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Ein neues Gremium soll Krebsfrüherkennungsmethoden begutachten

Fachleute streiten sich oft über Sinn und Unsinn von Krebs-früherkennungsmethoden bei eigentlich gesunden Personen. Laien bleiben oft verunsichert zurück. Paradebeispiele dafür sind das Mammografie-Screening und die Prostatakrebs-Früherkennung mittels PSA-Test. Das neue «Expertengremium Krebsfrüherkennung» könnte solche Diskussionen künftig versachlichen.

Das Gremium hatte im September seine erste Sitzung und besteht aus zehn Mitgliedern verschiedener Fachrichtungen, von Klinik über Epidemiologie bis Recht, Ethik und Patientenvertretung. Es soll «unabhängig erarbeitete und ausgewogene Empfehlungen» für Behörden, Fachgesellschaften und Leistungserbringer liefern. Trägerschaft sind das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), die Vereinigung Oncosuisse und der Fachverband Public Health. Nach einer zweijährigen Pilotphase wird 2020 entschieden, ob und wie es weitergeht.

«Wir haben vor drei Wochen interessierte Kreise dazu aufgerufen, uns Vorschläge zu machen, welche Früherkennung wir als Erstes bearbeiten sollten», sagt Präsident Marcel Zwahlen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Das Lungenkrebs-Screening sei mehrfach genannt worden. Die Entscheidung für erste mögliche Themen wird jedoch erst im Februar 2019 fallen. Das letzte Wort hat dabei die Trägerschaft. Danach wird der Stand der Wissenschaft von externen Fachleuten aufgearbeitet und bewertet. Am Ende spricht das Expertengremium eine Empfehlung aus. «Es werden auch ethische und finanzielle Aspekte einfliessen», sagt Zwahlen. Formal sind die Beschlüsse nicht bindend. Doch Zwahlen möchte unbedingt, dass sie Folgen haben und «in die Entscheidungsabläufe des BAG einfliessen».

Screenings betreffen oft viele Menschen und sind teuer

Die Unabhängigkeit steht dabei im Vordergrund. «Man soll uns glauben, wenn wir etwas empfehlen», sagt Zwahlen. Bei Bewertungen durch Vertreter von direkt betroffenen Spezialdisziplinen werden viele misstrauisch, weil finanzielle Interessen eine Rolle spielen könnten. Ähnliches gilt, wenn der Bund selbst solche Bewertungen vornimmt. «In unserem Gremium sitzen deshalb keine direkt betroffenen Fachleute», sagt Zwahlen.

Das Früherkennungsgremium orientiert sich am sogenannten Health Technology Assessment (HTA), das auch dem Swiss Medical Board und dem BAG für die Beurteilung von medizinischen Interventionen als Basis dient. «Das Verfahren dauert lange», räumt Zwahlen ein. Doch Screenings würden einen grossen Teil der Bevölkerung betreffen und seien in der Umsetzung meist teuer. «Da nehme ich mir lieber die nötige Zeit.»

Felix Straumann

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