Schweizer Forscher kommen dem
HIV-Impfstoff einen Schritt näher

Zürcher Wissenschafter sind im Kampf gegen Aids auf eine vielversprechende Spur gestossen.

Aids-Schleifen liegen als Anstecknadeln auf einem Tisch.

Aids-Schleifen liegen als Anstecknadeln auf einem Tisch. Bild: Keystone

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Jedes Jahr infizieren sich weltweit 1,8 Millionen Menschen neu mit HIV. Obwohl Aids dank neuer Medikamente inzwischen gut behandelbar ist, fehlt ein wirksamer Impfstoff. Die Suche danach ist äusserst schwierig, weil das HI-Virus extrem anpassungsfähig ist. Nun sind Wissenschaftler der Universität und des Universitätsspitals Zürich auf eine vielversprechende Spur gestossen.

Rund einer aus hundert HIV-Infizierten produziert ganz spezielle Antikörper, die gegen die meisten HI-Virusstämme wirken. Diese breitenwirksamen Antikörper könnten den Weg zu einem wirksamen Aids-Impfstoff weisen. Aber was entscheidet, welche Antikörper das Immunsystem eines Betroffenen produziert? Das untersuchte das Forschungsteam um Alexandra Trkola, Roger Kouyos und Huldrych Günthard, wie die Universität Zürich am Montag mitteilte.

Die Menge und Vielfalt der Viren, die Infektionsdauer und die Ethnizität der Betroffenen spielen eine Rolle für die Immunantwort, soviel hatten die Forschenden schon in früheren Untersuchungen herausgefunden. Nun berichten sie im Fachblatt «Nature», dass auch die Gensequenz des Virus selbst mitbestimmt, welche Immunantwort der Körper entwickelt.

Virus-Erbgut verglichen

Basis der Studie waren Daten, Blut- und Virusproben von rund 4500 HIV-Betroffenen, wie die Universität Zürich am Montag mitteilte. Die Patientinnen und Patienten sind Teil der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie und der «Zurich Primary HIV Infections Study».

Durch Vergleich der Erbgutsequenz der Viren, mit denen sich die Betroffenen infiziert hatten, konnten die Wissenschaftler 303 «Ansteckungspaare» bilden. Also je zwei Personen, deren Viren die gleiche Erbgutsequenz aufwiesen und die sich deshalb wahrscheinlich mit dem gleichen Virusstamm infiziert, eventuell sogar gegenseitig angesteckt haben.

«Indem wir die Immunantwort dieser Patientenpaare verglichen, konnten wir zeigen, dass das HI-Virus selbst einen Einfluss darauf hat, wie gross die Menge und die Spezifität der Antikörperreaktion sind», sagte Roger Kouyos gemäss der Mitteilung.

Suche nach dem Impfstoffkandidaten

Erklären lässt sich das mit dem Umstand, dass Strukturen auf der Oberfläche des Virus die Immunantwort auslösen. Die Baupläne für diese Oberflächenproteine liegen im Viruserbgut festgeschrieben, und sie unterscheiden sich je nach Virusstamm und -subtyp. Offenbar gibt es bestimmte Oberflächenstrukturen, welche die Produktion breitenwirksamer Antikörper ankurbeln, halten die Forschenden im Fachartikel fest.

Diese Strukturen zu finden und nachzubauen, würde die Entwicklung eines Impfstoffs massgeblich voranbringen. Eine interessante Spur verfolgen die Forschenden bereits: Bei einem Patientenpaar stellten sie eine sehr ähnliche Virussequenz und eine besonders starke Aktivität breitenwirksamer Antikörper fest. Anhand dieses Virus-Subtyps sind die Wissenschaftler nun daran, eine Oberflächenstruktur nachzubauen, die eine wirksame Immunabwehr auslösen und damit eventuell einen Impfschutz verleihen könnte.

Erstellt: 10.09.2018, 17:08 Uhr

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