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Angst vor Rassismus im Gehirn lokalisiert

Zwei amerikanische Psychologinnen haben im menschlichen Gehirn nach Spuren der verbreiteten Angst vor Rassismus gesucht – und wurden offenbar fündig.

Rassismus als prägende Erfahrung: Ein Immigrant bei einer Kundgebung am 19. September, nachdem sechs Afrikaner nahe Neapel ermordet worden waren.
Rassismus als prägende Erfahrung: Ein Immigrant bei einer Kundgebung am 19. September, nachdem sechs Afrikaner nahe Neapel ermordet worden waren.
Keystone

Wer einmal wegen seiner Hautfarbe verbal oder tätlich angegriffen wurde, verliert das Vertrauen in seine Mitmenschen – eine simple Wahrheit, die sich auch im Gehirn nachweisen lässt. Dies glauben zwei Psychologinnen der University of South Carolina in den USA. «Wir konnten die physiologische Reaktion auf Stress durch Rassismsus erfassen», sagt Tawanda Greer, die dem Phänomen gemeinsam mit ihrer Kollegin Jennifer Vendemia nachging – mit Hilfe der «funktionellen Magnetresonanztomographie», mit der sich detaillierte Bilder vom Gehirn aufzeichnen lassen.

Frage-Antwort-Experimente anhand von Fotos

Um die Sorge vor Anfeindungen zu erfassen, wählten Vendemia und Greer 20 amerikanische Probanden im Altern von 18 bis 25 Jahren aus: 11 von ihnen waren farbig; 9 waren weiss. Als Zielregionen in deren Gehirnen definierten die Forscherinnen die «Amygdala» im Kerngebiet, die an der Entstehung von Ängsten beteiligt ist, und den «präfrontalen Cortex» im Frontallappen der Grosshirnrinde, der unter anderem die Verarbeitung von Gefühlen regelt und als «Kontrollzentrum» für situations-angemessene Handlungen gilt.

Jedem Teilnehmer zeigten die Psychologinnen eine Serie von Fotos, die Gesichter von weissen und farbigen Erwachsenen zeigten, die entweder glücklich, feindlich oder neutral wirkten. Sie fragten die Probanden, ob sie der jeweils gezeigten Person vertrauen – zum Beispiel bei der Frage nach einer Wegbeschreibung – und zeichneten während der Antworten ihre Gehirnaktivitäten auf.

Suche nach Indizien für Vertrauenswürdigkeit

Wie die Universität in einer Mitteilung berichtet, zeigten die Experimente, dass die weissen und farbigen Teilnehmer auf freundliche und auf feindliche Gesichter ähnlich reagierten – doch bei den neutralen Mienen zeigten sich Unterschiede der Gehirnaktivitäten. Während die weissen Probanden keine Reaktion auf ausdruckslose Gesichter beider Hautfarben zeigten, reagierten die farbigen Teilnehmer auf neutrale weisse Mienen weitaus stärker als auf farbige Gesichter.

Weil auch andere Hirnregionen, die bei der Einschätzung des sozialen Umfelds mitwirken, erhöhte Aktivität zeigten, glaubt Tawanda Greer, dass der messbare «Stress» der farbigen Teilnehmer auf dem Versuch beruhte, die Vertrauenswürdigkeit der abgebildeten Person einzuschätzen – womöglich in Zusammenhang mit Rassismus, unter dem sie selbst schon zu leiden hatten. «Sie studierten die neutralen, weissen Gesichter ganz genau und suchten nach Anhaltspunkten für eine Vertrauenswürdigkeit», sagt Greer, «je aufmerksamer sie schauten, desto höher stieg ihr Stress-Level.» In weiteren Studien will die Wissenschaftlerin diesen Fragen nun auf den Grund gehen – und neben der Gehirnaktivität auch die Funktion des Herzkreislauf-Systems untersuchen.

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