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Wie Stromunternehmen unsere Versorgung aufrecht erhalten

Mitarbeiter dürfen nicht mehr in die Ferien, Teams werden aufgeteilt: Stromanbieter rüsten sich für den Notfall.

Trotz Corona wollen Stromfirmen Engpässe vermeiden. Foto: Urs Jaudas
Trotz Corona wollen Stromfirmen Engpässe vermeiden. Foto: Urs Jaudas

Zu den essenziellen Dingen in unserer Gesellschaft gehört die Versorgung mit Strom. Damit diese während der Corona-Krise sichergestellt ist, versuchen Stromunternehmen mit etlichen Massnahmen zu verhindern, dass zu viele Krankheitsfälle den Betrieb unterbrechen.

So zum Beispiel die Alpiq. «Besonders neuralgisch sind die Leitstellen, in denen wir die Stromproduktion steuern», sagt Michael Wider. Er ist Leiter des Bereichs Generation Switzerland bei der Alpiq und somit für die Stromproduktionsanlagen zuständig. Bei den Leitstellen habe man das strengste Regime eingeführt.

Heisst: Das Personal muss übervolle öffentliche Verkehrsmittel vermeiden, Teams wurden verkleinert, um mehr Flexibilität zu haben. Zudem wird Mit­arbeitenden, die aufgrund ihrer Schlüsselposition unbedingt am Arbeitsplatz sein müssen und kein eigenes Auto haben, eines zur Verfügung gestellt, damit sie nicht mit dem ÖV anreisen müssen.

Ferienstopp in Beznau

Das Coronavirus beeinflusst auch den Betrieb bei den Alpiq-Wasserkraftwerken. «Da haben wir das Glück, dass die Kraft­werke meist im hochalpinen Bereich liegen, da ist die Ansteckungsgefahr geringer als in der Stadt», sagt Wider. Trotzdem ­seien Teams aufgeteilt worden, um Ansteckungen zu minimieren. Zudem werde geprüft, welche Ausbau- oder Renovationsarbeiten auf später verschoben werden könnten, um den Betrieb zu entlasten. Wider betont, dass man sehr gut vorbereitet sei. Der Betrieb und somit die Stromversorgung aus den Alpiq-Kraftwerken sei in keiner Weise in Gefahr.

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, gibt es für Mitarbeitende des Kernkraftwerks Beznau gar einen Ferienstopp. Einen solchen haben die Kraftwerke in Leibstadt und Gösgen nicht. Man habe aber in Gösgen Teams neu organisiert und verkleinert, um Ansteckungen zu verhindern, sagt Wider. Kernkraftwerke hätte naturgemäss mehr Personalreserven und Notfallpläne, um kurzfristig reagieren zu können.

Minimalbetrieb sicherstellen

Bei der BKW sind seit Anfang dieser Woche Teams getrennt. Beim Stromhandel und in der zentralen Leitstelle arbeitet der eine Teil der Mitarbeitenden im Büro, der andere Teil ausserhalb des Büros, meist im Homeoffice. Die Leitstelle, welche die Stromnetze der Berner überwacht, wurde zudem mit einer Re­dundanz gestärkt. So sei ein weiterer Standort in Betrieb ge­nommen worden, um «in jedem Fall einen Minimalbetrieb sicherstellen zu können», sagt eine Sprecherin.

Ähnliches gilt bei der Axpo. Dort arbeiten Schlüsselmitarbeiter mit derselben Funktion nicht mehr am selben Ort. Ebenso wurden in gewissen Abteilungen Teams aufgeteilt. Die Hälfte arbeitet im Büro, die andere Hälfte aus dem Homeoffice. Nach 14 Tagen wird dann gewechselt.

Beim Bündner Unternehmen Repower ist die Situation speziell, weil die Firma Grenzgänger als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat. Entsprechend muss das Unternehmen geschlossene Grenzen als Option miteinbe­ziehen. Die Angestellten von Repower werden laut einem Sprecher angehalten, ihren Laptop mit nach Hause zu nehmen.

Damit sei sichergestellt, dass sie bei geschlossenen Grenzen weiterarbeiten könnten. Gerade weil der Hauptsitz und das Betriebszentrum von Repower im Puschlav nahe an der Grenze zu Italien liegen, überlege man sich Szenarien, wie Mitarbeitende in der Schweiz bleiben könnten.

Keine direkte Kontakte

Auch bei Repower gilt ein strenges Regime bei denen, die im Kontrollraum dafür verantwortlich sind, dass Kraftwerke und Stromnetze im Krisenfall funktionieren. Die Zahl der Personen, die im Kontrollraum sein dürfen, wurde drastisch reduziert, und die Kontaktzeiten zwischen den jeweiligen Schichtgruppen wurden eingeschränkt. Im Repower-Kraftwerk in Te­verola in Italien wurde sogar ­jeglicher direkte Kontakt zwischen den Schichtgruppen verboten.

Grundsätzlich sei man aufmerksam, aber nicht panisch bei Repower und habe noch keinen Krankheitsfall. Am Sitz von ­Repower Italien in Mailand gelte trotzdem ein neues Regime: Wer anwesend sei, müsse begründen, warum er nicht zu Hause arbeite. Vorher sei es umgekehrt gewesen.

Bei der nationalen Netzge­sellschaft Swissgrid gilt ein verschärftes Regime wegen des ­Coronavirus. Swissgrid ist für den sicheren Betrieb zuständig und überwacht das Netz. Sie hat nun neue Regelungen für den Zutritt zu ihren Anlagen er­lassen. Ebenso wurden Teams aufgeteilt und Mitarbeitende ins Home­office geschickt. Bei den Netz­leitstellen, also dort, wo der Stromfluss konkret überwacht wird, gelten ebenso verschärfte Zutrittsregeln.

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