Zuckerberg im Schafspelz

Facebook verspricht, sich mehr um die Privatsphäre seiner Nutzer zu kümmern. Aber klar ist: Der Profit steht weiter im Mittelpunkt.

Mark Zuckerberg gelobt Besserung. Einmal mehr. Facebook will die Privatsphäre seiner Nutzer künftig stärker respektieren. Deshalb will Zuckerbergs Konzern auf allen drei Plattformen – Facebook-Messenger, Instagram und Whatsapp – Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umsetzen. Zudem sollen sie enger verknüpft werden. Und drittens will Facebook Nutzern mehr Kontrolle darüber geben, wie lange ihre Inhalte auf den Plattformen verbleiben.

Das tönt nach einem Paradigmenwechsel und signalisiert nach dem Horrorjahr 2018: Wir haben verstanden, wir ändern uns. Aber ist Zuckerbergs Ankündigung zu trauen?

Klar: Eine konsequente Verschlüsselung von Nachrichten, die Nutzer untereinander verschicken, ist immer zu begrüssen. Allerdings gibt es diese Technologie ohnehin seit Jahren. Der Schritt ist überfällig.

Mehr Bequemlichkeit

Der Konzern verzichtet damit darauf, Nachrichten zu Marketingzwecken zu nutzen. Bringt Facebook also Opfer zum Wohl seiner User? Nein. Denn, und das gibt Zuckerberg selbst in einem Interview zu: Facebook habe gar nicht vorgehabt, Nachrichten verstärkt zu nutzen, um seinen Nutzern massgeschneiderte Werbung zu präsentieren.

Das Verweben der drei Nachrichten-Plattformen bedeutet für die Nutzer mehr Bequemlichkeit. Darauf setzt das Unternehmen – und erhofft sich, dass immer mehr Konten miteinander verknüpft werden. Genau dies dürfte es Facebook eben doch ermöglichen, ein schärferes Profil seiner Nutzer zu erstellen und Werbung gezielter auszuspielen.

Auch bei seiner dritten Ankündigung hat «Zuck» nicht nur das Wohl der Nutzer im Auge: Natürlich ist es schön, dass man in Zukunft mitentscheiden darf, welche Inhalte wie lang verfügbar sind. Nur: Zum Löschen gibt es heute schon Funktionen. Und es sind kaum Gründe auszumachen, warum Facebook ein Interesse an alten Nachrichten und Posts haben sollte – dass Daten, die der Konzern aus den Inhalten ziehen kann, ebenfalls gelöscht werden, sagt Zuckerberg ja nicht.

Vor allem profitorientiert

Auffällig ist, dass der Facebook-Chef fast ausschliesslich vom Messaging spricht, also nur von einem kleinen Teil dessen, was sein soziales Netzwerk ausmacht. Der Konzern hat auch so viele Möglichkeiten, das Verhalten seiner User zu verfolgen – zum Beispiel über die allgegenwärtigen Like-Buttons. Facebook kann Zugeständnisse an die Nutzer machen, weil es auch ohne diese Daten ein ziemlich genaues Bild von ihnen hat.

Jüngere Nutzer wenden sich seit einiger Zeit zunehmend von der Plattform ab. Auch der Trend, Inhalte eher im «privaten» Rahmen von Direktnachrichten zu teilen, ist nichts Neues und wurde nicht von Facebook forciert. Zuckerberg reagiert also nur auf das, was wir ohnehin längst alle tun – ein notwendiger Schritt, um das Schiff auf Kurs zu halten.

Mark Zuckerberg hat also nicht auf einmal seine konsumentenfreundliche Ader entdeckt – er will sein Unternehmen im Jahr nach zahlreichen unangenehmen Enthüllungen und Anhörungen zurück in die Erfolgsspur manövrieren. Das tut er geschickt, indem er Läuterung signalisiert, ohne Schuld einzugestehen. Wenn daraus Verbesserungen für die Nutzer resultieren: gut. Doch man darf nie vergessen: Facebook ist profitorientiert, zuerst seinen Aktionären verpflichtet und erst dann seinen Nutzern.

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