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«Wir wissen, wo wir abbauen können»

Julius-Bär-Chef Philipp Rickenbacher streicht bei der Bank Bär 300 Stellen. Zudem will er mit den bestehenden Kunden mehr Geld verdienen.

Holger Alich, Jorgos Brouzos
Neuer Chef, neuer Kurs: Philipp Rickenbacher, CEO der Bank Julius Bär, an der Pressekonferenz zur Präsentation der Jahreszahlen. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Neuer Chef, neuer Kurs: Philipp Rickenbacher, CEO der Bank Julius Bär, an der Pressekonferenz zur Präsentation der Jahreszahlen. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Es ist noch keine drei Jahre her, da setzte der damalige Bankchef Boris Collardi der Bank Bär eine ambitionierte Vorgabe: Das Institut könnte bald schon mehr als 500 Milliarden Franken Kundenvermögen verwalten. Aktuell sind es fast 430 Milliarden Franken.

Doch von nun an gelten andere Ziele. Denn seit wenigen Monaten ist Philipp Rickenbacher Chef der Bank Bär. Neuer Chef, neuer Kurs: Die verwalteten Vermögen müssen nicht mehr zwingend wachsen. Er gibt stattdessen der Bank ein neues Gewinnziel und lanciert dafür ein Kostensenkungsprogramm. Die Ausgaben sollen um 200 Millionen Franken sinken. 300 Stellen werden deshalb gestrichen, 200 davon in der Schweiz. Wegen Sondereffekten ging der Gewinn im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 465 Millionen Franken zurück. Die Bär-Aktie verlor nach der Ankündigung mehr als 3 Prozent.

Bei Ihrem ersten Auftritt kündigen Sie gleich einen Stellenabbau an. Wollen Sie die Kosten der Bank Bär mit harter Hand senken?

Wir verfolgen keine reine Kostenstrategie und erhoffen uns auch keine Signalwirkung von diesem Schritt. Wir müssen aber die Ausgaben senken, um den sinkenden Margen im Bankgeschäft entgegenzuwirken. Sie werden zu einem Problem für die gesamte Branche.

Wo fallen die Stellen weg?

Sowohl an der Kundenfront als auch bei den rückwärtigen Bereichen. Wir wissen, wo wir abbauen können. Nun werden wir mit den betroffenen Mitarbeitern das Gespräch suchen. In ein bis zwei Monaten werden wir genauer Auskunft geben können.

Die Bank will nicht mehr über Zukäufe wachsen, auch wollen Sie nicht mehr zwingend neue Kundengelder anziehen. Soll die Bank nicht mehr wachsen?

Natürlich wollen wir eine Wachstumsfirma bleiben. Ich habe kein Interesse daran, zu schrumpfen. Aber die Quellen unseres Wachstums müssen neu justiert werden. Wir können nicht einfach nur Neugelder anziehen und dann hoffen, dass wir damit dann auch Geld verdienen. Wir müssen verstärkt die Lösungen, die wir haben, zu den Kunden bringen.

Wie wollen Sie konkret die Einnahmen steigern?

Wir müssen die Marge erhöhen. Dazu gehört, dass wir aus nicht profitablen Kundengeldern neue Einnahmen generieren, etwa indem Kunden mehr Geld für die Beratung bezahlen. Das wird nicht allen Kunden gefallen, und einige werden vielleicht ihre Gelder abziehen. Wir haben aber in einigen Ländern wie der Schweiz gute Erfahrungen mit unseren Beratungsmodellen gemacht, andere Regionen sollten daher bald folgen.

Es geht also weg vom Produkteverkauf hin zur Beratung?

Das ist ein Trend in der Finanzbranche. Auch für uns werden Beratungsmandate wichtiger. Wir wollen nicht über eine reine Transaktionsgebühr bezahlt werden. Die Transparenz in der Finanzbranche wird grösser, das führt auch dazu, dass die Kunden sehr genau wissen, was sie kaufen. Unser Ansatz geht über die Beratung beim Kauf von Finanzprodukten hinaus, wir beraten Kunden bei der umfassenden Vermögensplanung. Dafür sind sie auch bereit, zu bezahlen.

«Die Ziele haben einen anderen Fokus als früher. Wir schauen auf das Ergebnis und nicht mehr auf die Inputfaktoren.»

Philipp Reichenbacher

Das verlangt einen kulturellen Wandel, wenn Kundenberater nicht einfach neue Gelder anziehen sollen. Wie soll das mit dem bestehenden Personal gehen?

Der neue Ansatz fördert das unternehmerische Denken. Wenn sie dem Team einfach eine Messgrösse vorgeben, dann wird das Geschäft so optimiert, dass sie diese erreichen. Nun erhalten die Mitarbeiter mehr Verantwortung. Das wird auch neue Leute anziehen, die grössere Freiheiten suchen.

Sind Ihre neuen Ziele im Vergleich zu denjenigen Ihrer Vorgänger nicht zu bescheiden?

Wir wollen den Gewinn jährlich um 10 Prozent steigern, und das Kosten-Ertrags-Verhältnis soll deutlich sinken. Das ist sehr ambitioniert. Die Ziele haben aber einen anderen Fokus als früher. Wir schauen auf das Ergebnis und nicht mehr auf die Inputfaktoren.

Die Finma verlangte, dass die Bank die Kunden besser dokumentiert, um so Geldwäschereirisiken entgegenzuwirken. Das Projekt ist nun abgeschlossen. Hilft das dem Geschäft?

Wir kennen unsere Kunden nun besser. Das hilft sicher. Doch ist das nur ein Schritt. Wir werden weiter investieren, um die Daten besser zu verstehen. So lassen sich die Kunden besser bedienen.

Sie planen eine virtuelle Plattform für Bär-Kunden. Wird das eine Art Facebook für Reiche?

Bei unseren Kunden geht es oft um Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann. Dazu gehört auch das Knüpfen von besonderen Kontakten. Heute bringen wir unsere Kunden an exklusiven Anlässen zusammen. Das lässt sich über elektronische Kanäle ergänzen. Wir sehen auch, dass die Kunden sich untereinander finden und Geschäfte abwickeln. Davon können wir dann profitieren.

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