Ypsomed plant Fabrik in China

Burgdorf

Kurz nach Eröffnung des Werks in Schwerin bereitet die Medizinaltechnikfirma den nächsten Schritt ins Ausland vor. Auch für Burgdorf hat Ypsomed gute Nachrichten.

Für dieses neue Werk in Schwerin erhielt Ypsomed vom Staat fast 10 Millionen Euro. Bald soll ein weiterer Standort folgen. Foto: zvg

Für dieses neue Werk in Schwerin erhielt Ypsomed vom Staat fast 10 Millionen Euro. Bald soll ein weiterer Standort folgen. Foto: zvg

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Im August hat Ypsomed feierlich das neue Produktionswerk in Schwerin im Nordosten von Deutschland eröffnet. Rund 200 Arbeitsplätze entstehen dort für die Produktion von Injektionssystemen und Infusionssets für Insulinpumpen. Jetzt erwägt Ypsomed auch den Bau eines Werks in China, wo das Geschäft mit Produkten für Zuckerkranke am schnellsten wächst.

Ypsomed-Chef Simon Michel sagte gestern vor den Medien in Zürich, es gehe in einem ersten Schritt um die Verpackung von in der Schweiz hergestellten Nadeln für Penspritzen. Diese müssen in China in Siebenerpackungen verkauft werden. «Das in der Schweiz von Hand abzupacken, kann niemand zahlen», sagte ­Michel. Bislang habe Ypsomed mit einem Lohnfertiger vor Ort zusammengearbeitet. Ob das Unternehmen weitere Produktionsschritte in China ansiedeln wird, ist noch offen.

Aber: «Wir bauen auch in der Schweiz aus», betonte Michel. So stieg die Zahl der Arbeitsplätze in Solothurn im letzten Halbjahr um 60 auf 516. Ypsomed verlagert wie angekündigt rund 110 Stellen vom Hauptsitz in Burgdorf nach Solothurn.

Mehr Stellen in Burgdorf

Die frei gewordenen Arbeitsplätze wurden aber wie versprochen schnell wieder besetzt. In Burgdorf ist deshalb die Zahl der Arbeitsplätze im letzten halben Jahr gar von 633 auf 639 gestiegen. Denn die gesamte Entwicklung der wachsenden Gruppe bleibt hier zentriert, ebenso das Produktmanagement.

«Die rund 50 Stellen, die wir bislang nach Solothurn verschoben haben, sind also schon wieder aufgefüllt», sagte Michel. Das soll auch beim restlichen Stellentransfer, der für nächsten Januar geplant ist, so sein. Michel hatte die Verlagerung Ende 2018 unmittelbar nach dem Nein des Stimmvolks zu tieferen Unternehmenssteuern im Kanton Bern angekündigt. Später begründete er den Transfer vorab mit Platzmangel in Burgdorf respektive verfügbaren Räumen in Solothurn. Zudem haben die Solothurner Stimmberechtigten eine Senkung der Unternehmenssteuern ebenfalls abgelehnt.

Staatliche Unterstützung erhält Ypsomed beim neuen Werk in Schwerin: Wie Michel bekannt gab, steuert das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern knapp 10 Millionen Euro bei. Insgesamt investiert Ypsomed gegen 100 Millionen Franken in das rund 25000 Quadratmeter grosse Gebäude. Dank Landreserven könnte die Produktionsfläche dereinst noch verdoppelt werden. In der Schweiz sei es nicht möglich, so schnell eine so grosse Fabrik zu bauen.

Einige Rückschläge

Während Ypsomed die Produktion in Schwerin hochfährt, gab es im laufenden Geschäft einige Rückschläge. Der Vertrieb der Insulinpumpe des US-Unternehmens Insulet fiel weg und damit die wichtigste Gewinnquelle. Der Reingewinn im ersten Semester des Geschäftsjahres 2019/2020 beträgt 7,6 Millionen Franken nach 56,1 Millionen im Vorjahr.

Im fortgeführten Geschäft stiegen Umsatz und Gewinn zwar kräftig. Aber der Markteintritt mit der hauseigenen Insulinpumpe Ypsopump in Kanada verzögert sich. In den USA sei das Gerät nicht konkurrenzfähig, weshalb es nun mit einer konstanten Blutzuckermessung ergänzt werden soll. Zudem macht Ypsomed Wechselkursverluste geltend. Das Unternehmen senkt deshalb die Prognose für den Umsatz im Geschäftsjahr 2019/2020 von 415 auf rund 400 Millionen Franken. Beim Betriebsgewinn (Ebit) geht Ypsomed von 25 bis 30 Millionen auf 21 bis 25 Millionen Franken runter. Michel hält aber am Ziel fest, in drei bis vier Jahren einen Betriebsgewinn von über 100 Millionen Franken zu erzielen.

Berner Zeitung

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