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SEF trotz CoronaWirtschaftskapitäne ziehen Grossanlass durch

Gegen 900 Firmenchefs, Politikerinnen und Wissenschaftler treffen sich am Swiss Economic Forum. Grossveranstalter interessieren sich brennend für das Corona-Schutzkonzept.

«Wir wollen zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft mit dieser Pandemie vernünftig umgehen kann», sagt die neue SEF-Chefin Corine Blesi.
«Wir wollen zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft mit dieser Pandemie vernünftig umgehen kann», sagt die neue SEF-Chefin Corine Blesi.
Foto: pd

Das grösste Schweizer Wirtschaftsforum findet statt, trotz der Corona-Pandemie. Und doch ist sehr vieles anders bei der 22. Ausgabe. Das SEF findet erstmals nicht im Berner Oberland, sondern in Montreux (VD) statt. Das ursprünglich für Ende Mai in Interlaken geplante Treffen musste verschoben werden.

Die Organisatoren unternehmen nun einiges, um zu verhindern, dass das grösste Schweizer Wirtschaftsforum zum Superspreader-Event wird: Am Eingang des für das Jazzfestival bekannten Musik- und Kongresszentrums stehen Desinfektionsmittel. Die SEF-Teilnehmer müssen einen Fieberscanner passieren. Und sie werden in Gruppen von 200 bis 300 Personen eingeteilt.

Entsprechend separiert sind sie in den Pausen, beim Essen und beim Networking. Auch im grossen Saal des Forums sind geteilte Zonen geschaffen worden. Im Auditorium gilt Maskenpflicht, ebenso in den kleineren Forumsveranstaltungen am Rande.

Networking ohne Maske

Beim Essen und beim Networking können die SEF-Teilnehmer in ihren Sektoren die Maske aber herunternehmen. Sollte doch jemand das Coronavirus an das Forum gebracht haben, so sollen sich dessen Kontakte nachverfolgen lassen: Die Namensbadges sind mit Trackingchips versehen.

Obwohl das Coronavirus nicht aus der Welt ist, sind Wirtschaftskapitäne in Massen an den Genfersee gekommen. Die Zahl der Plätze war allerdings auf 900 limitiert worden. 1000 wären derzeit für Grossveranstaltungen erlaubt. In Interlaken war das SEF in den letzten Jahren mit 1350 Plätzen stets ausverkauft.

Schlaflose Nächte

Es gab nun einige Absagen, aus Vorsicht vor der Pandemie, aber auch weil der neue Termin nicht passt. Sie habe viele schlaflose Nächte gehabt, sagt die neue Chefin des SEF, Corine Blesi. Denn die Schutzkonzepte hätten wegen veränderter Vorgaben der Behörden mehrmals über den Haufen geworfen werden müssen.

Andere Foren wie das Alpensymposium in Interlaken oder das WEF in Davos haben ihre erst im nächsten Januar geplanten Treffen abgesagt. Doch die SEF-Organisatoren, die Teil der NZZ-Gruppe sind, ziehen nun ihr Forum durch.

Von Euphorie weit entfernt

Die Referate und Diskussionen sollen inspirieren: Innovation, Agilität und Leadership lauten die Schlagworte. In den Gesprächen der Firmenchefs sind aber auch viele Sorgen zu hören. Krisenstimmung soll nicht aufkommen, doch von Euphorie sind die meisten weit entfernt.

Sie habe immer daran geglaubt, einen Ort des Dialogs auch in Zeiten der Corona-Krise schaffen zu können, sagt SEF-Chefin Blesi. «Wir wollen zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft mit dieser Pandemie vernünftig umgehen und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann.»

WEF-Patron Klaus Schwab ist nach Montreux gekommen, um sich das Schutzkonzept anzusehen. Auch andere Grossveranstalter interessieren sich. Die Referenten kommen auch, mit Ausnahme der amerikanischen Botschafterin Susan E. Rice, die via Video zugeschaltet wird.

Auch noch «normale» Politik

Eröffnet hat das Forum Nestlé-Chef Paul Bulcke. Schliesslich befindet sich der Sitz des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns wenige Kilometer entfernt in Vevey. Und der global tätige Konzern schlägt sich ziemlich erfolgreich in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem liess es sich Bulcke nicht nehmen, die Schweizer Wirtschaftskapitäne auf ein Nein zur Konzernverantwortungsinitiative einzuschwören.

Ein anderes Thema neben der omnipräsenten Pandemie ist die Begrenzungsinitiative. SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher erhält die grosse Bühne, ebenso der Waadtländer SVP-Bundesrat Guy Parmelin, aber auch der frühere sozialistische Staatspräsident Frankreichs, François Hollande.

Das SEF dauert bis Donnerstagabend. Die Sessionen werden direkt übertragen auf der Forumsseite www.swisseconomic.ch.