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Wegen Coronavirus droht Handy-Engpass in der Schweiz

In China stehen die Produktionsbänder still. Das bekommen auch Schweizer Unternehmen zu spüren. Betroffen ist vor allem die Mobilfunkbranche.

Angelika Gruber, Jon Mettler
Schweizer Unternehmen erwarten 2020 die neuen 5G-fähigen Smartphones aus China. Laut Huawei Schweiz funktionieren die Lieferketten normal. Foto: EPA
Schweizer Unternehmen erwarten 2020 die neuen 5G-fähigen Smartphones aus China. Laut Huawei Schweiz funktionieren die Lieferketten normal. Foto: EPA

Zu den Schweizer Importschlagern aus der Volksrepublik gehören Mobiltelefone, Computer und Bekleidung. Sie sind aus dem Schweizer Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Doch auch viele Firmen kommen nicht mehr ohne Bauteile aus China aus. Wenn sie fehlen, dann stockt die Produktion.

Betroffen ist vor allem die Mobilfunkbranche: Chinesische Unternehmen wie Huawei liefern nicht nur Netzwerkteile für die Infrastruktur von Swisscom, Sunrise und Salt. Hersteller aus China haben für den Frühling auch erste massentaugliche Smartphones angekündigt, die den neuen Mobilfunkstandard 5G unterstützen.

Auf diese Geräte warten die Anbieter sehnlichst, um mit dem teuren Aufbau ihrer 5G-Netze Geld verdienen zu können. «Wir beschäftigen uns laufend mit der Situation», sagt Swisscom-Chef Urs Schaeppi mit Blick auf die weltweite Ausbreitung des Erregers. «Wir haben etwa unsere Bestände für Smartphones erhöht, um genug Geräte für den Verkauf bereit zu haben», sagt Schaeppi gegenüber dieser Zeitung. Es gehe darum, vorausschauend zu handeln. Denn es sei schwierig abzuschätzen, wie sich die Pandemie entwickle. Ein Sprecher von Huawei Schweiz beschwichtigt indes. Die Lieferkette funktioniere normal, erklärte er.

Ein Sunrise-Sprecher erklärte, dass mögliche Lieferengpässe davon abhängen, wie lange die Produktion eingeschränkt sei. Aktuell gebe es keine Probleme. Der unabhängige Telecomkonzern Mobilezone hat angesichts des chinesischen Neujahrsfestes Handys bereits auf Vorrat gekauft und verfügt aktuell über gute Lagerbestände, wie Marketingchef Gregor Vogt sagt.

Wohl noch länger kein Normalbetrieb in China

Auch bei Industriefirmen könnte das Virus deutliche Bremsspuren hinterlassen. In der Autobranche stehen die Bänder nicht nur in China still, sondern auch in anderen Ländern. Der Autobauer Hyundai hat Medienberichten zufolge wegen Problemen in der Lieferkette die Produktion in Südkorea heruntergefahren. Und auch bei Fiat Chrysler droht der «Financial Times» zufolge durch Lieferverzögerungen der Stillstand eines Werks in Europa.

Die Wirtschaftskammer Schweiz-China rechnet mit Engpässen bei Komponenten, die in China hergestellt werden. Selbst wenn der Betrieb in den chinesischen Fabriken zu Wochenbeginn wieder anläuft, dürfte es noch länger dauern, bis die Produktion wieder in normalen Bahnen läuft.

Denn viele Schulen sind bis Ende des Monats geschlossen. Eltern müssen damit die Kinderbetreuung selbst bewerkstelligen. Zudem gibt es weiterhin etliche Kontrollstellen, an denen Personen angehalten werden, um Fieber zu messen. «All diese kleinen Effekte summieren sich. Ich würde nicht überrascht sein, wenn sich die Produktionsaufnahme verzögert», sagt der Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-China, Felix Sutter. Die chinesischen Behörden hatten die Neujahrsferien verlängert, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Uhrenbranche könnten wichtige Teile zur Produktion fehlen

Der Stillstand im Land bremst den Transport von Waren. Grosse Häfen und Flughäfen ausserhalb der betroffenen Provinz seien zwar offen, sagte ein Sprecher von Kühne + Nagel. Der Betrieb sei jedoch eingeschränkt. Zudem seien in einigen Gebieten Strassen geschlossen. «Dies wird Auswirkungen auf die Produktionskapazität und die Handelsströme haben, wenn die verlängerten Ferien vorbei sind», erklärte der Logistikkonzern. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde es daher zu Verspätungen kommen.

Folgen könnte die Zwangspause für die traditionelle Schweizer Uhrenbranche haben, die bei günstigeren Modellen auf Bauteile aus China setzt. Von dort stammen dem Branchenverband zufolge etwa Fertiguhren im Billigsegment oder einzelne Bestandteile wie Gehäuse, Armbänder oder Zifferblätter. Bislang habe es zwar keine Einschränkungen in der Zulieferkette gegeben, erklärte Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie. «Je nach Dauer und Umfang der Epidemie könnte es möglich sein, dass gewisse Marken beeinträchtigt werden», sagt er.

Beim Marktführer Swatch, der zum Teil Gehäuse und Verpackungen aus China importiert, gibt es bislang keine Probleme. « Wir haben genug Produkte am Lager», erklärte ein Sprecher. Bei Bedarf könne das Unternehmen auch auf andere Zulieferquellen ausweichen.

Pharmafirmen haben Vorräte angehäuft

Pharmafirmen wie Novartis kaufen vor allem Basiswirkstoffe für Nachahmermedikamente in China ein. Novartis rechnet derzeit jedoch nicht mit einem Unterbruch in der Lieferkette – weder in der eigenen Fertigung noch bei Zulieferern, wie ein Sprecher bestätigte. Mit den bestehenden Vorräten könne das Unternehmen die Produktion aufrechterhalten.

Chemiefirmen beziehen Vorprodukte aus China. Mit einer Einschätzung zur Lage halten sie sich derzeit jedoch zurück. Clariant analysiere seine Lieferkette von und nach China, um mögliche Auswirkungen zu ermitteln und Ausweichmöglichkeiten zu finden, erklärte ein Sprecher.

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