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Promis – geboren auf dem Friedhof

Die Neugier am Privatleben bekannter Personen entstand im 18. Jahrhundert, glaubt eine britische Sprachkundlerin – aus Nekrologen in den damaligen Zeitschriften.

In der Schweiz sind es Beni Thurnheer oder Sandra Studer, in Grossbritannien Kerry Katona, Ex-Sängerin der Band Atomic Kitten, oder die TV-Schauspielerin Jade Goody: prominente Menschen, ohne deren Privatdetails die Klatschspalten kümmerlich leer blieben. Woher diese Kultur rührt, hat die Sprachwissenschaftlerin Elizabeth Barry von der University of Warwick mit einer Arbeit untersucht, die nun im «International Journal of Cultural Studies» publiziert wurde.

Laut Barry ist das Prominententum nicht im frühen 19. Jahrhundert entstanden, wie manche Historiker bislang meinten, sondern schon zuvor. Die Spuren lassen sich demnach bis zu dem Zeitpunkt verfolgen, als Zeitungen und Magazine populär wurden – und mit ihnen Nachrufe auf verstorbene Menschen, die in Grossbritannien zu den meist gelesenen Rubriken zählten.

Begeisterung der Leser für Exzentrisches

Das Interesse der Leserschaft fanden dabei vor allem solche Menschen, deren Leben skandalträchtige oder originelle Wendungen enthalten hatte. Das «Gentleman’s Magazine» beispielsweise berichtete 1789 vom verstorbenen Isaac Tarrat, der sich als falscher Doktor verdingte und Prophezeiungen abgab, mit einem langen Bart und einer Fellmütze auf dem Kopf. Und vom Sterben des Dubliners Peter Marsh, der von einem durchgedrehten Pferd angegriffen wurde, das anschliessend starb. Marsh verkündete daraufhin, er würde ebenfalls verrückt werden und dann 1740 sterben. Das Magazin berichtete dazu, Marsh sei pünktlich verstorben – «an der Einbildung, er sei verrückt».

Elizabeth Barry zufolge lässt sich die zeitgenössische «Celebrity», also eine kurzlebige Berühmtheit, auf die langfristigen Nachwirkungen solcher Nachrufe zurückführen. Heutzutage könnten Menschen aus allen Gesellschaftsschichten dadurch berühmt werden, dass sie exzentrisch aufträten, so die Kulturforscherin – eher als durch historisch bedeutsame Leistungen.

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