Zum Hauptinhalt springen

Wifag verkaufte Maschinen unter den effektiven Kosten

Die in Schwierigkeiten steckende Berner Maschinenfabrik Wifag hat in den letzten 15 Jahren einen operativen Verlust von über 100 Millionen Franken erlitten. Sie verkaufte ihre Maschinen für den Zeitungsdruck unter den effektiven Kosten, um das Werk auszulasten.

Über 100 Millionen Verlust in den letzten 15 Jahren: Die Wifag.
Über 100 Millionen Verlust in den letzten 15 Jahren: Die Wifag.
Urs Baumann

Wifag-Verwaltungsratspräsident Götz Stein sagte am Montag zu einem Artikel in der Zeitung «Der Bund» vom Samstag, der operative Verlust des Unternehmens liege nicht weit neben dem von der Zeitung genannten Betrag von 130 Millionen Franken.

Einen ersten Preiseinbruch Anfang der 90-er Jahre habe die Wifag dank eines neuen Produkts noch verkraftet. Als knapp nach der Jahrtausendwende die Marktpreise nochmals einbrachen, habe die Wifag diesen Einbruch mit Sparmassnahmen «nicht mehr vollständig» auffangen können, so Götz auf Anfrage weiter.

Vor 15 Jahren hätten die Kunden die höhere Qualität der Wifag noch honoriert. Dieser Bonus sei dann aber unter dem Kostendruck, unter dem die Verlagshäuser stehen, immer mehr geschrumpft.

Stein bestätigte auch, dass die Verluste nicht von der langjährigen Wifag-Hauptaktionärin Ursula Wirz, sondern mit Reserven gedeckt worden seien. Schliesslich habe die Wifag lange Zeit sehr gut verdient. Immer wieder hiess es in der Vergangenheit, die legendäre Wifag-Patronin habe mit ihrem Privatvermögen ausgeholfen.

Laut Götz hat die Wifag auch heute noch Reserven, doch wird die Höhe nicht bekanntgegeben. Das Berner Traditionsunternehmen gibt seit jeher keine Geschäftszahlen bekannt. Im vergangenen Jahr hätten «leicht rote Zahlen» resultiert, so Götz weiter.

Verwaltungsrat nicht informiert?

Nicht äussern wollte sich Stein zu einer im «Bund» wiedergegebenen Aussage eines Wifag-Controllers, wonach der Verwaltungsrat seit 1999 über die betrieblichen Ergebnisse der Wifag Bescheid gewusst habe.

Der Verwaltungsratspräsident der Wifag-Muttergesellschaft, der Wifag-Polytype Holding AG, widersprach dieser Aussage in einem Interview ebenfalls im «Bund» vom Samstag. Bis Ende 2007 habe der Verwaltungsrat kein aktives Reporting erhalten. «Insbesondere wussten wir nicht, dass wir Beschäftigung einkauften und so massiv draufzahlten», wird der Berner Professor Ulrich Zimmerli zitiert.

Bis zum Tod der langjährigen Hauptaktionärin Wirz 2007 sei die Firma sehr patronal geführt worden. «Die Einflussmöglichkeit des VR beschränkte sich darauf zu prüfen, ob die Geschäftstätigkeit den gesetzlichen und strategischen Vorgaben entsprach.»

An Zukunft wird weiter gearbeitet

Die Wifag kündigte im Oktober des vergangenen Jahres den Abbau von 300 Stellen an, nachdem schon kurz zuvor 90 von damals 650 Stellen verschwunden waren. Das Unternehmen begründete den Abbau mit einem noch nie dagewesenen Auftragseinbruch und einem dramatischen Preiszerfall. Es gelte nun, sich strategisch neu auszurichten.

Zu diesem Zweck suchte die Wifag auch einen neuen Partner, doch zerschlugen sich vor Kurzem die Verkaufsverhandlungen mit dem deutschen Unternehmen manroland. Die Wifag wolle nun vorerst im Alleingang weitermachen und sich ganz auf das Servicegeschäft konzentrieren, hiess es danach. Zudem würden weitere Kooperationsmodelle mit Branchenpartnern geprüft.

Stein sagte am Montag, es werde weiter an der Zukunft der Wifag gearbeitet.

SDA/vh

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch