Ein Quarzfund für die Geschichte

Die riesigen Kristalle aus Uri sind perfekt geformt, absolut durchsichtig – und sie kosteten Millionen. Nun sind sie in Bern wieder zu sehen.

Die längste Spitze misst über 1 Meter: Planggenstock-Kristall.

Die längste Spitze misst über 1 Meter: Planggenstock-Kristall. Bild: PD

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Tiefengletscher, Planggenstock, Sandbalm, Pfaffensprung. An diesen vier Orten wurden in den vergangenen 400 Jahren sensationelle Kristallfunde gemacht. Alle liegen sie im Kanton Uri. Verbindet man sie auf der Karte mit einer Linie, so erstreckt sich der Strich gerade von Südwesten nach Nordosten. Eine magische Linie, sagen viele und spüren ihr im Gelände nach. Doch dahinter steckt keine Magie, sondern nur Geologie. Alle vier Fundstellen befinden sich im zentralen Aaregranit des Aarmassivs. Dieser Granit ist bekannt für grosse Klüfte und eine Vielfalt an Mineralien.

Der Urner Strahler Franz von Arx arbeitet seit 1993 fast ununterbrochen am Planggenstock, erst begleitet von Paul von Känel, heute im Team mit Elio Müller, seinem Göttibuben. Die Funde der drei Kristallsucher an diesem wuchtigen Berg beim Göscheneralpsee sind in mehrfacher Hinsicht historisch. So ist der Stollen, der den Quarzadern und grossen Hohlräumen folgt, sehr ausgedehnt. Heute dringt er über 50 Meter tief in den Fels hinein. So gross sind keine 10 Kluftsysteme in den Alpen.Inzwischen haben die drei Strahler rund 80 Tonnen Material aus der steilen Wand geholt. Die längste Quarz-Kristallspitze, die 2006 geborgen worden ist, misst 106 Zentimeter. Solche Riesen findet man in den Alpen äusserst selten. Auch das macht den Fund historisch. Was die Kristalle vom Planggenstock aber definitiv zu Schätzen macht, die in die geologischen Geschichtsbücher geschrieben werden, ist ihre Grösse, kombiniert mit der perfekten Form, dem bemerkenswerten Glanz und der absoluten Durchsichtigkeit. Diese Kombination scheint in den Alpen kaum mehr überbietbar zu sein.

Gefährliche Knochenarbeit

Von Arx und von Känel hatten ihren Fund von 2005/06 zuerst in Flüelen UR ausgestellt. Der Kanton Uri konnte sich aber nicht zum Kauf dieser Kristalle durchringen. Schliesslich hat sie das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern erworben. Es bemüht sich seit Jahren um historische Funde aus den Schweizer Alpen. Ende 2009 hatte die Burgergemeinde einen Kredit von 6 Millionen Franken gutgeheissen, an diesem Samstag wird die Ausstellung offiziell eröffnet. Von den 6 Millionen gehen 4,5 an die Finder Franz von Arx und Paul von Känel, 1,5 sind für den Ausstellungsbau und anderes reserviert.

Auch der Preis für die Kristalle hat historische Dimension. So viel wurde in der Schweiz noch nie auf einen Schlag für einen Fund bezahlt, sagen Kenner der Szene. Dabei handelt es sich nur um einen Teil der Kristalle, die von Arx, von Känel und Müller aus dem Planggenstock herausgeholt haben. Aber nicht alle Kristalle weisen diese herausragende Qualität auf wie der Fund von 2005/06, der jetzt in Bern eine Heimat gefunden hat. Es sind 50 Kristalle mit einem Gewicht von rund zwei Tonnen.Der Planggenstock ist in Fachkreisen längst zum Begriff und zur Marke geworden. Wer neidisch auf das gute Geschäft blickt, darf nicht vergessen, dass solches Finderglück bei alpinen Strahlern äusserst selten ist. Nicht zuletzt deshalb gibt es in der Schweiz keine zwei Dutzend Berufsstrahler mehr. Zudem steckt hinter den geborgenen Kristallen 20 Jahre hartnäckige Arbeit; Arbeit, die knochenhart und nicht ungefährlich ist sowie spezielle Kenntnisse erfordert. So mussten die Strahler Fels sprengen, Granit mit hydraulischem Gerät spalten, spezielle Hebevorrichtungen installieren, und sie kauern stundenlang in feuchtkalter Luft, um ihre Schätze zu gewinnen. «Das ist Bergbau mit primitivsten Mitteln», sagt Franz von Arx.

2008 haben Franz von Arx und Elio Müller am Planggenstock einen Kristallspitz geborgen, der 121 Zentimeter misst. Dies ist neuer Rekord für die Alpen. Im vergangenen Jahr haben sie vor allem den Stollen weiter in den Fels getrieben. Sie hoffen auf einen nächsten Hohlraum mit Kristallen. Franz von Arx sagt: «Ich glaube, das Beste kommt erst noch.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2011, 22:28 Uhr

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