US-Grossbank wirbt in der Schweiz um Schwarzgeld

Die USA bestraften Schweizer Banken in den vergangenen Jahren wegen Beihilfe zur Steuerflucht. Mit ähnlichen Manövern macht nun J. P. Morgan Chase Geschäfte.

Geniessen eine Rechtslücke: Banker im J.-P.-Morgan-Chase-Hauptgebäude in New York. (Archivbild)

Geniessen eine Rechtslücke: Banker im J.-P.-Morgan-Chase-Hauptgebäude in New York. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Seit diesem Sommer werden hiesige Vermögensverwalter von Vertretern der Grossbank J. P. Morgan Chase per Telefon und Mail hartnäckig bearbeitet: Das grösste amerikanische Finanzinstitut wirbt aggressiv um die Verschiebung von Kundengeldern in die Vereinigten Staaten, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Das Vorgehen ist äusserst fragwürdig: Die Schweizer sollen als «Advisor» an einem Konstrukt mitverdienen, bei dem der wirtschaftlich Berechtigte des Vermögens verschleiert wird. Das widerspricht klar den Richtlinien der OECD, an welche sich die Schweiz und zahlreiche andere westliche Staaten halten. Die Amerikaner hingegen geniessen eine Rechtslücke, weil Washington den automatischen Informationsaustausch nicht ratifiziert hat.

Schweizer Banken wurden dafür bestraft

Ausserdem entspricht die angebotene Praxis genau jenen Manövern, für die Schweizer Banken in den vergangenen Jahren massiv von den USA bestraft worden sind. Wegen Beihilfe zur Steuerflucht mussten helvetische Geldhäuser Milliarden an Bussen zahlen. Zwar erwähnen die Amerikaner nicht das Wort Schwarzgeld. Ein Schweizer Vermögensverwalter sagt aber: «Wenn ein solches Konstrukt angeboten wird, ist allen Beteiligten klar: Da fliessen auch undeklarierte Gelder ein. Das lässt sich so nicht mehr ausschliessen.»

Der «SonntagsZeitung» liegen Dokumente vor, die das Vorgehen eines J. P. Morgan-Direktors aus der Chicagoer Filiale in allen Details zeigen. Der Banker hat gegenüber einer Zürcher Firma sogar seinen Besuch in der Schweiz angekündigt.

Politik wird aktiv

Die Werbeoffensive steht hier ohnehin auf rechtlich dünnem Eis: Das Anbieten von Finanzdienstleistungen ohne Schweizer Banklizenz auf Schweizer Boden ist verboten.

Der aktuelle Fall ruft die Politik auf den Plan: Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer reicht im Parlament einen Vorstoss ein: Er will vom Bundesrat wissen, ob er bei der OECD interveniert und ob er das Vorgehen der US-Banken rechtlich klärt. Zudem soll die Finma aktiv werden. Nach Informationen der «SonntagsZeitung» ist Finanzminister Ueli Maurer (SVP) bereits über den Fall im Bild.

NXP

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