Zweiter Sawiris macht in Alpenrepubliken mobil

Hintergrund

Naguib Sawiris, Bruder von Samih Sawiris, beginnt in Österreich und der Schweiz Telekomanteile zu kaufen. Der Österreicher Ronny Pecik, der vor sechs Jahren die Schweizer Industrie aufmischte, ist mit an Bord.

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Der Sawiris-Clan schlägt wieder zu. Diesmal in den Telekommärkten der Länder Schweiz und Österreich. Während sich Bruder Samih um das Tourismusgeschäft mit zahlreichen Hotelbetrieben kümmert und der zweite Bruder Nasef in den Baufirmen von Orascom Construction engagiert ist, bietet Naguib Sawiris als Dritter im Bunde für den Mobilfunker Orange in der Schweiz – und seit heute auch offiziell für die Telekom Austria im angrenzenden Nachbarland. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» bestätigt Samih Sawiris die Absicht seines Bruders Naguib, die Telekom Austria aufzukaufen und auch in der Schweiz zu expandieren.

5,4 Prozent an Telekom Austria

Neben dem Übernahmeziel in Österreich haben es die Sawiris, genauer gesagt Bruder Naguib, also auch auf Orange Schweiz abgesehen. France Télécom hat sich dazu entschlossen, ihre Schweizer Mobilfunktochter für bis zu zwei Milliarden Euro zu verkaufen. Das Bieterrennen zwischen mehreren Investmentgesellschaften und Naguib Sawiris um die lokale Firma hat bereits begonnen. Und in Österreich visiert Sawiris vorerst eine Teilübernahme von bis zu 20 Prozent an der Telekom Austria. Das entspricht einem Wert von rund 750 Millionen Euro. Innert weniger Tage hatte er bereits 5,4 Prozent am Unternehmen erworben. Telekom Austria soll sich laut Branchengerüchten um einen «weissen Ritter» bemühen, der die feindliche Übernahme abwehren soll.

Am Geld für derartige Akquisitionen fehlt es dem Clan nicht. Mit einem geschätzten Familienvermögen von rund 20 Milliarden US-Dollar gehört die Familie Sawiris laut dem Magazin «Forbes» zu den reichsten Menschen der Welt. Bruder Naguib, der die Telekomsparte des Familienimperiums leitet, besitzt über die Firma Weather Investments 20 Prozent am russischen Mobilfunkunternehmen Vimpelcom. Im Gegenzug hat Vimpelcom 51 Prozent an der ägyptischen Orascom Telecom erhalten, die Naguib Sawiris 1998 gegründet hat. Orascom ist mitunter der grösste Telekomanbieter Afrikas mit Sitz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. «Aus einem Geschäft mit dem russischen Telekomanbieter Vimpelcom ist er zu Cash gekommen», erklärt Samih die Geldflüsse.

Strategische Lücke

Die Gründe für die Übernahmepläne in der Schweiz und Österreich liegen laut Brancheninsidern auf der Hand. «Mit diesen Investments schliesst Sawiris die strategische Lücke zwischen Russland und Afrika», erklärt Analyst Bernd Maurer von der Raiffeisen Centro Bank. Über die Beteiligung an Vimpelcom ist Sawiris bereits am russischen und italienischen Markt über diverse Unterbeteiligungen aktiv. Für den noch besseren Zugang zum italienischen Telekommarkt ist die Schweiz ein vorteilhafter Standort. Den südosteuropäischen Markt wiederum deckt die Telekom Austria am besten ab, die überdies – jüngst von Korruptionsaffären gebeutelt – am Kapitalmarkt um rund sieben Euro jetzt günstig zu haben ist. Die Aktie hat seit Anfang Jahr um 35 Prozent an Wert verloren.

Zu den laufenden Geschäften äussern sich die Sawiris ungern. Kein Wunder: Das leiseste Gerücht kann die Übernahmeziele stark verteuern. Nachdem kolportiert wurde, Sawiris wolle die Telekom Austria übernehmen, schnellte der Kurs um fast zehn Prozent nach oben. Zudem geht es im Falle der Telekom Austria im Vergleich zu Orange Schweiz nicht um ein Tochterunternehmen eines ausländischen Konzerns, sondern auch um ein Unternehmen mit österreichischer Industriegeschichte.

Investor Ronny Pecik taucht wieder auf

Um die Sorgen vor einer feindlichen Übernahme aus dem Ausland zu zerstreuen, war in der Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr die Rede vom Ägypter Naguib Sawiris, sondern nunmehr vom österreichischen Investor Ronny Pecik, der die Anteile der Telekom Austria erworben habe. Das dürfte kein Zufall sein. Pecik unterhält gute Kontakte in beiden Ländern. In der Schweiz kennt man Pecik noch von den Übernahmen rund um die damaligen Konzerne Unaxis, Oerlikon Bührle und Sulzer. Die Deals endeten für Pecik in strafrechtlichen Verfahren, weil er die börsenrechtliche Meldepflicht verletzt hatte. Im Jahr 2010 wurde das Verfahren nach Bezahlung einer Millionenstrafe eingestellt.

In Österreich zählt Pecik auch zu den engsten Vertrauten des Industriellen Mirko Kovats, der derzeit ein Insolvenzverfahren und eine Reihe von Aktionärsklagen am Hals hat. Kovats hatte damals mit Pecik die Finanzierung für die Beteiligungen an den Schweizer Maschinenbau-Unternehmen gestemmt. Ob sich die Geschichte nun umgekehrt in Österreich wiederholt, wird sich weisen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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