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China zensierte bereits vor Monaten Inhalte zum Coronavirus

Eine Untersuchung kommt zum Schluss, dass App-Entwickler schon früh in die Kommunikation ihrer Nutzer eingegriffen haben.

Vorsicht mit dem Posten: Chinesische App-Entwickler haben ein Auge darauf, was zum Virus geschrieben wird. Foto: Getty Images
Vorsicht mit dem Posten: Chinesische App-Entwickler haben ein Auge darauf, was zum Virus geschrieben wird. Foto: Getty Images

Kritik an der Regierung, Verbreitung von «Gerüchten», Aufrufe zu Demonstrationen: Der chinesische Überwachungsstaat reguliert seit Jahren, was in den sozialen Medien veröffentlicht wird und was nicht. Und er führte dieses Vorgehen offenbar auch beim neuartigen Coronavirus weiter. Eine Untersuchung von Forschern des Citizen Lab der Universität Toronto in Kanada zeigt: China hat auf den sozialen Netzwerken bereits kurz nach den ersten Warnungen zum Coronavirus Ende Dezember Nachrichten – «Gerüchte» gemäss früheren Aussagen der Behörden – gelöscht.

Untersucht haben die Forscher den populären Instant-Messenger-Dienst Wechat sowie den Livestreaming-Dienst YY. Bei beiden hätten die Entwickler Mechanismen eingebaut, welche bestimmte Wörter oder Wortkombinationen automatisch zensierten – entweder als Code in der App oder via den Server. So seien bis Anfang Februar etwa Nachrichten mit den Worten «Virus» und «infiziert» gezielt zurückgehalten worden. Auch der Name des chinesischen Präsidenten Xi Jinping oder von anderen Regierungsvertretern in Verbindung mit Kritik an deren Vorgehensweise gegen das Virus seien der Zensur zum Opfer gefallen. Wie die Forscher auf ihrer Website schreiben, setzten die Entwickler von Wechat im Februar noch einen drauf und platzierten Hunderte weitere Wortkombinationen auf der schwarzen Liste, nachdem immer mehr Menschen vom neuartigen Coronavirus betroffen waren.

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Ebenfalls von der Zensur verschluckt wurden offenbar Nachrichten, welche mit dem Chinesen Li Wenliang zu tun hatten. Der 34-jährige Arzt hatte bereits am 30. Dezember auf das neue Virus hingewiesen und war von den chinesischen Behörden mundtot gemacht worden (zum Porträt). Am 6. Februar verstarb er selbst an der Krankheit, nachdem er sich bei einer seiner Patientinnen angesteckt hatte. Sein Tod löste eine Welle der Entrüstung und Wut in Chinas Bevölkerung aus. Der Microblogging-Dienst Weibo zensierte ebenfalls Stichworte in Verbindung mit Li, wie zahlreiche Nutzer auf Twitter schrieben. Betroffen waren unter anderem Beiträge mit dem Hashtag «Ich will Meinungsfreiheit».

Druck von oben

Frühere Untersuchungen des Citizen Lab hatten gezeigt, welchem Druck vom Staat die chinesischen Softwareentwickler ausgesetzt sind. Druck, kritische oder sensible Daten von der Öffentlichkeit fernzuhalten, um Sanktionen zu vermeiden. Es sei jedoch unklar, welche Anleitungen die Entwickler vonseiten der Regierung genau erhalten hätten, schreiben die Autoren. Sicher ist gemäss den Ergebnissen jedoch, dass der Staat relativ früh Restriktionen ausgesprochen hatte: «Unsere Untersuchung deutet darauf hin, dass die Unternehmen bereits im Dezember offizielle Leitlinien erhalten hatten, als die Ausbreitung des Virus öffentlich wurde», so die Forschenden der Universität Toronto.

Wie viele der Wortkombinationen noch heute zensiert werden, ist unklar. Die Autoren der Untersuchung gehen jedoch davon aus, dass sowohl YY als auch Wechat mit der weiteren Ausbreitung des Virus auch die Zensur abgeschwächt haben.

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