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Ein Appell für die majestätischen Bewohner des Südpols

PortraitDer Klimawandel bedrohe die Pinguine am Südpol, sagt die 17-jährige Schülerin Janine Wetter. Mit einem Dokumentarfilm will sie aufrütteln.

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Das Wetter ist zu schön, der Wind zu schwach. Worüber sich Skifahrer und Snowboarder freuen, kommt Janine Wetter ungelegen. Sie will sich auf 3500 Meter Höhe auf die Antarktis vorbereiten. Dazu braucht sie Kälte und Wind am liebsten einen Sturm, bei dem sie kaum mehr auf den Beinen stehen kann. Im Januar, im antarktischen Hochsommer, bricht die 17-jährige Gymnasiastin aus Fehraltorf Richtung Südpol auf, um einen Dokumentarfilm über Pinguine zu drehen. Was einst als Idee für die Maturaarbeit begann, ist längst zu einer Art Lebensprojekt geworden. Generalstabsmässig sind Janine Wetter und ein Stab von Helfern daran, die Reise ans Ende der Welt zu planen.

«Nicht nur die Gier nach Ressourcen hält die Antarktis in Atem. Auch der Klimawandel bedroht den letzten unberührten Kontinent der Erde. Die Folgen für die majestätischen Pinguine sind unabsehbar.» So leitet Janine Wetter ihr Projekt im schriftlichen Beschrieb ein. «Schon als Kleinkind hatte ich Pinguine mega gern», erzählt sie nun in Saas-Fee, wo sie sich an drei Wochenenden vorbereitet. Gehe es mit der Erderwärmung so weiter, seien die Pinguine bis 2100 grösstenteils ausgestorben.

Ursprünglich wollte sie ihren Pinguinfilm im Zürcher Zoo drehen. Im Gespräch mit einem Tierpfleger und einem Pinguinforscher sei dann die Idee entstanden, den Film dort zu drehen, wo die Tiere wirklich leben. Eigentlich ein unmögliches Unterfangen für eine damals 16-Jährige. «Ich bin ehrgeizig», sagt Janine Wetter dazu lachend, «wenn ich mir etwas in den Kopf setze, ziehe ich es in der Regel durch.»

Hilfe vom Botschafter Chiles

Ganz allein konnte sie das Projekt natürlich nicht durchziehen. Der entscheidende Durchbruch gelang, als Janine Wetter den chilenischen Botschafter in der Schweiz von ihrer Idee begeistern konnte. Er hat ihr nämlich einen Platz auf einem Forschungsschiff vermittelt, das Mitte Januar von Punto Arenas aus in die Antarktis aufbricht. Weil sie dafür nur einen symbolischen Preis bezahlen muss, wurde gleichzeitig das Budget der ganzen Expedition entlastet – ein Budget, das sich auch so noch auf gegen 100'000 Franken beläuft. Ein schönes Stück dieser Summe hat sie von diversen Sponsoren als Naturalien erhalten: Die Ausrüstung, die Reise nach Chile, der Trainingsaufenthalt in Saas-Fee. Den Rest betteln Janine Wetter und ihr Team bei verschiedenen Institutionen zusammen. Unterstützt wird ihr Projekt auch vom WWF Schweiz, der während des Aufenthalts eine Website betreibt.

Janine Wetters wichtigste Bezugsperson ist Charles Michel, langjähriger Kameramann und Reisereporter beim Schweizer Fernsehen. Seit 2010 leitet Michel die von ihm selbst gegründete Videoacademy in Fehraltorf. Dort hat Janine Wetter auch ihre Leidenschaft fürs Filmen entdeckt. Sie gewann einen Jugendwettbewerb und durfte als Preis an einem Videocamp teilnehmen und einen Musicclip drehen. «Wenn ich sie nicht von dort kennen würde, hätte ich ihr das Projekt in der Antarktis nicht zugetraut», sagt Michel über seine Schülerin. Und: «Mich fasziniert, dass ein so verspielter Teenager mit so viel Wille und Einsatz an ein solches Projekt gehen kann.» Praktisch jede Woche verbrachte Janine Wetter Zeit in Michels Institut, um das Filmhandwerk besser zu lernen. Denn ihr Ehrgeiz hat zweierlei Gründe: Sie will eine Botschaft vermitteln, aber sie will auch einen guten Film drehen. Auch daran arbeitet sie in Saas-Fee. Die Kamera bei normalen Verhältnissen zu bedienen, hat sie gelernt. Doch nun muss sie sich darauf vorbereiten, das von einer Hülle geschützte Arbeitsgerät «blind» zu bedienen, das heisst ohne Tasten und Knöpfe zu sehen. Und das bei Sturm, Kälte und Schnee. Zwischen plus 5 und minus 15 Grad werden die Temperaturen in der Antarktis betragen. Zudem macht sie sich darauf gefasst, bei Windgeschwindigkeiten bis zu 70 Kilometer pro Stunde zu drehen.

«Wie wird es dort unten sein?»

Lange war Charles Michel der Einzige, der von Antarktisplänen wusste. Erst mit der Zeit hat Janine Wetter ihre Eltern und die Schule informiert. Ihrer Klasse hat sie erst Anfang November davon erzählt. «Meine Eltern waren überrascht», sagt sie, «aber sie stehen voll hinter mir.» Froh seien Mama und Papa allerdings, dass ihre Tochter nicht ganz allein losziehe. Dabei sein wird ein Reporter vom Schweizer Fernsehen. Er dreht einen Dokumentarfilm über die Nachwuchs-Dokumentarfilmerin.

Inzwischen ist es doch noch windig und kalt geworden in Saas-Fee. Bei einem Pausentee im Bergrestaurant fragt man die Kantischülerin, ob sie nicht nervös sei und wovor sie den grössten Respekt habe. Das sei schwer zu sagen, weil sie ja noch nie dort gewesen sei, antwortet sie. «Wie wird es dort unten wirklich sein? Kann ich die Geschichte so erzählen, wie ich es mir vorstelle?» Das seien die Fragen, die sie sich stelle. «Jetzt schon hektisch zu werden, bringt nichts», fügt sie bei. «Aber ein bis zwei Tage vor dem Abflug werde ich dann schon nervös werden.»

Bis dahin geht es noch ein paar Wochen. Wochen, in denen sie nebst den Reisevorbereitungen wie alle Mitschüler den Unterricht an der Kantonsschule Wetzikon besucht. Was sie nach der Matura machen will, weiss Janine Wetter noch nicht so recht. «Vielleicht Tierärztin, vielleicht etwas beim Fernsehen», sagt sie. Das ist weit weg. Jetzt kommt zuerst einmal die Expedition in die Antarktis. Und dann der Film. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.12.2013, 11:40 Uhr

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