«Das ganze Familiensystem wird stabilisiert»

«Transition to home»-Leiterin Natascha Schütz Hämmerli über Idee und Ziele des neuen Projekts von Inselspital und Berner Fachhochschule.

Frau Schütz, wie ist die Idee zum Projekt «Transition to Home», also «Übergang nach Hause», entstanden?Natascha Schütz Hämmerli:Fast jedes zehnte Neugeborene kommt zu früh zur Welt, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Einige Eltern sind wochenlang unsicher, ob ihr Kindchen überhaupt überlebt. Und wenn sie es endlich mit nach Hause nehmen dürfen, sind sie bereits enorm erschöpft: Jeder Übergang von einer Abteilung zur nächsten und schliesslich nach Hause ist ein Stress­faktor. Diesen Eltern wollen wir helfen.

Wann setzt Ihr Projekt ein? Ab Geburt bis sechs Monate nach der Heimkehr. Hauptziele sind, die Familie emotional zu stärken und ihre Bedürfnisse ins Zentrum zu stellen statt die medizinischen Themen. Auch wollen wir mit dem Projekt die Zusammenarbeit des Fachpersonals untereinander optimieren und koordinieren.

Wie soll das genau aussehen? Eine spezialisierte Pflegefachperson wird vom ersten Tag an Ansprechperson für die Familie sein und sie über den Spitalaustritt hinaus weiter begleiten, beraten und unterstützen. Sie fördert und koordiniert auch die Zusammenarbeit von allen Fachpersonen wie Musiktherapeutin, Psychologin, Hebamme, Sozialberatung, Ärzten, Spitex, Mütter- und Väterberatung sowie weiteren Fachleuten.

Was sind die grössten Schwierigkeiten, denen Eltern mit einem Frühgeborenen be­gegnen? Die oft völlig unvorbereitet frühe Geburt ist für Babys und ­Eltern ein Schock und hinterlässt viele traumatisiert. Fast die Hälfte dieser Mütter leidet unter Depressionen oder Angstzuständen. Dies wieder­um kann die Gesundheit des Kindes und seine langfristige Entwicklung negativ beein­flussen.

Hilft man den Eltern in dieser Zeit, hat das also sogar weitreichende Auswirkungen. Ja, wir unterstützen letztlich nicht nur die Eltern, sondern auch die Babys: Diese entwickeln sich seelisch und körperlich erwiesenermassen besser, wenn ihre Eltern dank Unterstützung ruhig und zuversichtlich sind und feinfühlig auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen können. Das gesamte Familiensystem wird stabilisiert und gestärkt, Wiedereintritte und notfallmässige Kinderarztbesuche werden reduziert, was letztlich enorme Kosten im Gesundheitswesen spart. Mehr Informationen: www.transitiontohome.ch.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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