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Klinik testete Medikamente an Psychiatrie-Patienten

Ärzte der Psychiatrischen Uniklinik Basel haben jahrzehntelang unwissenden Patienten verschiedene Arzneien verabreicht. Diese waren auf dem Markt noch nicht zugelassen.

Tests im juristischen Graubereich: Mediziner öffnet Schublade mit verschiedenen Arzneien. (Symbolbild)
Tests im juristischen Graubereich: Mediziner öffnet Schublade mit verschiedenen Arzneien. (Symbolbild)
Gaetan Bally, Keystone
Die Psychiatrische Klinik in Basel hat in den 1950er- bis 1980er-Jahren regelmässig nicht zugelassene Wirkstoffe an Patienten getestet: Innenhofes der Forensischen Station der Uni-Psychiatrie (UPK) in Basel (Archivbild)
Die Psychiatrische Klinik in Basel hat in den 1950er- bis 1980er-Jahren regelmässig nicht zugelassene Wirkstoffe an Patienten getestet: Innenhofes der Forensischen Station der Uni-Psychiatrie (UPK) in Basel (Archivbild)
Georgios Kefalas, Keystone
Die Tests in Basel sind in der Schweiz kein Einzelfall. Auch in anderen Psychiatrischen Kliniken, wie jener in Münsterlingen TG (Bild), wurden dutzende, teils nicht zugelassene Medikamente an Patienten getestet.
Die Tests in Basel sind in der Schweiz kein Einzelfall. Auch in anderen Psychiatrischen Kliniken, wie jener in Münsterlingen TG (Bild), wurden dutzende, teils nicht zugelassene Medikamente an Patienten getestet.
Gian Ehrenzeller, Keystone
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Über 1000 Menschen, die an Schizophrenie, Depression oder Manien litten, waren von fragwürdigen Praktiken der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel (PUK) betroffen. In den Jahren zwischen 1953 und 1980 wurden an ihnen verschiedene, noch nicht zugelassene Medikamente getestet. Dies geht aus einer Studie von Dr. Urs Germann vom Institut für Medizingeschichte der Universität Bern hervor.

Betroffen seien davon auch Frauen und Männer gewesen, die gegen ihren Willen in die Klinik eingewiesen worden waren. «Bei diesen Tests an Zwangsversorgten dürfte es sich um einen juristischen Graubereich gehandelt haben», erklärt der Leiter der Studie, Urs Germann, in der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». Insgesamt wurden den Patienten 60 verschiedene Medikamente verabreicht.

Heftige Nebenwirkungen

In einigen Fällen sei es laut Bericht zu heftigen Nebenwirkungen gekommen. Nach Verabreichung des Medikaments NP 207 zum Beispiel hätten manche Patienten nach einiger Zeit an Augenstörungen gelitten, worauf die Tests vollständig abgebrochen wurden. Zuvor sei man davon ausgegangen, dass Kollapszustände nach Verabreichung der Arznei sehr selten auftreten.

Für Anne Lévy, Geschäftsführerin der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, hätten die Ärzte in erster Linie nur helfen wollen. In den 50er-Jahren habe es noch keine Medikamente für die Behandlung psychischer Erkrankungen gegeben. Dass die Mediziner es mit den neuen erfolgversprechenden Wirkstoffen versuchen wollten, sei durchaus nachvollziehbar, erklärt Lévy dem SRF.

Auf die Zwangsverabreichung angesprochen, betont auch sie, dass es zu dieser Zeit keine derartigen Richtlinien gegeben habe. Erst mit dem Heilmittelgesetz aus dem Jahr 2000 sind klinische Versuche auf Gesetzesebene umfassend geregelt worden. Beruhigend sei der Fakt, dass keine besonders schützenswerte Patientengruppe wie Kinder und Jugendliche den Tests unterzogen worden seien.

Kein Einzelfall

Die Uniklinik Basel hat die Pilotstudio im Jahr 2016 selbst in Auftrag gegeben. Als Grundlage dienten 330 Krankenakten und eine Auswahl wissenschaftlicher Publikationen von Ärzten, die in die Tests involviert waren.

Die Tests in Basel sind in der Schweiz kein Einzelfall. Auch in der Psychiatrischen Kliniken Münsterlingen TG, der Zürcher Klinik Burghölzli und der Psychiatrischen Klinik in Herisau AR wurden zwischen 1950 und 1980 dutzende, teils nicht zugelassene Medikamente getestet.

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