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Wie lange darf der Arbeitgeber mich warten lassen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitszeugnis.

Das Verhalten des früheren Chefs zeigt, dass er es mit den Arbeitgeberpflichten offensichtlich nicht so genau nimmt: Mutter mit Kleinkind.
Das Verhalten des früheren Chefs zeigt, dass er es mit den Arbeitgeberpflichten offensichtlich nicht so genau nimmt: Mutter mit Kleinkind.
Gaëtan Bally, Keystone

Bis nach meinem Mutterschaftsurlaub im letzten Jahr war ich an meiner früheren Stelle. Mein Kind kam im Mai zur Welt, doch die zwei Monate vor der Geburt sowie zwei Wochen nach dem Mutterschaftsurlaub war ich krankgeschrieben. Im ganzen Jahr 2017 habe ich keine Ferien bezogen.

Der Arbeitgeber wollte mir diese aber am Ende des Arbeitsverhältnisses nicht auszahlen. Er meinte, ich sei zwar arbeitsunfähig gewesen, aber deswegen nicht ferienunfähig. Zudem schuldet er mir auch noch die Kinderzulagen. Ich habe nichts unternommen, weil es mir zu anstrengend schien.

Bis heute habe ich auch kein Arbeitszeugnis. Mein früherer Chef hat mich deswegen schon mehrfach vertröstet. Ich fürchte, er wird wütend und stellt mir ein schlechtes Zeugnis aus, wenn ich weiter Druck mache. Was kann ich tun?

Es bleibt Ihnen wohl nichts anderes übrig, als Druck aufzusetzen, wenn Sie das Zeugnis haben wollen. Gegen eine schlechte Beurteilung könnten Sie sich wehren. Denn das Verhalten Ihres früheren Chefs zeigt, dass er es mit den Arbeitgeberpflichten offensichtlich nicht so genau nimmt. Dies fällt letztlich auf ihn selber zurück.

Verlangen Sie Ihr Zeugnis mit eingeschriebenem Brief. Setzen Sie dem Arbeitgeber eine Frist von 14 Tagen – dies muss nach Ansicht von Arbeitsrechtsexperten reichen. Erwähnen Sie, wie oft Sie ihn bereits vergeblich um das Zeugnis angegangen sind. Sie können auch darauf hinweisen, dass Sie das Zeugnis vor Gericht einfordern werden, sofern Sie es nicht innert Frist bekämen. Sollte der frühere Arbeitgeber Ihnen dann tatsächlich ein schlechtes oder falsches Zeugnis ausstellen, können Sie gerichtlich eine Korrektur fordern.

Auch sollten Sie versuchen, die ausstehenden Kinderzulagen und das Feriengeld einzufordern. Die Haltung Ihres früheren Chefs, Sie seien trotz Krankschreibung vor und nach der Geburt Ihres Kindes ferienfähig gewesen, ist rechtlich nicht haltbar.

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Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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