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Erste Massenschlachtung wegen Vogelgrippe in China

In China tauchte vor drei Tagen das bisher unbekannte Vogelgrippe-Virus H7N9 auf. Bisher starben bereits sechs Menschen daran. Auf einem Markt in Shanghai töteten die Behörden nun potentiell infiziertes Geflügel.

Auf diesem Markt in Shanghai waren infizierte Tauben gefunden worden: Mitarbeiter der chinesischen Behörden packen geschlachtete Hühner in Säcke. (5. April 2013)
Auf diesem Markt in Shanghai waren infizierte Tauben gefunden worden: Mitarbeiter der chinesischen Behörden packen geschlachtete Hühner in Säcke. (5. April 2013)
AFP

Nach dem Tod mehrerer Menschen durch das neue Vogelgrippe-Virus H7N9 haben die Behörden in der ostchinesischen Millionenmetropole Shanghai mehr als 20'000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben geschlachtet. Zudem wurden dort alle Geflügelmärkte bis auf weiteres geschlossen. Bislang starben sechs Menschen an dem neuen Virus, dessen Übertragungswege noch unklar sind.

Die nächtliche Massenschlachtung wurde für den Huhuai-Geflügelmarkt angeordnet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Dort war der Erreger in Tauben nachgewiesen worden. Auf Bildern eines örtlichen Reporters, die im Internet veröffentlicht wurden, waren städtische Angestellte in Schutzanzügen und Gesichtsmasken zu sehen, wie sie auf den Markt gingen. Am Freitagmorgen war der Markt abgeriegelt, in den umliegenden Strassen war Desinfektionspulver gestreut, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

64-jähriger Mann stirbt

Die Stadtverwaltung von Shanghai verfügte am Freitag die Schliessung aller Geflügelmärkte. Zudem wurde jeglicher Handel mit lebendem Geflügel bis auf weiteres verboten, wie Behördensprecher Xu Wei vor Journalisten sagte. Ziel der Massnahme sei der Schutz der öffentlichen Gesundheit in der 23-Millionen-Einwohner-Stadt im Osten Chinas.

Die Totenzahl stieg nach Behördenangaben unterdessen auf sechs Fälle, vier davon in Shanghai. Das neueste Opfer war laut Xinhua ein 64-jähriger Mann aus der Provinz Zhejiang. Nach neuen Angaben infizierten sich bislang 16 Menschen mit dem Virus. Betroffen sind neben Zhejiang und Shanghai auch die Provinzen Jiangsu und Anhui. Symptome sind eine schwere Lungenentzündung, Fieber, Husten und Atemnot.

Erster Verdachtsfall in Hongkong

Untersucht wurde zudem eine grippeähnliche Erkrankung bei einem Menschen, der mit einem der verstorbenen Infizierten Kontakt hatte. Es war zunächst unklar, ob er auch an dem neuen Vogelgrippe-Virus erkrankt ist. Derweil wurde aus Hongkong ein erster Verdachtsfall gemeldet. Dabei handelte es sich um ein siebenjähriges Mädchen, das den Behörden zufolge in Shanghai gewesen war.

Bislang wurde keine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen. Die Übertragungswege sind nach wie vor unklar, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte. Der neue Erreger war am Wochenende erstmals aus Shanghai vermeldet worden. Die WHO erklärte, sie rechne bislang kaum mit einer dramatischen Epidemie.

Impfstoff gegen H7N9

Sorge bereitet den Experten jedoch, dass sich das Virus geographisch immer weiter ausbreitet und sich bei den betroffenen Tieren nicht bemerkbar macht. «Es ist kein tödliches Virus für Hühner, was bedeutet, dass es sich unter ihnen ausbreiten könnte, ohne dass irgendjemand das merkt», sagte der Virologe John Oxford von der Londoner Universität Queen Mary der Nachrichtenagentur AFP.

Wie die WHO arbeiten auch die US-Behörden an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen H7N9. Die Gesundheitsbehörde CDC erklärte, sie sammle alle verfügbaren Informationen für eine Risikoeinschätzung, um einen Impfstoff zu entwickeln.

China gilt als Land mit erhöhtem Vogelgrippe-Risiko, da es zu den weltweit grössten Produzenten von Geflügelfleisch gehört und viele Hühner in ländlichen Regionen nahe von Menschen gehalten werden. An der weiter verbreiteten H5N1-Variante der Vogelgrippe starben seit 2003 bis Mitte März dieses Jahres weltweit mehr als 360 Menschen.

AP/AFP/kpn/bru

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