Zwei verlorene Jahre für Arbeitnehmer

Nach 2017 ist auch im vergangenen Jahr die Teuerungsrate schneller gestiegen als die Nominallöhne. Über einen längeren Zeithorizont hinweg stiegen die Reallöhne aber merklich.

Auch die Postdienste verzeichneten 2018 Lohneinbussen. Foto: Kostas Maros

Auch die Postdienste verzeichneten 2018 Lohneinbussen. Foto: Kostas Maros

Robert Mayer@tagesanzeiger

Die Kaufkraft der Arbeitnehmenden hat sich im letzten Jahr verringert – wie schon 2017. Zwar sind die Nominallöhne 2018 ­landesweit um durchschnittlich 0,5 Prozent gestiegen, gleich­zeitig betrug aber die mittlere Jahresteuerung 0,9 Prozent. Per saldo resultierte damit eine Reallohneinbusse von 0,4 Prozent. Für 2017 hatte das Bundesamt für Statistik bereits einen Rückgang der Reallöhne um durchschnittlich 0,1 Prozent ermittelt.

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Als «alarmierend» ­bezeichnete denn auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund in einer Mitteilung die jüngste Lohnentwicklung. «Die Arbeitgeber schliessen (...) die Arbeitnehmenden vom Aufschwung aus», heisst es weiter. Dies umso mehr, als die Haushalte durch steigende Mieten und Krankenkassenprämien bereits stark belastet würden.

Ausgleich in diesem Jahr?

Die zum Arbeitnehmerdachverband Travailsuisse gehörende Gewerkschaft Syna kritisierte in ihrer Stellungnahme die «verfehlte Verteilungspolitik» bei den Lohnerhöhungen: Seien vor zehn Jahren zwei Drittel der Lohner­höhungen generell allen Beschäftigten zugutegekommen, habe man in den letzten drei Jahren nur noch knapp ein Drittel generell verteilt.

Immerhin sieht es im laufenden Jahr aus Sicht der Beschäftigten besser aus: Die Nominallöhne sind in der jüngsten Lohnrunde nach Expertenschätzungen um durchschnittlich rund 1 Prozent angehoben worden, während die diesjährige Teuerungsrate von Konjunkturbeobachtern auf etwa 0,5Prozent veranschlagt wird. Bleibt es bei diesen Zahlen, könnten die Arbeitnehmenden den Kaufkraftverlust von 2018 in etwa ausgleichen.

Die Gewerkschaften dürften sich damit aber kaum zufriedengeben – zumal die Schweizer Wirtschaft über dieses Jahr hinaus auf Wachstumskurs verbleiben wird und die meisten Unternehmen den Frankenschock inzwischen verkraftet haben. Dem halten die Arbeitgeber entgegen, dass die Produktivität – also der Ausstoss pro geleistete Arbeitsstunde – seit längerem nur bescheiden zunehme; dementsprechend gering sei der Spielraum für Lohnerhöhungen.

Nimmt man den Zeitraum von 2014 bis 2018 zum Massstab, so darf sich die Bilanz aus gewerkschaftlicher Optik durchaus sehen lassen: In diesen fünf Jahren legten die Reallöhne für alle Beschäftigten um durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr zu. Die Frauen (+0,7 Prozent pro Jahr) haben dabei leicht besser abgeschnitten als die Männer (+0,5 Prozent).

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Grosse Unterschiede

Wie relativ aber Mittelwerte sind, zeigt einmal mehr der Blick auf die letztjährige Lohnentwicklung in einzelnen Branchen. Arbeitnehmende in der Pharma- und Chemieindustrie, bei Finanzdienstleistern, in der Telekommunikation oder in der Informationstechnologie kamen – mehrheitlich – in den Genuss von Reallohnsteigerungen.

Am anderen Ende der ­Rangliste figurieren Wirtschaftszweige, in denen 2018 sogar die Nominallöhne gesunken sind. Davon betroffen waren etwa Beschäftigte von Post- und Kurierdiensten sowie jene in der Holz-, Papier- und Druckindustrie.

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