Argentinier zahlt 275'000 Euro für Hitler-Uniform

Bei einer umstrittenen Auktion in München kamen 169 Nazi-Objekte unter den Hammer.

Hermann Göring, Adolf Hitler und Franz von Papen (vorne v.l.) auf einer Aufnahme vom 30. Januar 1933 in Berlin.

Hermann Göring, Adolf Hitler und Franz von Papen (vorne v.l.) auf einer Aufnahme vom 30. Januar 1933 in Berlin.

Insgesamt 600'000 Euro soll ein argentinischer Sammler am Wochenende für 56 Nazi-Objekte an einer Auktion in München hingeblättert haben. Fast die Hälfte des Geldes bezahlte er für Adolf Hitlers letzte Uniformjacke, wie «Bild» berichtet.

Unter den Hammer kamen Fotografien und Abhörprotokolle aus der Zeit der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, aber auch von Hitler getragene Socken und Krawatten, ein Sommerkleid von seiner Geliebten Eva Braun und eine Seidenunterhose von Hermann Göring. Ebenfalls im Katalog zu finden sind die Hülle der Blausäurekapsel, mit der Göring Suizid beging, und eine Hose mit ledergefütterten Taschen, in denen Hitler unter anderem seine Pistole versteckt haben soll.

Sammler war Arzt bei US-Army

Zusammengetragen hatte die 169 zum Verkauf stehenden Objekte ein 1914 geborener Amerikaner. John Kingsley Lattimer war im Zweiten Weltkrieg Arzt bei der US-Army. Nach Kriegsende betreute er während der Prozesse in Nürnberg die Angeklagten. Ein Teil der Sammlung des 2007 verstorbenen Mediziners stamme aus dieser Zeit, schreibt das Auktionshaus auf seiner Website.

Im Vorfeld hatten Medien kritisch über die Versteigerung berichtet. Museen und jüdische Organisationen sowie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatten gar eine Absage gefordert, da die Versteigerung einen Nazi-Kult fördere. Am Ende fand diese deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer die Veranstaltung besuchen wollte, musste Fragen zu seinem Fachgebiet und seiner Sammlerbiografie beantworten, wie ein Journalist der «Süddeutschen Zeitung» berichtet, der sich ebenso wie ein «Bild»-Journalist Zugang zur Auktion verschafft hatte. Rund 50 Personen sollen mitgeboten haben.

Für ein Museum ersteigert

Der argentinische Käufer, der einen grossen Teil der Objekte ersteigerte, habe diese für ein Museum gekauft, berichtet «Bild». Darunter sollen sich die Seidenunterhose von Göring, eine Röntgenaufnahme von Hitler sowie Görings Fliegeruhr befinden. Für Hitlers Uniformjacke soll er 275'000 Euro bezahlt haben, für Görings Blausäurekapsel-Hülle 26'000 Euro.

Die Unterhose wechselte für 3000 Euro den Besitzer, zusammen mit einem Seiden-Nachthemd für 500 Euro. Für Hitlers Socken soll es drei Gebote über 500 Euro gegeben haben, für Görings Wanderstock ein Angebot von 1350 Euro und für Schulterstücke seiner Uniform sollen 1500 Euro bezahlt worden sein.

Käufer müssen Verpflichtung unterschreiben

Das Auktionshaus Hermann Historica beschreibt die Artefakte als Objekte der deutschen Zeitgeschichte. Man vermittle die historischen Objekte nur unter strengen Auflagen an Museen, Archive und ernsthafte Sammler, heisst es auf der Website von Hermann Historica. Wer ein Objekt ersteigert, muss sich verpflichten, es nur zum Zweck staatsbürgerlicher Aufklärung zu nutzen.

ij

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