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Urteil gegen ehemalige KPT-Spitze ist rechtskräftig

Das Urteil des bernischen Wirtschaftsstrafgerichts gegen die frühere Spitze der Krankenversicherung KPT ist rechtskräftig: Die Berufungen sind zurückgezogen worden.

chh
Der ehemalige KPT-Verwaltungsratspräsidenten Walter Bosch (rechts) und dessen Vize Bernhard Liechti vor dem Amtshaus in Bern (Montag 16. März 2015).
Der ehemalige KPT-Verwaltungsratspräsidenten Walter Bosch (rechts) und dessen Vize Bernhard Liechti vor dem Amtshaus in Bern (Montag 16. März 2015).
Keystone

Der ehemalige KPT-Verwaltungsratspräsident Walter Bosch und Ex-Vize Bernhard Liechti waren im März 2015 erstinstanzlich zu teilbedingten Freiheitsstrafen von je drei Jahren verurteilt worden. Laut Gericht machten sie sich der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig. Beide hatten vergeblich einen Freispruch verlangt.

Noch im Gerichtssaal kündigten ihre Verteidiger Berufung an. Durch deren Rückzug fällt nun auch die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft dahin. Diese hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren gefordert. Die auf Anfang Juni 2016 angesetzte Verhandlung vor dem Obergericht findet nicht statt.

Die Vorwürfe gegen Bosch und Liechti gehen auf das Jahr 2010 zurück. Die Krankenversicherung KPT erwog damals die Fusion mit der Sanitas. In diesem Zusammenhang wurde ein Rückkaufprogramm für Mitarbeiteraktien aufgegleist.

Der Rückkaufpreis wurde auf 600 Franken pro Stück festgelegt mit der Begründung, dies entspreche dem Wert der KPT. Doch laut Mitarbeiterbeteiligungsreglement hätte pro Aktie nur 34 Franken gezahlt werden müssen. Mit dem höheren Preis hätten Bosch, Liechti und andere Aktionäre innerhalb der KPT eine exorbitante Rendite eingefahren, wenn die Fusion zustande gekommen wäre.

Treibende Kräfte

Nach Überzeugung des Wirtschaftsstrafgerichts waren Bosch und Liechti die treibenden Kräfte bei der Festlegung des Preises. Dass sie sich auf die Expertise eines - inzwischen verstorbenen - Verwaltungsrats und Wirtschaftsjuristen verlassen haben wollen, änderte für das Gericht nichts: Als erfahrene Verwaltungsräte hätten sie das Ganze kritisch hinterfragen müssen.

Um das Rückkaufsprogramm zu finanzieren, beschloss der Fusionsausschuss ein Darlehen in der Höhe von 70 Millionen Franken. Dabei hätte die KPT Holding gar nicht die Mittel gehabt, um das Darlehen zurückzuzahlen, sagte die vorsitzende Richterin bei der Urteilseröffnung.

Auch in diesem Punkt hätten beide Männer ihre Pflichten als Verwaltungsräte verletzt. Verurteilt wurden Bosch und Liechti schliesslich auch wegen sogenannten Besitzstandwahrungszahlungen an Verwaltungsräte.

Harte Kritik

Beide Beschuldigten hatten vom Wirtschaftsstrafgericht harte Kritik einstecken müssen. Bosch habe dazu beigetragen, das Bild von gierigen Managern zu verbreiten. Liechti habe sich vor allem dann hervorgetan, wenn eigene finanzielle Interessen im Spiel gewesen seien.

Angezeigt wurden Bosch und Liechti 2012 von der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Diese brummte den beiden Männern ein vierjähriges Berufsverbot auf.

(SDA)

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