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Wird der Lohntopf bei der UBS wirklich kleiner?

Das Vergütungssystem bei der grössten Schweizer Bank wird umgebaut, heisst es. Die Löhne in gewissen Bereichen sinken. Das hörten wir schon einmal. Und die Millionen sprudelten trotzdem weiter.

Wer verdient künftig noch wie viel? UBS-Banker im Handelsraum in Opfikon. (Archivbild, 3. Oktober 2012)
Wer verdient künftig noch wie viel? UBS-Banker im Handelsraum in Opfikon. (Archivbild, 3. Oktober 2012)
Keystone

«Die Diskussionen über die Strategie im Investmentbanking werden einen deutlichen Effekt auf das Entlohnungssystem in den Banken haben – im Allgemeinen und besonders im Investmentbanking», sagte UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber jüngst in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» im Rahmen der Ankündigung des Umbaus im Investmentbanking. Noch konkreter wurde Weber, indem er sagte: «Wenn wir in Zukunft weniger Handelsgeschäft und weniger Investmentbanking machen, dann werden die Gehälter auch tiefer liegen.»

Der Lohntopf bei der Bank soll also kleiner werden. Klar, die UBS will ja auch rentabler werden und dieses Ziel unter anderem mit Einsparungen erreichen. Kein Wunder, berichteten in den letzten Tagen und Wochen Medien über mögliche Veränderungen beim Lohnsystem der UBS. «UBS erwägt Obergrenze für Boni», titelte die «Financial Times» (Artikel online nicht verfügbar). «Die UBS krempelt das Vergütungssystem um», hiess es etwas neutraler bei der «Neuen Zürcher Zeitung».

2009 schon einmal versucht

Das Ganze kommt einem ziemlich bekannt vor. «Die UBS krempelt ihr Lohnsystem um», titelten wir im Oktober 2008. Die Sache hatte einen Grund: Wenige Wochen zuvor war die grösste Bank der Schweiz vom Staat gerettet worden. Mit einem neuen Lohnsystem, das 2009 eingeführt wurde, sollten Lohnexzesse, wie sie in den Vorjahren vorkamen, verhindert werden. Zufrieden waren die Kritiker der hohen Löhne aber trotzdem nicht. Es fehle eine Lohnobergrenze, hiess es etwa beim Aktionärsvertreter Ethos.

Zufrieden waren aber auch die Banker nicht. Bald schon wurden ihre Löhne wieder angehoben. «Die UBS hätte nicht lange überlebt, wenn wir die Löhne nicht korrigiert hätten», so UBS-VR-Präsident Kaspar Villiger im August 2009 zur «NZZ am Sonntag» (Artikel online nicht verfügbar). Als Verteidiger der hohen Löhne musste sich der frühere Bundesrat während seiner Amtszeit einiges anhören. «Kaspar Villiger hat zwar viel über das Lohnthema gesprochen, aber passiert ist nicht viel», sagt dazu Aktionärsschützer und Actares-Geschäftsführer Roby Tschopp gegenüber Redaktion Tamedia. Den Grund sieht er beim damaligen Führungsduo Oswald Grübel und Kaspar Villiger: «Bei den beiden war klar, wer das Sagen hatte.»

Diesmal eine Obergrenze für Boni?

Warum also soll es diesmal mit der Lohnanpassung klappen? Immerhin sollen die Banker-Boni auch heuer zulegen, wie jüngst bekannt wurde (siehe Box links). Tschopp zeigt sich optimistisch: «Ich würde der UBS jetzt eine Chance geben», sagt der Aktionärsvertreter gegenüber Redaktion Tamedia. Was man vom neuen UBS-Duo Sergio Ermotti und Axel Weber gehört habe, «könnte auch eine Wende in Bezug auf das Lohnsystem bedeuten». Auch sein Mitstreiter, Dominique Biedermann von Ethos, ist überzeugt, dass sich das Vergütungssystem bei der UBS ändern müsse, wie er der NZZ sagte.

Laut der «Financial Times» werde der Verwaltungsrat um Präsident Axel Weber ein neues Lohnsystem diskutieren und die Boni mit einer Obergrenze beschränken. Eine Obergrenze für Boni hätten überdies die britischen Konkurrenten von Barclays und HSBC schon eingeführt. Der UBS-Plan soll noch vor der nächsten Generalversammlung im Mai 2013 mit bedeutenden Investoren abgesprochen werden, so das Finanzblatt.

Auch Finma setzt keine Obergrenze

Dass auch die Investoren ein Wörtchen beim neuen Lohnsystem mitreden, ist für Tschopp klar: «Die Bank ist darauf angewiesen, dass wichtige Investoren ihren Segen geben zu den Plänen der Bank.» Auch Actares selber wurde in früheren Jahren im Sinne einer Anhörung angefragt. Klar, Aktionärsaufstände können sich die Banken bei den – wenn auch nicht bindenden – Abstimmungen zu den Managementvergütungen an den Generalversammlungen nicht leisten.

Mitreden wird im Übrigen auch die Finanzmarktaufsicht (Finma). Mit ihrem Rundschreiben «Vergütungssysteme» vom November 2009 hat sie die Leitlinien für künftige Lohnstrukturen gesetzt. Diese gelten für die grössten Finanzinstitute in der Schweiz. Derzeit sind es 14, darunter auch Versicherungen. Kernpunkt dieser Leitlinien: Es dürfen keine Anreize mehr bestehen, welche die Institute einem Risiko aussetzen. Auf eine Obergrenze wird aber auch in diesem Regulatorium verzichtet.

Machen die Angelsachsen mit?

Es stellt sich schliesslich noch die Frage, ob die angelsächsischen Investoren – sie stellen bei der UBS eine Mehrheit – eine Anpassung des Lohngefüges nach unten überhaupt mitmachen. Immerhin scheint gerade bei den US-amerikanischen Konzernen die üppige Bezahlung von Managern noch immer weitverbreitet. «Ich glaube, auch die angelsächsischen Investoren können sehr gut unterscheiden, wo Toplöhne noch angemessen sind und wo nicht mehr», sagt Tschopp

Wer künftig wie viel verdient, bleibt bis auf weiteres Spekulation. Möglicherweise aber könnte es gerade für die Angestellten in der Schweiz gar nicht so schlecht herauskommen. Weil die UBS ihren Fokus wieder voll auf die Vermögensverwaltung lege, könnte die Bank in diesem Bereich zum begehrten Arbeitgeber werden, sagt Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos der NZZ. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Löhne.

Andere Vergleichsgrössen

Noch aber ist das alles Zukunftsmusik. Der Um- und Abbau der Investmentbank zieht sich bis 2015 hin. Die verkleinerte und um Risiken verminderte Bank dürfte sich dann mit anderen Banken messen – auch was die Löhne betrifft. Wie schwierig aber eine Anpassung wird, zeigte UBS-Chef Sergio Ermotti am Tag der grossen Abbauankündigung. Im Interview mit «10 vor 10»-Moderatorin Christine Meier sagte er auf die Frage, ob er das Sparprogramm mit einem eigenen Gehaltsverzicht mittragen werde, leicht irritiert: «Ich will zu meiner persönlichen Situation nicht Stellung nehmen.»

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