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Haben die linken Islamversteher eine totalitäre Gesinnung?

Wie das Leben unberechenbar ist, so sollte unser Blick auf die Welt vor allem eines bleiben: unvoreingenommen. Denn ein vermeintlich lückenloses Weltbild führt höchstens zur Selbstisolation.

Lässt sich das rot-grüne Islamverstehertum mit der ewig linken Sehnsucht nach einer totalitären, auf Unterwerfung basierenden Gesellschaft erklären, nachdem die sozialistischen und kommunistischen Experimente samt und sonders gescheitert sind, und reagieren die Islamversteher deshalb so aggressiv gegen ihnen geistig weit überlegene Menschen, die sich über gewisse Entwicklungen unserer Gesellschaft entgegen politisch korrektem Wahn und daraus folgendem Gesinnungsterror völlig im Klaren sind, indem man sie zu Rechtspopulisten erklärt, um sie anschliessend besser in eine bestimmte Ecke ausgrenzen zu können? W. B.

Lieber Herr B.

Es ist schwierig, auf Ihre Kaskade von Fragen, die ja eigentlich auch keine sind, überhaupt etwas zu erwidern. Manche Unterstellungen, die Sie in Frageform gegossen haben, scheinen mir mindestens diskussionswürdig: z.B. ob es nicht auch im rot-grünen Spektrum illiberale und autoritätsgläubige Tendenzen gibt. Deshalb aber gleich alle Parteien links von der rechten FDP zu verdächtigen, direkt vom Stalinismus zum Taliban-Islamismus übergelaufen zu sein, ist nachgerade absurd.

Des Weiteren: Warum haben diejenigen, welche die Minarette für eine Bedrohung unserer Kultur gehalten haben, nicht auch der Initiative zu einem Waffenausfuhrverbot zugestimmt? Schweizer Waffen wurden bekanntlich nicht nur an Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate, sondern auch nach Saudiarabien geliefert. Wer sich so sehr vor dem Islam in Gestalt von Minaretten fürchtet, müsste doch auch ein Interesse daran haben, solchen Waffenhandel zu unterbinden.

Bin ich nun ein Islamversteher, weil ich gegen das Minarettverbot gestimmt habe, oder bin ich eben gerade keiner, weil ich nicht verstehen konnte, warum Schweizer Unternehmen in besagte islamische Nichtdemokratien Waffen liefern können sollen? Ich mag zwar gewisse Politiker für Rechtspopulisten halten, aber weder ist das wahnhaft, noch habe ich irgendwelche Macht, diese Leute auszugrenzen oder mit Gesinnungsterror (was soll das überhaupt sein?) zu überziehen. Wir leben vielleicht nicht in der denkbar besten aller Demokratien (noch mehr Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und was der schönen Dinge mehr sind, kann bekanntlich nie schaden), aber eben doch in einem recht freien Land, in dem sich jeder über jeden ärgern kann (und jeder jedem politisch heftig an den Karren fahren darf), ohne dass man um sein Leben oder sonst irgendetwas Wichtiges fürchten müsste. Schlimmstenfalls blamiert man sich.

Aber das ist halt das Risiko, das jeder eingehen muss, der in der Öffentlichkeit den Latz nicht halten kann. Ihr Furor ist also völlig unbegründet; er führt zu nichts anderem als zu Ihrer Selbstisolation in einem lückenlosen Weltbild. Lücken aber braucht man, damit man auch mal rausschauen und etwas anderes sehen kann.

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