerer radioaktiver Elemente in Japan. Die Forscher kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass sich die Werte lokal erheblich unterscheiden – abhängig von geologischen Gegebenheiten.

Gewaltige Mengen Radioaktivität waren freigesetzt worden, nachdem am 11. März dieses Jahres ein Erdbeben der Stärke 9,0 den Nordosten Japans erschüttert und einen verheerenden Tsunami ausgelöst hatte. Die Wellen überspülten das an der Küste liegende Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, es kam zu Explosionen und Kernschmelzen in den Reaktorblöcken.

Noch immer arbeiten Mitarbeiter des Betreibers daran, die Lage im havarierten Kraftwerk wieder vollständig unter Kontrolle zu bringen. Das Gebiet um die Atomruine wird möglicherweise auf lange Sicht unbewohnbar bleiben.

ami/sda

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