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Einfalt Frankfurt

Eintracht Frankfurt empfängt den FC Basel trotz Coronavirus vor 40’000 Fans. Das bedarf einer Erklärung. Voilà!

Die statistische Wahrscheinlichkeit, sich beim Spiel zu infizieren, liege bei null – heisst es in Frankfurt: Mijat Gacinovic (l.) und Filip Kostic auf dem Weg zum Trainingsplatz. Foto: Arne Dedert (Keystone)
Die statistische Wahrscheinlichkeit, sich beim Spiel zu infizieren, liege bei null – heisst es in Frankfurt: Mijat Gacinovic (l.) und Filip Kostic auf dem Weg zum Trainingsplatz. Foto: Arne Dedert (Keystone)

Der Chor Buckten (liebe Grüsse) hat sein Jahreskonzert in den Herbst verschoben. Corona. Die deutsche Eishockeymeisterschaft ist abgesagt. Italien ist ganz zu, und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt: «Das Virus ist in Europa angelangt, es ist da. Das müssen wir alle verstehen.» Es gehe darum, ältere und schwächere Mitglieder der Gesellschaft zu schützen. «Es ist nicht egal, was wir tun. Deswegen ist es eben nicht das zentrale Problem, wenn ich es so hart sagen kann, ob ein Fussballspiel mit oder ohne Publikum stattfinden kann.»

Wenn man sich die vergangenen Tage so vergegenwärtigt, die Horrornachrichten aus den norditalienischen Spitälern, die eifrig händewaschenden Kolleginnen und Kollegen im Büro: Es scheinen ziemlich viele Leute verstanden zu haben, dass das Virus jetzt da ist. Dass es ernst werden könnte. Dass man etwas tun muss.

Aber eben nicht alle. Ziemlich genau zur gleichen Zeit, als Angela Merkel in Berlin zur Nation sprach, orientierten die Verantwortlichen der Eintracht Frankfurt über ihr Heimspiel im Europa-League-Achtelfinal gegen den FC Basel (auch hier: liebe Grüsse!). René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, referierte, warum die Eintracht am Donnerstagabend gegen den FC Basel vor 40’000 Fans spielen darf. In Hessen hätten sich erst 35 Leute mit dem Coronavirus infiziert, in Basel seien es auch nur sehr wenige, und darum liege die statistische Wahrscheinlichkeit, sich beim Spiel zu infizieren bei: null.

Ha. So geht Wissenschaft! Es wird trotzdem das letzte Spiel der Eintracht vor Zuschauern für womöglich eine lange Zeit werden. Das Heimspiel gegen Mönchengladbach vom Wochenende findet jedenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Coronavirus scheint – so die Argumentation der Fussballfunktionäre – in Nordrhein-Westfalen ansteckender als in der Schweiz im Allgemeinen und in Basel im Besonderen (wo das Rückspiel, übrigens, schon längst abgesagt ist).

Um das Risiko im Heimspiel gegen die Basler noch etwas weiter unter null zu drücken (man kann ja nie wissen), sollen Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Anstehenden beobachten, die Wartenden zu genügend Abstand verpflichten, bei übermässigem Husten sofort einschreiten und das Fieber messen. Sicher ist sicher. Die Social-Media-Abteilung des Vereins setzte dann noch einen drauf und verkündete – fast schon gönnerhaft: «Desinfektionsmittel bis 100 ml können mitgebracht werden!» Das ist natürlich eine Erleichterung.

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