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Schweizer verarbeiten ihre Terror-Angst in der Kaffeepause

Die Attentate von Nizza und Orlando haben auch in der Schweiz für Unsicherheit gesorgt. Auf die geistige Gesundheit der Schweizer hat dies laut Psychologen aber kaum Einfluss.

Nach dem Terror-Anschlag: Bewaffnete Soldaten patrouillieren durch Nizza. (19. Juli 2016)
Nach dem Terror-Anschlag: Bewaffnete Soldaten patrouillieren durch Nizza. (19. Juli 2016)
Keystone

Die Anschläge vom 11. September 2001 läuteten eine neue Ära des Terrorismus ein. Seither häufen sich die Attentate im Westen. Auf die geistige Gesundheit der Schweizer hat dies laut Psychologen aber kaum Einfluss.

«Reaktionen wegen Unsicherheit können mehrere Tage dauern, dann verschwinden sie», sagte Panteleimon Giannakopoulos, Chef des Gefängnisspitals Curabilis in Genf. «Die Nachfrage nach Pflege kommt von Personen, die bereits an Störungen leiden», fügt der ehemalige Chef für allgemeine Psychiatrie am Universitätsspital Genf hinzu. Platzangst sei eine der Ängste, die am meisten vorkämen seit den Anschlägen von Nizza und Orlando.

Laurent Michaud, Psychiatriearzt im Waadtländer Universitätsspital, erläutert: «Es gibt eine Reihe von Reaktionen nach einem potenziell traumatisierenden Erlebnis. Sie reichen von leichten Symptomen wie Beunruhigung in Situationen, die an das Ereignis erinnern, über vorübergehende Schlafstörungen bis zu schweren Syndromen wie posttraumatischem Stress.»

«Ein Psychologe in Nizza hätte viel zu erzählen»

«Man kann auch einen Zustand der Überwachsamkeit entwickeln, der mehrere Tage andauern kann», fährt der Spezialist fort. Die Häufung von Anschlägen habe jedoch nur einen marginalen Einfluss auf die Zahl der Arztkonsultationen. Das durch die Attentate hervorgerufene angsteinflössende Klima werde von den meisten Menschen «mit den eigenen Ressourcen» verarbeitet, zum Beispiel in der Kaffeepause.

Natürlich erkläre sich der geringe Einfluss der Attentate auf die Psyche der Schweizer zu einem grossen Teil auf das Fehlen direkter geografischer Nähe. «Ein Psychologe in Nizza hätte sicherlich viel zu erzählen einige Wochen nach dem 14. Juli», ergänzt der Experte.

«Allgemein könnte man von einem Verschieben des Cursors für innere Sicherheit sprechen», sagt Michaud. «Dies ist eine Komponente des Traumas: Der Tod existiert, man lebt nicht mehr in der Illusion, dass uns nichts zustossen kann.»

Giannakopoulos formuliert es so: «Wir haben den Eindruck, dass wir überall durch irgendwen getroffen werden können. Es kann uns unmöglich erscheinen, uns dagegen zu wappnen.»

SDA/pat

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