Der U-Boot-Bunker unter dem Kopfsteinpflaster

Eine 600-Kilo-Tür, 280 Quadratmeter Fläche und eine Bar. Ein Bunker der deutschen Kriegsmarine lag während Jahrzehnten unter La Rochelle verborgen. Heute ist das Relikt aus dem 2. Weltkrieg ein Museum.

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Über Jahrzehnte war der Bunker der deutschen Kriegsmarine unter zwei Metern Beton verborgen: 280 Quadratmeter, Räume für U-Boot-Kommandanten, ein Büro und vor allem eine grosse Bar, die mit ihren Fliesen und Wandmalereien noch vollständig erhalten ist. Nun kann der einstige Nazi-Bunker unter einer kopfsteingepflasterten Strasse im Zentrum der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle besichtigt werden. Zwei Brüder eröffneten dort ein Museum zur U-Boot-Flotte der Nazis.

Nur wenige Schritte vom alten Markt von La Rochelle entfernt, stösst der Besucher auf eine Treppe, dann auf eine gepanzerte, 600 Kilogramm schwere Doppelflügeltür. Touristen entdecken dort die schwarze Katze, das Symbol der dritten U-Boot-Flottille, deren Kommandanten sich in einem Hotel in der Altstadt von La Rochelle einquartiert hatten. Zwei Häuser daneben wurden damals dem Erdboden gleich gemacht, um den Bunker für die Offiziere zu bauen. Danach wurde ein neues Gebäude darüber errichtet.

Von Westfrankreich auf Englands Marine los

Am 23. Juni 1940 waren die Nazis in der traditionsreichen Hafenstadt einmarschiert. Der spätere Grossadmiral Karl Dönitz liess damals seine «grauen Wölfe» los, jene U-Boote im Atlantik, die englische Schiffe zerstören sollten. Drei Häfen in Westfrankreich sind ihre Hauptstützpunkte: Brest, Lorient und Saint-Nazaire. Die U-Boot-Basen reichen bald nicht mehr aus und ab März 1941 wird auch im Hafen von La Rochelle, der den Namen La Pallice trägt, eine riesige Basis zur Überholung und Wiederinstandsetzung für 14 U-Boote gebaut.

Die Basis von La Rochelle mit ihrer 200 Meter langen Halle und sieben Meter dicken Überdachung ist seit Jahren geschlossen, und der Zutritt für die Öffentlichkeit ist verboten. Berühmte Filme durften dort aber gedreht werden, darunter «Das Boot» des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen von 1981. Auch Steven Spielberg drehte dort 1981 für seinen Streifen «Jäger des verlorenen Schatzes».

Lebenserwartung von drei Wochen

Einige Kilometer von der U-Boot-Basis entfernt, in der Altstadt von La Rochelle, hatten während des Zweiten Weltkriegs die Nazi-Kommandanten ihr Quartier bezogen. In dem Bunker unter ihrem Hotel fanden 62 Offiziere Platz, es gab sechs Einzelzimmer für Admiräle, und in der Bar fanden regelmässig feucht-fröhliche Trinkgelage statt - vor der Abfahrt der U-Boote oder nach deren Rückkehr.

Von 39'000 deutschen Besatzungsmitgliedern auf den U-Booten starben im Zweiten Weltkrieg 30'000. Nach dem Mai 1943 lag die Lebenserwartung der Soldaten in den U-Booten nur noch bei drei Wochen.

Kein Wunder also, dass die Bar mit besonderer Sorgfalt ausgestattet wurde. Holzvertäfelung, Fliesen, abgehängte Decke und überall Marine-Wandmalereien - geschaffen von zwei jungen deutschen Frauen, die eigens aus Hamburg angereist waren, um etwas Farbe in den Bunker zu bringen.

La Rochelle entging der Zerstörung

Seit Mitte Mai ist der ungewöhnlich gut erhaltene Bunker ständig als Museum zu besichtigen. Zwei Brüder, Luc und Marc Braueur, die bereits zwei weitere Museen zur Weltkriegsgeschichte in Frankreich eröffnet haben, zeigen dort nachgestellte Szenen und historische Stücke aus jener Zeit.

Eine Kammer mit Gewehren und Handgranaten ist ebenso zu sehen wie die Kapitulation des deutschen Admirals Ernst Schirlitz am 9. Mai 1945, der das Gebiet von La Rochelle befehligte. Die traditionsreiche Hafenstadt entging der Zerstörung und wurde äusserlich unversehrt an die Alliierten übergeben. (kpn/AFP)

Erstellt: 14.08.2013, 21:40 Uhr

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