Vatikan geht mit Bankern hart ins Gericht

In einem Dokument zu ethischen Kriterien des Wirtschaftssystems hat der Vatikan der Finanzindustrie ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Gab dem Grundsatzpapier des Kirchenstaates seinen Segen: Papst Franziskus. (Archiv)

Gab dem Grundsatzpapier des Kirchenstaates seinen Segen: Papst Franziskus. (Archiv)

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Die Welt hat es nach Ansicht des Vatikans versäumt, Lehren aus der Finanzkrise vor zehn Jahren zu ziehen. Statt eine gerechtere Wirtschaft aufzubauen, herrsche immer noch Unmoral, hiess es am Donnerstag in einem Grundsatzpapier des Kirchenstaates, das Papst Franziskus abgesegnet hat.

«Manchmal hat es sogar den Anschein, als wäre ein oberflächlicher, kurzsichtiger Egoismus zurückgekehrt, der das Gemeinwohl missachtet und nicht daran interessiert ist, Wohlstand zu schaffen und zu verbreiten.»

Steueroasen dienten oft der Geldwäsche und kriminellen Organisationen, was zu Lasten vor allem der Armen ging, heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten Dokument, das unter anderem die Glaubenskongregation verfasst hat. Instrumente wie Finanzderivate prangerte der Vatikan als «eine Art Zeitbombe» an, «die früher oder später explodieren und die Gesundheit der Märkte vergiften kann».

Zerstörerisches Potenzial

Hart ging der Kirchenstaat auch mit Bankern ins Gericht. «Auch wenn viele Akteure persönlich von guten und berechtigten Absichten geleitet sind, darf auch nicht unbeachtet bleiben, dass die Finanzindustrie heute (...) ein Ort ist, wo Egoismen und Missbräuche ein für die Allgemeinheit zerstörerisches Potenzial haben, das seinesgleichen sucht.»

Im September 2008 war die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen und hatte weltweit eine Banken- und Finanzkrise mit einer anschliessenden globalen Rezession ausgelöst. Franziskus ruft immer wieder zu einem gerechteren Wirtschaftssystem auf und hat auch mehrmals schon die unfairen Mechanismen der Finanzindustrie beklagt. (nag/sda)

Erstellt: 17.05.2018, 14:55 Uhr

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