Keltische Männer assen mehr Fleisch als ihre Frauen

Münsingen

Forscher der Uni Bern haben ein 2000 Jahre altes Gräberfeld in Münsingen untersucht. Die Untersuchungen brachten neue Erkenntnisse zum Essverhalten der Kelten ans Licht.

Grabbeigaben eines Mannes aus der keltischen Grabstätte Rain bei Münsingen: Darunter befand sich ein Schwert und ein Speerspitze, sowie mehrere Ringe und Armreife.

Grabbeigaben eines Mannes aus der keltischen Grabstätte Rain bei Münsingen: Darunter befand sich ein Schwert und ein Speerspitze, sowie mehrere Ringe und Armreife.

(Bild: Sandstein/Wikimedia Commons)

Die Untersuchungen eines 2000 Jahre alten Gräberfeldes in Münsingen haben neue Erkenntnisse zum Essverhalten der Kelten ans Licht gebracht. Demnach bekamen Männer mehr Fleisch zu essen als die Frauen. Noch mehr tierische Proteine gab es vermutlich für Krieger.

Die Anthropologinnen der Universität Bern untersuchten Skelette aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Die Ergebnisse zeigten deutliche Unterschiede in der Ernährung von Frauen und Männern, teilte die Universität am Dienstag mit.

Die Forscherinnen fanden bei erwachsenen Männern einen erhöhten Anteil an tierischen Proteinen. Bei manchen Männern lagen Waffen mit im Grab, vermutlich weil sie zu Lebzeiten Krieger waren. Ihre besonders hohen Proteinwerte lassen darauf schliesslich, dass sie noch mehr Fleisch konsumierten.

Auch bei alten Menschen waren die entsprechenden Werte leicht erhöht. Grundsätzlich ernährte sich die keltische Bevölkerung aber pflanzlich. Fische wurden anscheinend nicht konsumiert.

Die untersuchten Skelette stammen aus dem keltischen Gräberfeld von Münsingen-Rain. Sie wurden bereits 1906 ausgegraben und befinden sich heute im Historischen Museum in Bern. Insgesamt fand man 220 reich ausgestattete Gräber.

Vermutlich Teil einer Kriegerelite

Ziel des Projektes sei es gewesen, Informationen über Ernährung, Migrationsverhalten und soziale Stellung der Menschen von damals zu erhalten, heisst es in der Mitteilung weiter.

Das Forscherteam der Abteilung Anthropologie am Institut für Rechtsmedizin bestimmte mit einem Massenspektrometer die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in den Knochen. Gefunden wurden auch Knochen von Kindern. Es waren jedoch zu wenige, um über das Ernährungsverhalten von Kindern verlässliche Aussagen zu machen.

Die in Münsingen bestatteten Männer könnten Teil einer Kriegerelite gewesen sein. Im 4. und 3. Jahrhundert vor Christus waren keltische Gruppen aus dem Gebiet nördlich der Alpen unterwegs. Kriegerverbände drangen bis nach Rom vor, plünderten und verwüsteten die Stadt. Die Forscherinnen gehen davon aus, dass die Münsinger Gruppe eine relativ homogene Gemeinschaft ohne viele Zuzügler war.

Weitere Forschungen in anderen Regionen

Die Daten weisen auch darauf hin, dass sich die Nahrungszusammensetzung in späteren Phasen verändert hat. Klimatische Schwankungen könnten damals die Vegetation beeinflusst haben, was sich in der Ernährung der Bevölkerung bemerkbar machte.

Als nächstes wollen die Wissenschaftler andere keltische Gräberfelder aus der Schweiz untersuchen. Dabei sollen verschiedene Bevölkerungsgruppen miteinander verglichen werden und nach regionalen Unterschieden und Gemeinsamkeiten geforscht werden.

tag/sda

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