Wie das Teilen von Wohnungen und Büros in der Schweiz Einzug hält

Die Sharing Economy erobert den Schweizer Immobilienmarkt. Ein gutes Geschäft ist das bislang vor allem für Airbnb.

Das Teilen von Immobilien ist in der Schweiz auf dem Vormarsch: Ein Airbnb-Zimmer in einem Aquarium in Frankreich.<p class='credit'>(Bild: Keystone Michel Euler)</p>

Das Teilen von Immobilien ist in der Schweiz auf dem Vormarsch: Ein Airbnb-Zimmer in einem Aquarium in Frankreich.

(Bild: Keystone Michel Euler)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Sharing Economy kennen viele Schweizer bereits vom Mieten eines Mobility-Autos – damit hat es sich aber auch oft. Doch nun kommt das Teilen von Gütern auch bei den Immobilien an. Davon sind die Experten des Beratungsunternehmens Wüest & Partner überzeugt. Es brauchte im Immobilienmarkt ein paar Jahre, bis sich eine Entwicklung festmachen lässt, unterdessen hat das Phänomen in der Schweiz eine gewisse Bedeutung erlangt – wenn auch noch nicht eine so grosse wie im Ausland, schreiben Wüest & Partner in der neusten Ausgabe ihres Immo-Monitorings.

Eine Ursache dafür dürften die günstigen Finanzierungskosten für den Wohnungs- oder Hauskauf sein. Gerade heute vermeldet der Finanzberater Moneypark wieder rekordtiefe Hypotherkarzinsen, und das Angebot an Immobilien steigt stetig. Dennoch nimmt die Sharing Economy in der Schweiz langsam Fahrt auf. Laut Wüest & Partner sind bei der Onlineplattform Airbnb in der Schweiz rund 15'500 Wohnobjekte ausgeschrieben. Sie verfügen über 55'000 Betten. Eine stolze Zahl, entspricht sie doch in etwa einem Viertel aller Hotelbetten in der Schweiz. Hinzu kommen noch weitere Internetplattformen im Wohnungsbereich, bei denen die Nutzerzahl ebenfalls wächst.

Airbnb füllt kalte Hotelbetten

Im Vergleich mit ausländischen Städten ist die Airbnb-Inseratedichte in der Schweiz tief. So kommt Airbnb bislang vor allem in touristischen Regionen zum Einsatz, wo es dafür genutzt wird, die kalten Betten zu füllen. «Sie machen es komfortabler, in den Ferienregionen eine Unterkunft zu finden», so Robert Weinert, Immobilienexperte bei Wüest & Partner. Laut dem Bundesamt für Statistik lag die Bettenauslastung der Schweizer Hotellerie zu Beginn dieses Jahres bei rund 43 Prozent.

In den Städten gibt es viele Airbnb-Nutzer, die das Portal aus ihren Ferien kennen und daher verwenden wollen, um ein Zimmer zu vermieten. Die hohen Mietkosten in den Grossstädten sind ein zusätzlicher Antrieb, nicht benötigten Wohnraum zu vermieten. Ferienbetten in den Bergen und überflüssiger Wohnraum in den Städten werden das Wachstum bei Airbnb in der Schweiz weiter antreiben: «In diesen Segmenten dürfte die Marktdurchdringung am stärksten wachsen», so Weinert. Auffällig ist für ihn, dass in ausländischen Städten mehr ganze Wohnungen oder Häuser vermietet werden. In der Schweiz werden hingegen oft nur einzelne Zimmer ausgeschrieben, so der Experte.

Ebenfalls wachsen dürfte der Markt von gemeinsam genutzten Büroflächen, sogenannten Coworking Spaces. Wüest & Partner zählt derzeit in der Schweiz rund 90 Coworking-Einrichtungen. Bei diesen können sich Büroarbeiter für eine gewisse Zeit einen Arbeitsplatz mieten. Die Hälfte der Einrichtungen befindet sich in den fünf grössten Schweizer Städten. Sie liegen meistens dort, wo sich besonders viele Unternehmen befinden – also dort, wo die Beschäftigungsdichte sehr hoch ist. Gefragt sind die Arbeitsflächen nicht nur von Selbstständigen oder Jungunternehmen, sondern auch von Grossfirmen, die vorübergehend Platz für einen bestimmten Auftrag brauchen.

10 neue Coworking Spaces dieses Jahr

Die Experten von Wüest & Partner gehen davon aus, dass dieses Jahr rund zehn weitere Standorte hinzukommen können. Das Wachstum wird vor allem an zentralen Lagen stattfinden, also dort, wo es für das Thema affine Gruppen hat, dazu gehören etwa die kreativen Berufe wie beispielsweise Grafiker oder Web-Entwickler. Für eine Coworking-Arbeitsfläche sei nicht jede Lage gleich gut geeignet, so Weinert. Hier spielen Faktoren wie Zentrumslage, die Grösse und die Preisgestaltung eine Rolle. Wichtig ist auch eine angestammte Gemeinschaft von Arbeitnehmern, welche die Büros mit Leben füllt.

Die Coworking Spaces eignen sich aber nicht für alle Berufe. Viele sind auf eine vertrauliche und sichere Umgebung angewiesen. Sie könnten laut den Studienautoren aber auf Coworking-Flächen zurückgreifen, um dort einzelne Projekte mit externen Spezialisten abwickeln. Die Experten gehen daher davon aus, dass es weiteres Potenzial für geteilte Arbeitsflächen gibt. Auf eine Zahl, wie gross das Wachstum sein wird, will sich Wüest & Partner nicht festlegen. «Es ist aber ein Geschäftsmodell, das sich entwickeln lässt», so Weinert.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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