Zum Hauptinhalt springen

Weltweites Flugverbot für Dreamliner könnte Wochen dauern

Nach der Pannenserie beim Dreamliner von Boeing müssen die Maschinen weltweit am Boden bleiben. Das sei eine «seltene Entscheidung». Die 787 wird morgen also auch nicht in Zürich landen.

Darf nicht mehr in die Schweiz fliegen: Der Dreamliner von Qatar Airways, hier bei seinem kürzlichen ersten Start am Flughafen Zürich. (14. Januar 2013)
Darf nicht mehr in die Schweiz fliegen: Der Dreamliner von Qatar Airways, hier bei seinem kürzlichen ersten Start am Flughafen Zürich. (14. Januar 2013)
Olivia Raths

Boeings Vorzeigeflieger Dreamliner muss nach einer Reihe von Pannen vorerst fast weltweit am Boden bleiben. Die Aufsichtsbehörden von USA, Japan, Europa, Indien und Chile verhängten am Mittwoch und Donnerstag ein Flugverbot für das jüngste Modell des US-Flugzeugbauers.

In den USA ist es das erste Mal seit 34 Jahren, dass die Luftsicherheitsbehörde FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat.

Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA schloss sich der Verfügung aus den USA an, wie ein Sprecher der Behörde sagte. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT Dreamliner in Betrieb.

In Indien lässt die Fluglinie Air India ihre sechs Maschinen des Typs vorerst am Boden. Das gleiche gilt für die drei Jets von LAN Airlines aus Chile und die fünf Flugzeuge von Qatar Airways.

Die japanischen Fluglinien All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten nach einer Notlandung eines Dreamliners am Mittwoch wegen einer defekten Batterie zunächst alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen.

US-Behörden wollen schnelle Lösung

US-Experten sind unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen. Die FAA will mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterie-Problem zu finden. Das könnte aber schwierig werden: Das hochmoderne Flugzeug ist stärker als ältere Modelle auf Strom angewiesen.

Bei den Batterien handelt es sich um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden Dreamliners der JAL in Boston Feuer gefangen, ausserdem verlor ein Flugzeug vor dem Start rund 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem spinnennetzförmigen Riss in einem Cockpit-Fenster.

Polnische Airline hält an Dreamliner-Bestellung fest

Bislang hat Boeing 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen US-Dollar teuren Flieger vor. Bislang sind keine Stornierungen infolge der Pannenserie bekannt.

Die polnische Airline LOT hält an den sechs zusätzlich bestellten Maschinen fest. Voraussetzung sei allerdings, dass Boeing alle Probleme und mögliche Gefahren beseitige, sagte der Vize-Chef des Unternehmens, Tomasz Balcerzak. LOT prüfe derzeit den Vertrag mit Boeing und werde dann Entschädigung verlangen.

In den USA fliegt bisher nur United Airlines mit Dreamliners. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA.

Schweiz will Dreamliner kontrollieren

Dies bedeutet, dass auch in der Schweiz vorerst kein Dreamliner mehr starten und landen darf. Dies betrifft auch den Dreamliner von Qatar Airways, der seit Montag den Flughafen Zürich bedient. Den Anweisungen der Amerikanischen Luftaufsicht FAA folgend, hat die Airline ihre Flugzeuge des Typs Boeing 787 ebenfalls gegroundet.

Wird dereinst ein Dreamliner wieder in der Schweiz landen, wird das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Maschine einer Prüfung unterziehen.

«Wurden die Anweisungen der FAA umgesetzt, kann das Flugzeug wieder starten», sagte BAZL-Mediensprecher Anton Kohler. Sei dies nicht der Fall, «bleibt der Dreamliner am Boden.» Diese Kontrolle werde das Bazl bei jeder einzelnen Boeing 787 durchführen, sagte Kohler weiter.

Zurückhaltend reagierte der Flugzeugbauer Airbus auf das Debakel von Rivale Boeing. «Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern», sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier. Direkte Folgerungen für die eigenen Langstrecken-Flugzeuge sieht er nicht: Die neue A350 habe eine komplett andere Architektur der Flugzeugelektrik, sagte er.

AFP/chk/rbi/or/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch