«Das Preisniveau auf dem Immobilienmarkt ist verbreitet stolz»

Am Wohnungsmarkt nehmen die Leerstände zu. Trotzdem ist die Berner Kantonalbank im Hypothekengeschäft 2017 deutlich forscher gewachsen als Konkurrenten. Bankchef Hanspeter Rüfenacht sieht die Risiken unter Kontrolle.

BEKB-Chef Hanspeter ­Rüfenacht unterzeichnete letztes Jahr deutlich mehr Hypothekarkredite.

BEKB-Chef Hanspeter ­Rüfenacht unterzeichnete letztes Jahr deutlich mehr Hypothekarkredite. Bild: Nicole Philipp

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Immer mehr Wohnungen stehen leer, auch im Kanton Bern ausserhalb der Zentren. Trotzdem hält der Bauboom an. Müssten Sie bei der Vergabe von Hypotheken nicht bremsen?
Hanspeter Rüfenacht: Die Berner Kantonalbank analysiert die Situation auf dem Immobilienmarkt genau. In letzter Zeit ­sehen wir tatsächlich gewisse Übertreibungstendenzen. Das ist regional unterschiedlich. Zum Glück ist es im Kanton Bern insgesamt nicht allzu schlimm. Für uns ist klar, wenn wir weiterhin ein gutes Kreditportefeuille haben wollen, sind wir bei der Vergabe vorsichtig und schauen die jeweiligen Immobilien und die Schuldner genau an. Das ist auch im Interesse unserer Kundinnen und Kunden.

Wo läuft der Hypomarkt heiss?
Das Preisniveau auf dem Immobilienmarkt ist verbreitet stolz. Eine eindeutige Übertreibung ­sehen wir bei Mehrfamilienhäusern, die als Anlageobjekt dienen, etwa von Pensionskassen, aber auch von Privatinvestoren.

Im Oberaargau sind über 5 Prozent der Wohnungen leer. Das ist schweizweit die höchste Quote. Ist das bei Ihnen nicht speziell auf dem Radar?
Doch, denn in dieser Region ist in den letzten Jahren sehr viel gebaut worden, und es gibt nun grössere Leerstände. Aber für die BEKB besteht hier kein spezielles Risiko.

Die BEKB wirbt bei Immobilienkrediten mit Slogans wie «Wir frieren den Hypozins ein» und schenkt für einen vorzeitigen Abschluss auch schon mal den Terminzuschlag. Haben Sie die Vergabekriterien gelockert?
Wir unterscheiden zwischen dem Risiko und dem Preis. Beim Risiko, also bei der Qualität der Kredite, gehen wir keine Kompromisse ein. Bei qualitativ guten Krediten hingegen stellen wir uns dem Preisdruck. Denn wegen des Anlagenotstands sind auch Versicherungen und Pensionskassen ins Hypothekengeschäft eingestiegen.

«Das Preisniveau auf dem Immobilienmarkt ist verbreitet stolz.»

Wie steht die BEKB bei den Hypotheken im Vergleich zum Marktwachstum da?
Im vergangenen Jahr sind wir bei den Ausleihungen mit rund 5 Prozent sehr gut gewachsen und haben damit das Marktwachstum übertroffen. Dies auch dank unserer Aktion «Wir frieren den Hypozins ein», bei welcher wir für über eine halbe Milliarde Franken neue Hypotheken gewährt haben. Über mehrere Jahre gesehen sind wir aber nicht stärker gewachsen als der Markt.

Sind die Kreditausfälle ge­stiegen, und muss die BEKB dafür Rückstellungen bilden?
Nein, die BEKB benötigt keine zusätzlichen Rückstellungen auf dem Kreditportefeuille.

Während Schuldner von guten Konditionen profitieren, erhalten Kleinsparer fast keinen Zins mehr. Jetzt ist sogar die Teuerung zurück, und die Spargelder verlieren damit real an Wert. Bleibt dies so?
Ich gehe davon aus, dass die Zinsen für die Privatkunden in diesem Jahr bei praktisch null bleiben. Sie sind damit aber eigentlich zu hoch, denn der Marktzins wäre negativ. Negativzinsen für Privatkunden sind bei uns aber weiterhin kein Thema.

Wann kommt die Zinswende in der Schweiz?
Leider steht sie offenbar nicht unmittelbar bevor. Wir hoffen aber, dass die Nationalbank gelegentlich aus ihrer Negativzinspolitik aussteigen kann.

«Ich gehe davon aus, dass die Zinsen für die Privatkunden in diesem Jahr bei praktisch null bleiben.»

Die Kleinsparer haben kürzlich den Kontoauszug erhalten. Gibt es mehr Beschwerden über die Nullzinsen und die Gebühren?
Nein. Offenbar sind viele froh, dass sie nicht Negativzinsen zahlen müssen wie gewisse Gross­anleger. Wir haben das Problem, dass auf der anderen Seite die Kreditzinsen unter Druck bleiben. So laufen bei der BEKB pro Jahr Festzinshypotheken im Umfang von rund 3 Milliarden Franken aus. Diese werden nun zu tieferen Zinssätzen verlängert, was unsere Einnahmen schmälert.

Um wie viel geht es?
Vor ein paar Jahren profitierten wir noch von einer Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen von 1,5 Prozent. 2017 betrug die Zinsmarge noch 0,92 Prozent. Das bedeutet für die BEKB innerhalb weniger Jahre einen Einnahmerückgang von deutlich über 100 Millionen Franken pro Jahr. Diesen Margendruck können wir mittlerweile nicht mehr vollständig über das Wachstum wettmachen. Sonst würden unsere Risiken steigen. Wir müssen deshalb zusätzlich auch die Kosten senken.

Setzen Sie die Ausdünnung des Filialnetzes fort?
Die BEKB hat seit 2012 ein Drittel der Standorte geschlossen. Von 94 Niederlassungen verblieben 62. Letztes Jahr integrierten wir die Filialen Bern-Altstadt, Bern-Eigerplatz, Roggwil, Nidau und Thun-Marktgasse in andere Niederlassungen. Wir haben nun den wesentlichen Teil gemacht. 2018 werden wir nur noch punktuell die eine oder andere Filiale schliessen.

Welche Standorte werden noch verschwinden?
Das geben wir bekannt, sobald entsprechende Entscheide vorliegen. Einzelne weitere Filialschliessungen wird es auch in Zukunft noch geben. 2016 haben wir in unserem Netz die Schalterkapazitäten halbiert und teils die Öffnungszeiten verkürzt. Wir reagieren damit darauf, dass die Transaktionen an den Schaltern jährlich um etwa 10 Prozent abnehmen. Wir passen uns so dem Kundenverhalten an.

«Wir werden weiterhin auf die Kosten schauen müssen, tendenziell wird der Personalbestand abnehmen.»

So argumentiert auch die Post beim Abbau des Poststellennetzes. Warum sind Sie kaum in der Kritik, obwohl auch die BEKB gut zur Hälfte dem Staat gehört?
Es gab tatsächlich wenig negative Reaktionen. Das Verständnis für die Massnahmen ist offenbar vorhanden.

Sie bauen die verbleibenden ­Filialen um. Wohnmöbel für ­Beratungsgespräche statt ­Schalter: Bewährt sich dies?
Ja, denn die Ausrichtung der Niederlassungen geht weg von den Transaktionen hin zur Beratung. Das wird dazu führen, dass die eine oder andere Filiale gar keine Schalter mehr haben wird. Demnächst werden wir einen Versuch mit einer solchen schalterlosen Filiale starten. Für den Bargeldverkehr stehen aber weiterhin Ein- und Auszahlungsautomaten zur Verfügung.

Weshalb nicht gleich Video­beratung?
Das wird in den Filialen wahrscheinlich keinen durchschlagenden Erfolg haben. Wir glauben nicht daran, dass die Kunden dafür extra zu uns kommen. Dann könnten sie Videoberatung gleich von zu Hause aus in Anspruch nehmen, dort sind sie noch ungestörter.

Die BEKB hat, seit Sie 2012 Chef geworden sind, rund 220 Vollzeitstellen gestrichen. Wie geht es weiter?
2017 haben wir bereits wieder sieben Arbeitsplätze aufgebaut und zählen nun 1016 Vollzeitstellen. Wir werden weiterhin auf die Kosten schauen müssen, tendenziell wird der Personalbestand abnehmen. Aber womöglich benötigen wir für die IT wieder mehr Arbeitskräfte.

«Inzwischen haben unsere Privatkunden für mehr als eine Milliarde Franken BEKB-Fonds gezeichnet.»

Die IT-Verträge mit HP Schweiz hat die BEKB überraschend ­gekündigt. Warum suchen Sie eine neue Banksoftware?
Weil die aktuellen Kosten zu hoch sind. Wir prüfen Alternativen wie Avaloq und Finnova. Es ist aber auch möglich, dass wir auf der bisherigen Plattform IBIS3G bleiben und wir wieder mehr IT selber machen. Wir wollen im laufenden Semester entscheiden.

Sie sparen beim Personal. Was heisst dies für die Löhne?
Die Berner Kantonalbank erhöht per 1. April 2018 die Lohnsumme um 0,75 Prozent. Dies individuell nach Leistung. Zudem erhalten alle Mitarbeitenden in diesem Jahr eine sogenannte Nachhaltigkeitsprämie, weil die Bank zwischen 2013 und 2017 einen Free Cashflow von 529,5 Millionen Franken erwirtschaftet und damit das Zwischenziel der Zehnjahresperiode von 2013 bis 2022 erreicht hat. Deshalb werden 2 Prozent des Free Cashflows, das heisst 10,6 Millionen Franken, an insgesamt 1239 Mitarbeitende inklusive Geschäftsleitung und Verwaltungsrat ausbezahlt. In Zukunft wird die ­Prämie nicht mehr direkt den Mitarbeitenden gutgeschrieben, sondern neu der Pensionskasse zur Verfügung gestellt. Das soll zur nachhaltigen Sicherung der Renten beitragen.

Wie haben sich die neuen BEKB-Anlagefonds für Privatkunden entwickelt?
Unsere neuen Fonds sind sehr beliebt. Inzwischen haben unsere Privatkunden für mehr als eine Milliarde Franken BEKB-Fonds gezeichnet. Auch die neuen nachhaltigen Vorsorgefonds entwickeln sich erfreulich und sind ein echtes Bedürfnis der Kundinnen und Kunden nach ökologischer Verträglichkeit und sozialer Verantwortung ihrer Anlagen.

Sie sind seit letztem Mai Verwaltungsrat der Jungfraubahnen. Warum engagieren Sie sich bei einer Bergbahnengruppe?
Wir haben traditionsgemäss enge Verbindungen mit den Jungfraubahnen. Die BEKB ist mit einem Anteil von 14,3 Prozent der grösste Aktionär. Das hat historische Gründe. Wir wollen weiterhin einen Beitrag leisten, damit das Aktionariat dieser bedeutenden und erfolgreichen Bahnengruppe auch in der Region bleibt.

Wird die BEKB das umstrittene Projekt der V-Gondelbahn mit­finanzieren?
Die Jungfraubahnen sind finanziell eine starke Gesellschaft, sie wird für die Finanzierung der V-Bahn nicht auf die BEKB angewiesen sein.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 26.01.2018, 18:20 Uhr

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