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Täglich neue H7N9-Patienten

Spitäler in China sind alarmiert: Heute starb ein weiterer Patient am Vogelgrippe-Virus H7N9. Die Behörden versprechen, transparent zu informieren. Hühner sollen nicht mehr öffentlich geschlachtet werden.

Erhöhte Alarmbereitschaft wegen H7N9: Temperatur-Check am Flughafen Sungshan in Taipei.
Erhöhte Alarmbereitschaft wegen H7N9: Temperatur-Check am Flughafen Sungshan in Taipei.
AFP

Täglich registrieren Mediziner in China weitere Menschen, die mit dem Vogelgrippe-Virus H7N9 infiziert sind. Spitäler in vielen Städten sind alarmiert. Und die Gesundheitsbehörden kündigten eine umfassende Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an.

«China wird einen offenen und transparenten Austausch mit der WHO aufrechterhalten», teilten die Behörden gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua mit. Heute starb zudem ein weiterer Patient an dem Virus und bei einem anderen wurde der Erreger diagnostiziert, wie das Staatsfernsehen CCTV mitteilte. Damit stieg die Zahl der registrierten Infizierten auf elf, vier davon sind gestorben.

Die Behörden hatten Spitäler in einigen grossen Städten Anfang der Woche in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Bislang ist noch nicht klar, wie sich die Patienten angesteckt haben. Es gebe keinen Hinweis auf eine Infektion von Mensch zu Mensch, hatten Gesundheitsbehörden mitgeteilt. Ausserdem sei keine Verbindung zwischen den einzelnen Fällen gefunden worden.

Anpassung an Säugetiere

Heute wurde der chinesische Totengedenktag Qingming begangen. Die Behörden riefen die Bevölkerung laut Xinhua vorsorglich auf, während des Feiertages auf das traditionelle, öffentliche Schlachten von Hühnern zu verzichten.

Bei den Patienten war nach WHO-Angaben eine Variante des Vogelgrippe-Erregers H7N9 festgestellt worden, die Zeichen für eine Anpassung an Säugetiere enthalte. Das habe eine Genanalyse ergeben. So könne das Virus an die Zellen von Säugetieren andocken. Und es wachse etwa bei der normalen Körpertemperatur von Säugetieren, während Vögel zumindest tagsüber eine höhere Temperatur haben.

Infektionen auch in anderen Ländern

Die Gruppe der H7-Viren befällt normalerweise Vögel. Die WHO hatte jedoch zwischen 1996 und 2012 auch infizierte Menschen in den Niederlanden, Italien, Kanada, den USA, Mexiko und Grossbritannien registriert.

Bisher habe das Virus Bindehautentzündung und eine leichte Entzündung der Atemwege hervorgerufen. Lediglich ein Mensch in den Niederlanden sei an dem Erreger gestorben. Vor den jüngsten Fällen waren noch keine mit H7-Viren infizierte Menschen in China entdeckt worden. Mit H und N werden die Eiweisse der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

Hier wichtige Fragen und Antworten zur Vogelgrippe und dem aktuellen Virustyp im Überblick:

Was ist H7N9 und was weiss man darüber?

Das Virus ist nach der Kombination der Proteine auf seiner Oberfläche benannt - H7N9. Seit Februar haben sich in China mindestens elf Menschen infiziert, vier von ihnen sind bisher gestorben. Der erste Fall wurde aber erst Ende März festgestellt. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Vieles über das Virus ist noch unklar, zum Beispiel, wie die Ansteckung verläuft. Laut Wissenschaftlern trägt das Virus genetische Marker, die die Infektion von Menschen vereinfachen. H7N9 geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als «gering pathogenes» Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden und zudem die Verbreitung erhöht, wenn die Vögel mehr Zeit in Farmen, in Märkten oder anderswo verbringen.

Wie besorgt sollte die Öffentlichkeit über das Virus sein?

Zu diesem Zeitpunkt besteht Experten zufolge kein Anlass, Alarm zu schlagen, allerdings wird die Situation genau beobachtet. Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass sich das Virus unter Menschen verbreitet, zudem gibt es bisher keine bekannten Infektionsfälle ausserhalb Chinas. Die den Patienten entnommenen genetischen Sätze untersucht das chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention gemeinsam mit internationalen Experten. Die erfahrensten Grippe-Forscher studieren das Virus und mögliche Mutationen, die es gefährlicher machen könnten. Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, ist ihr Verzehr weiterhin ungefährlich.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung würde allerdings Monate brauchen.

Welche Veränderungen beobachten Wissenschaftler und warum ist das wichtig?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen und bei Körpertemperatur zu wachsen. Wissenschaftler versuchen herauszufinden, welche Spezies dem Virus als Wirt dienen könnten – eine Möglichkeit sind Schweine. Schweine sind bedeutsam, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art «Mischgefäss» fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Mutationen bei Geflügel auftreten oder sich verändern, sobald sich ein Mensch bei Vögeln ansteckt. Das Wichtigste sei momentan, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln, sagt der Direktor des WHO-Grippezentrums in Memphis, Richard Webby. «Es sieht sehr danach aus, dass irgendein Säugetier-Wirt beteiligt gewesen ist.»

Inwiefern unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus, der in der Vergangenheit grassierte?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 höchst tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Seit das Virus erstmals in Hong Kong 1997 auftauchte, haben Wissenschaftler es genau im Auge behalten. 2003 brach es erneut in Asien aus und dezimierte zahlreiche Geflügelbestände. Mindestens 371 Menschen starben am Erreger - für rund 60 Prozent der Angesteckten endet die Infektion mit dem Tod. Experten fürchten seit langem, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

SDA/bru

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