«Wir haben wieder eine Vision»

Der Thuner Solarzulieferer Meyer Burger schreibt das siebte Jahr in Folge einen Verlust. Geschäftsführer Hans Brändle glaubt aber weiterhin an die Wende.

Geschäftsführer Hans Brändle präsentierte rote Zahlen für das Solarunternehmen Meyer Burger.

Geschäftsführer Hans Brändle präsentierte rote Zahlen für das Solarunternehmen Meyer Burger.

(Bild: Keystone Patric Spahni)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Bei Meyer Burger hat man die chinesische Jahresrechnung übernommen. Dieser Eindruck ergab sich, als Geschäftsführer Hans Brändle an der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag davon sprach, dass Meyer Burger im Jahr des Hundes wieder zeitweise durch ein «Tal der Tränen» wandern musste.

Nun komme aber das Jahr des Schweins. Und etwas mehr «Schwein» im gut berndeutschen Sinne kann man dem Thuner Unternehmen nur wünschen.

Chinas Subventionspolitik

Wie schon in den vorangegangenen sechs Jahren schrieb Meyer Burger auch 2018 einen Verlust. 59,4 Millionen Franken betrug das Minus, im Vorjahr waren es noch 79,3 Millionen gewesen. Immerhin: Das Betriebsergebnis sowie die Ertragskraft konnten gesteigert werden. Einen Grossteil des Verlusts erklärt das Unternehmen durch eine steuerliche Wertberichtigung im Wert von 49 Millionen. Wegen diverser politischer Unsicherheiten verzichtet Meyer Burger auf eine Prognose fürs laufende Jahr.

«Das Jahr 2018 war für die gesamte Solarindustrie wie auch für Meyer Burger sehrherausfordernd.»Hans Brändle GeschäftsführerMeyer Burger Technology AG

Wobei wieder unvermeidlich China zum Thema wird. Dass sich Geschäftsführer Brändle in der chinesischen Zeitrechnung so gut auskennt, ist nämlich kein Zufall. China ist im Solarmarkt das Mass der Dinge.

Nicht nur ist es der weltweit grösste Absatzmarkt für Solarmodule. Auch haben neun der zehn grössten Hersteller der Branche ihren Sitz im Reich der Mitte. Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping letztes Jahr die Subventionen für den Energieträger kürzte, stürzte die gesamte Industrie ab. Auch Meyer Burger habe das heftig gespürt, sagt Brändle.

Aktienkurs taucht

Trotz all dieser Unsicherheiten, wie es auf dem Solarmarkt weitergeht, blickt der Konzernchef positiv in die Zukunft. Die Solarindustrie sei weiterhin ein Zukunftsmarkt, so Brändle. Und so leitete er vor versammelten Medien und Börsenanalysten zu den freudigen News des Tages über.

«Wir haben wieder eine Vision», sagte er. Meyer Burger sei eine strategische Partnerschaft mit Oxford PV eingegangen, dem führenden Entwickler von Perowskit-Solarzellen. Diese Solarzellen sind bezüglich Wirkungsgrad – der massgebenden Grösse der Branche– Weltspitze. Entsprechend gross sei das Potenzial, sagt Brändle.

Die Fantasien der Anleger wurden durch diese Nachrichten aber nur mässig beflügelt. Die Aktie von Meyer Burger pendelte sich im Tagesverlauf bei einem Minus von rund fünf Prozent ein.

Sitz soll verkauft werden

Finanziell positiv wirken sich die Neuerungen am Hauptsitz in Thun aus. In den nächsten Wochen soll der Verkauf des Sägengeschäfts abgeschlossen werden. Die US-FirmaPrecision Surfacing Solutions zahlt dafür 50 Millionen Franken und will den Produktionsstandort Thun aufrechterhalten. Auch die Sparte Solarsysteme konnte Meyer Burger 2018 verkaufen.

Und auch hier will der neue Besitzer den Standort in Thun aufrechterhalten. Das Gebäude an der Schorenstrasse 39 sei wieder voll vermietet, hiess es an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Nun soll auch dieses verkauft werden.

Berner Zeitung

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