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Dieser Mann inspirierte das Joker-Lachen

Zwanghafte Lachattacken sind keine Erfindung Hollywoods, sondern basieren auf einer realen Störung. Scott Lotan zeigt seine Anfälle auf Youtube.

Valentina Winkler
Erstickungsgefahr: Diese Lachanfälle können lebensbedrohlich werden. Video: Tamedia

Joker-Darsteller Joaquin Phoenix gilt als aussichtsreicher Anwärter auf den Oscar als bester Hauptdarsteller. Besonders sein Gelächter wird von Filmkritikern und Filmfans als brillant umgesetzt beschrieben. In einem Interview mit der Filmplattform Fandango erklärte Joaquin Phoenix, woher die Inspiration für seine Performance stammt: «Ich habe zur Vorbereitung auf die Rolle Videos von Menschen angeschaut, die unter zwanghaften Lachanfällen leiden. Ein Video hat mich dabei besonders beeindruckt. Es zeigt, wie ein Mann unkontrolliert lacht, sich stark verkrampft und während des Anfalls fast erstickt.»

Recherchen des TV-Senders RTL zufolge soll es sich bei dem Mann aus dem Video um Scott Lotan handeln. Der 47-jährige US-Amerikaner leidet seit acht Jahren immer wieder unter heftigen, minutenlangen Lachattacken. Bei den Anfällen verkrampft er sich und bekommt kaum Luft. Auch wenn Scott Lotan mit speziellen Atemtechniken versuchen kann, die Anfälle abzuwenden, so gelingt ihm das nicht immer. Er bricht auch in unpassenden Situationen in Gelächter aus. Sogar bei der Beerdigung seiner eigenen Mutter habe er lachen müssen.

Wenn das Lachen zur Qual wird

Was skurril wirkt, hat eine medizinische Erklärung. Scott Lotan leidet unter der sogenannten Pseudobulbären Affektstörung (PBA). Diese Störung ist keine eigenständige Krankheit, sondern tritt als Symptom bei neurologischen Erkrankungen oder Hirnschäden auf – im Falle von Lotan ist es die Multiple Sklerose (MS), die zu Nervenschädigungen in seinem Gehirn führt. Besonders emotional fordernde Gefühle wie Stress oder Angst wirken für Betroffene als Auslöser für Lachanfälle. Nach Schätzung von Wissenschaftlern der Universität Colorado sind allein in den USA rund 1,5 Millionen Menschen von der Störung betroffen.

Ähnlich wie der Filmcharakter Joker wird auch der US-Amerikaner in der Öffentlichkeit regelmässig für seine Lachanfälle angefeindet. Ein Freund von Scott hatte deshalb eine Idee: Er filmte zwei Lachattacken des Mannes und stellte die Videos mit Scotts Einverständnis auf Youtube. Damit wollte er ein verstärktes Bewusstsein für die Störung schaffen.

Das Vorhaben gelang. Die Youtube-Videos haben bereits über fünf Millionen Klicks erzielt. Seitdem Medien über die Clips in Zusammenhang mit der Joker-Verfilmung berichten, überschlagen sich auch die Kommentare. Scott und andere von einer PBA Betroffene enthalten auf Youtube viel Zuspruch.

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