UBS-Aktien im freien Fall: 15 Prozent Verlust

Wie soll die UBS jetzt ihre Investmentbank verkaufen? Die Krisenmeldungen aus New York wecken Zweifel an der Grossbank, ihr Aktienkurs verlor zeitweise einen Fünftel des Wertes.

Bei jedem Beben in der Finanzwelt zittert auch die UBS: Diese Regel bestätigte sich heute wieder. Der Aktienkurs der Grossbank verlor zeitweise 21 Prozent seines Wertes. Untergang von Lehman Brothers, Untergang von Merrill Lynch, Engpass bei AIG – die Krisenmeldungen aus New York heizten offenbar neue Zweifel am Zustand der Grossbank an. Kein anderer Schweizer Wert verlor so dramatisch.

Dazu trug bei, dass nochmals schlechte Zahlen die Runde machten: Die Sonntagszeitunghatte gestern ausgerechnet, dass die UBS im zweiten Halbjahr weitere 5 Milliarden Franken abschreiben müsse. Die Bank selber redet von einer Spekulation und ist nicht bereit, die Rechnung zu kommentieren; die Bilanz des dritten Quartals werde erst in zwei Wochen abgeschlossen und am 4. November publiziert.

Möglichkeiten «dramatisch reduziert»

So oder so ist die Schweizer Bank direkt betroffen von den Nachrichten aus Amerika. Erstens erschwert der Untergang von Lehman und Merrill Lynch eine wichtige Entwicklungsvariante – nämlich den Verkauf ihrer Investmentbank. Mitte August hatte UBS-Präsident Peter Kurer erstmals angedeutet, dass solch ein Verkauf zumindest denkbar sei; nun aber stehen weitaus weniger Varianten offen, sind schlagartig weniger denkbare Käufer auf dem Markt. Die Möglichkeiten der UBS hätten sich jetzt «dramatisch reduziert», sagte Markus Granziol, Ex-Chef der UBS-Investmentbank, gegenüber dem Nachrichtendienst Dow Jones. Tatsächlich sieht die Struktur an der Wall Street – wo auch die Investmentbank der UBS ihren Hauptarm hat – nun auf einen Schlag anders aus. Gab es vor einem halben Jahr noch fünf unabhängige Investmentbanken, sind es jetzt noch zwei: Morgan Stanley und Goldman Sachs.

Zweitens ist die UBS auch am Nothilfefonds beteiligt, den zehn Grossbanken auflegen wollen. Diese Sicherheitskasse wurde gestern beschlossen, 70 Milliarden Dollar werden eingespiesen – und 7 Milliarden davon kommen von der UBS; eine weitere Milliardensumme, die sie zurückstellen muss. Immerhin. Dafür könnte die UBS bei Liquiditätsengpässen bis 23 Miliarden Dollar aus diesem Hilfsfonds erhalten.

Die Bankenkommission versuchte die Lage mit am Nachmittag mit dem Hinweis zu beruhigen, die Grossbanken UBS und CS seien ausreichend kapitalisiert. Dennoch wurde die UBS im europäischen Börsenhandel zeitweise am stärksten abgestraft – abgesehen von der britischen Hypothekenbank HBOS. Die Entwicklungen im europäischen Handel bis zum Abend:

UBS: -14,6 Prozent

Barclays: -9,6 Prozent

Commerzbank: -9,1 Prozent

Société Générale: -8,7 Prozent

Royal Bank of Scotland: -8,2 Prozent

Deutsche Bank: -7,3 Prozent

Credit Agricole: -5,9 Prozent

CS: -5,2 Prozent

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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