Wenn Roboter Steuerzahler ablösen

Wie kommt der Staat zu Geld, wenn immer mehr Steuerzahler von Robotern abgelöst werden? Vom Vorschlag einer Robotersteuer hält der Wirtschaftsverband Economiesuisse nichts.

Wenn eine Firma den Lohn spare, weil sie auf Roboter statt Menschen setze, solle sie dafür eine Steuer entrichten, fordern verschiedene Stimmen.

Wenn eine Firma den Lohn spare, weil sie auf Roboter statt Menschen setze, solle sie dafür eine Steuer entrichten, fordern verschiedene Stimmen. Bild: Keystone

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Dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, ist kein neues Phänomen. Mit den Robotern kommt aber eine neue Dimension hinzu. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und die Denkfabrik Wire beschreiben es in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie: Nicht mehr nur eine bestimmte Bildungsschicht sei betroffen, sondern alle.

Nicht mehr nur die Produktion sei involviert, sondern auch die Dienstleistungsbranche und die Administration. Das bedeutet, dass Roboter die Stellen von teilweise gut verdienenden Arbeitnehmern besetzen, die bisher Steuern gezahlt und Abgaben in die Sozialversicherungen getätigt haben. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenversicherung stärker gefordert, weil Arbeitsplätze abgebaut werden.

Deshalb fordern verschiedene Stimmen eine Robotersteuer: Wenn eine Firma den Lohn spare, weil sie auf Roboter statt Menschen setze, solle sie dafür eine Steuer entrichten. In einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» erläuterte Xavier Oberson, Anwalt und Professor für Steuerrecht, Anfang Jahr diese Idee genauer. Gehe man davon aus, dass ein Roboter einen Arbeitnehmer ersetze, könnte man ein fiktives Gehalt annehmen und auf diesem dann eine Art Einkommenssteuer und Sozialversicherungsbeiträge erheben.

Nicht so radikal

Für Stephan Sigrist, Leiter des Thinktanks Wire, ist es noch viel zu früh, um an die Einführung einer Robotersteuer zu denken. «Mit der Einführung einer solchen Steuer nähme man sich frühzeitig aus dem Wettbewerb, Investitionen würden verhindert», sagt er. Erst müsse sich zeigen, wohin die Entwicklung führe. «Die Digitalisierung wird nicht in alle Lebensbereiche eindringen und wohl auch nicht überall derart radikale Veränderungen mit sich bringen wie teilweise befürchtet», sagt er.

Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, fügt an: «Wir überschätzen den Job­verlust massiv.» Zwar würden Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig werde es neue Jobs in Bereichen geben, die man vielleicht noch gar nicht kenne. «Uns geht die Arbeit nicht aus, auch wenn gewisse Tätigkeiten von Robotern erledigt werden. Deshalb wird es auch weiterhin genügend Steuerzahler geben», so Minsch.

Für Economiesuisse sind die Umwälzungen deshalb anders zu bewältigen als etwa mit Strafsteuern für Self-Scanning-Kassen, wie der Verband in einer Mitteilung deutlich macht. Minsch sagt, weshalb er nichts von solchen Robotersteuern hält: «Dann müsste man ja auch die Bohrmaschinen der Schreiner besteuern, sie ermöglichen schliesslich dasselbe wie Roboter: mehr Effizienz.» Gut bewältigt

Eine Robotersteuer wäre laut Minsch ein hilfloser Versuch, den Strukturwandel zu bremsen. «Dieser lässt sich aber nicht aufhalten.» Deshalb sei es besser, die Entwicklung mitzugestalten, statt am Bestehenden festzuhalten. Nur dann profitiere man von Chancen, welche die Digitalisierung biete. So hält Minsch etwa für möglich, dass künftig Tätigkeiten, die aus Kostengründen ins Ausland ausgelagert wurden, wieder in der Schweiz ausgeführt werden – auch mithilfe von Robotern.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt ausserdem, dass die Schweiz Umwälzungen bisher gut bewältigt habe. Im Fazit hält Economiesuisse zudem fest, der Roboter sei aus Sicht der Firma genauso wie Produktionsmaschinen oder Firmengebäude nichts anderes als Kapital, und dieses werde bereits besteuert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.08.2017, 22:35 Uhr

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