Wenn Zellen sich selbst recyceln

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an den Japaner Yoshinori Ohsumi. Der 71-Jährige hat erforscht, wie menschliche Zellen Abfall abbauen und sich selbst wiederverwerten.

Yoshinori Ohsumi gewann den diesjährigen Medizinnobelpreis.

Yoshinori Ohsumi gewann den diesjährigen Medizinnobelpreis. Bild: Keystone

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Zellen können in Stresssituation wie Hunger oder Krankheit aus sich selbst Kraft ziehen. Für die grundlegende Erforschung der dahinterliegenden Prozesse, der sogenannten Autophagie-Mechanismen, erhält der 71-jährige Japaner Yoshinori Ohsumi vom Tokyo Institute of Technology den diesjährigen Medizinnobelpreis. Dies teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Autophagie-Prozesse sind grundlegend bei der Zersetzung und der folgenden Wiederverwertung von Zellenbestandteilen. Der Begriff Autophagie kann aus dem Griechischen mit «Selbstessen» übersetzt werden. Bereits in den 60er-Jahren wurde er geprägt. Damals wurde entdeckt, dass Zellen eigene innere Bestandteile entfernen können, indem sie eine Membran um sie herum bilden. Dadurch ent­stehen Flüssigkeitsbläschen mit Zellinhalt. Diese werden zur Wiederverwertungsstation der Zelle transportiert.

30 Jahre Stillstand

Nach diesen ersten Erkenntnissen geschah 30 Jahre lang nichts. Die technischen Mittel fehlten laut der Nobeljury. Anfang der 90er-Jahre konnte Ohsumi dann anhand von Experimenten Gene aus Hefepilzen identifizieren, die zentral für Selbstspeisungsmechanismen sind. Weiter konnte er herausfinden, dass ganz ähn­liche Mechanismen im Menschen existieren. «Ohsumis Entdeckungen führten zu einem neuen Paradigma bei unserem Verständnis davon, wie die Zelle ihren Inhalt wiederverwertet», teilte die Jury mit.

Wichtig für Krebsbehandlung

Ohsumis Grundlagenforschung öffnete die Tür für viele weitere Forschungsprojekte auf diesem Gebiet. So ist inzwischen etwa ­bekannt, dass eine Förderung der Autophagie-Mechanismen der Zellen zu Beginn einer Krebserkrankung den Krebs bremsen kann. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Reduzierung der Autophagie-Aktivität bei der Krebsbekämpfung helfen.

Auch bei Diabetes, Demenz- und Infektionserkrankungen durch Bakterien und Viren dürfte Ohsumis Forschung zu neuen Behandlungsformen führen. Die Auszeichnung für Leistungen in der medizinischen und physiologischen Forschung ist mit 8 Millionen Kronen (910'000 Franken) dotiert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.10.2016, 17:54 Uhr

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