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Zürcher Banker von Vergangenheit eingeholt

Der von der US-Justiz angeklagte Manager der Neuen Zürcher Bank spielte bereits im Fall UBS in Florida eine Rolle. 2001 hatte er noch vor den Gefahren für die UBS in Amerika gewarnt.

Der Fall ist nicht ohne Ironie. Just jener Bankmanager, der die UBS schon 2001 davor gewarnt hatte, reiche Amerikaner hinter dem Rücken der USA weiterhin zwecks Steuervermeidung von der Schweiz aus zu bearbeiten, steht unter Anklage wegen Beihilfe zum Steuerbetrug. In den USA mitangeklagt ist ein Anwalt aus Zollikon (TA vom Freitag).

Im Jahr 2002 hatte der Banker die UBS verlassen und wechselte zu der im 2000 gegründeten Neuen Zürcher Bank (NZB). Er hatte offenbar einen Teil seiner UBS-Kunden mitgenommen und baute als Leiter Privatkunden für die NZB das Geschäft mit reichen Ausländern auf. Die US-Anklage deutet darauf hin, dass er beim neuen Arbeitgeber genau das tat, was er vorher entschärfen wollte.

Der Banker der NZB und der Anwalt hätten mit Tarnfirmen «reichen Amerikanern geholfen, ihre Vermögen und ihr Einkommen in der Schweiz vor den USA zu verstecken». Sie hätten Bankpapiere gefälscht, Kreditbelege fabriziert und Kunden Kreditkarten in Steuerparadiesen verschafft. Die beiden seien wiederholt inkognito zur Kundenpflege in die USA eingereist.

Sogar den Vater noch reingezogen?

Krass sei der Fall, so die Anklage, in dem die Angeklagten eine reiche Amerikanerin überredeten, Vermögen ihrer Mutter auf ein Konto zu übertragen, das auf den Namen des Vaters des Bankers lautete. Nach dem Tod des Vaters könne das Geld, getarnt als Erbe an die Kinder, Nichten und Neffen der Kundin zurückfliessen.

Die NZB habe im Frühling entschieden, alle Mandate mit US-Kunden aufzugeben und den Banker seiner Funktion zu entheben, sagte eine Sprecherin gestern. Ende September hätte er die Bank verlassen. Die Bank trennte sich per sofort von ihm, als die Anklage am Donnerstag bekannt wurde. Für den Banker und den Anwalt gilt die Unschuldsvermutung.

Dem NZB-Banker musste bewusst sein, wie brisant es war, reiche Amerikaner von der Schweiz aus zu bedienen. Denn er spielte schon im Fall UBS, der jüngst mittels Vergleich beigelegt wurde, eine tragende Rolle: Sein Name taucht im Prozess der US-Steuerbehörde gegen die UBS in Florida mehrfach in E-Mails auf, die zu den Akten gehören. Im Frühling 2001 erhielt der Banker, der damals Chef eines UBS-Teams war, das reiche Amerikaner vom Ausland her bearbeitete, ein Mail von einem Bankkollegen, das vor verdeckten Ermittlungen amerikanischer Steuerfahnder in der Schweiz warnte. Das habe ihm ein Anwalt von Baker & McKenzie in Zürich gesagt.

«Mit neuen Kunden vorsichtig sein»

Der Banker mailte darauf seinem Team am 2. Mai, er habe leichte Zweifel an diesem Bericht: «Um aber auf der sicheren Seite zu sein, instruiere ich alle Kundenberater, mit neuen Kunden vorsichtig zu sein betreffend QI und mögliche Strukturen.» Sie sollten «Lösungen» zur Umgehung der Steuerpflicht «nur bei Kunden erwähnen, die wir schon seit einiger Zeit kennen».

Die UBS hatte sich damals in Amerika als «qualifizierter Intermediär» (QI) registriert, was sie verpflichtete, die Vermögensverhältnisse von US-Kunden den dortigen Steuerbehörden offenzulegen oder ihre Tätigkeit für reiche Amerikaner radikal einzuschränken. Das erwähnte Mail des Bankers zeigt, dass die UBS nicht bereit war, die gegenüber Amerika eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. In «vertraulichen» Mails wurde debattiert, ob bestimmte Vehikel noch legal waren, oder wie die Gefahr der Entdeckung verringert werden könnte.

Im November 20o1 wurde dem Banker der Kollisionskurs zu heiss. Er forderte die Leitung des UBS-Private Banking in einer Eingabe auf, «ein eher den Gesetzen entsprechendes US-Geschäftsmodell zu erwägen». Sonst laufe die Grossbank Gefahr, «dass die Art und das Ausmass unseres Offshoregeschäfts aufgedeckt werden.» Der Vorschlag wurde von seinen obersten Chefs an einer Sitzung bachab geschickt, wie der Finanzjournalist Lukas Hässig im Buch «Der UBS-Crash» aufdeckte. Der Banker male zu schwarz, hiess es.

Nach dem Wechsel zur NZB überredeten der Banker und der Anwalt Kunden der UBS und anderer Banken, ihre Vermögen zur NZB zu transferieren. Die Gelder seien dort sicherer, weil die kleine Schweizer Bank in den USA keine Präsenz habe, heisst es in der Anklage.

Ihnen droht womöglich ein weiteres Verfahren. Ein US-Unternehmer behauptet, sie seien beteiligt gewesen, als ein Beamter des Departements Merz mit 45 000 Dollar bestochen wurde. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung und Bestechung - noch gegen unbekannt.

Der Sitz der Neuen Zürcher Bank an der Gartenstrasse in Zürich.

Ausriss aus einem Mail vom 2. Mai 2001, in dem der Banker sein Team bei der UBS warnte, bei Neukunden mit Umgehungsvehikeln vorsichtig zu sein.

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