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Wauthiers Witwe: «Keine Probleme in der Familie»

Fabienne Wauthier spricht erstmals über ihren Ehemann, den verstorbenen Finanzchef der Zurich-Versicherung. Für Pierre Wauthier findet heute eine Abdankungsfeier im Grossmünster in Zürich statt.

Die Familie habe ein typisches Expat-Leben geführt: Pierre Wauthier.
Die Familie habe ein typisches Expat-Leben geführt: Pierre Wauthier.
Keystone

Pierre Wauthiers Witwe bricht ihr Schweigen. Erstmals seit dem Suizid ihres Ehemanns, des ehemaligen Finanzchefs der Zurich-Versicherung, spricht Fabienne Wauthier über das Leben, das die Familie im Zuger Ort Walchwil führte. Dort hatten die Wauthiers das ehemalige Hotel Löwen gekauft und teilrenoviert, eine weitere Baubewilligung wurde noch dieses Jahr auf der Gemeinde eingeholt. An den Ufern des Zugersees hatte sich die Familie niedergelassen, nachdem Pierre Wauthier 2007 von der US-Tochtergesellschaft Farmers an den Hauptsitz in Zürich transferiert worden war. In der Familie habe es «keine Probleme» gegeben, sagt Fabienne Wauthier gegenüber der Agentur Bloomberg.

Die Familie habe ein typisches Expat-Leben geführt, so Wauthier. Man sei viel herumgekommen und habe in verschiedenen Ländern gelebt. «Und wir waren uns gegenseitig wirklich eine Stütze.» Pierre Wauthiers Biografie beginnt in Afrika, wo sein Vater als Korrespondent für die französische Nachrichtenagentur AFP arbeitete. Wie Wauthiers Frau erzählt, verbrachte der ehemalige Zurich-CFO seine Kindheit in Tunesien, Südafrika und Algerien. Kennen gelernt hatten sich Pierre und Fabienne Wauthier während des gemeinsamen Studiums an der Sorbonne in Paris. Dort erwarb Wauthier Masterabschlüsse in Privatrecht und International Finance.

Senkrechtstarter und Rock-’n’-Roll-Tänzer

Nach dem Karrierestart bei KPMG im Jahr 1982 trat Wauthier dem diplomatischen Dienst bei und kehrte als stellvertretender Leiter der kulturellen und technischen Entwicklungshilfe an der französischen Botschaft in Khartum nach Afrika zurück. Drei Jahre später wurde er in Paris bei J. P. Morgan im Investmentbanking angestellt. 1994 zog Wauthier nach London um, wo er die Verantwortung für die Versicherungsprodukte der Bank übernahm. Weitere zwei Jahre später ging Wauthier als Risikomanager zur Zurich-Versicherung. Das Gehalt, das Wauthier dort zuletzt bezog, liegt Insidern zufolge bei rund drei Millionen Franken. Wie Wauthiers Tochter zu Bloomberg sagt, sei ihr Vater nicht immer zu Hause gewesen. «Aber wenn er da war, war er ein grossartiger Vater.»

Wauthier sei ein Läufer und Triathlet gewesen, berichtet die Agentur über den ehemaligen Zurich-CFO, über dessen Privatleben bislang kaum etwas bekannt gewesen war. Ausserdem sei er ein hervorragender Rock-’n’-Roll-Tänzer gewesen. Im Einklang mit bisherigen Medienberichten beschreiben Vertraute den verstorbenen Manager als hart arbeitenden, aber gleichzeitig humorvollen Problemlöser in der trockenen Versicherungswelt. Wauthier habe über grosses Wissen verfügt und Zahlen geliebt, berichten Personen, die ihn kannten. In seinen frühen Tagen bei der Zurich hätten sie Wauthier öfters auch spätabends über Excel-Tabellen brütend angetroffen. «Wauthier hatte eine Aura des Selbstvertrauens», berichtet eine Person, «für mich war er immer ein Senkrechtstarter».

Ein unerklärlicher Selbstmord

Nach wie vor rätselhaft erscheint, wie es zu Wauthiers Freitod am Montag letzter Woche kommen konnte. Dieser hatte im Lauf der Woche auch zum Rücktritt Josef Ackermanns geführt, nachdem ein Abschiedsbrief mit belastenden Vorwürfen an den ehemaligen Zurich-Präsidenten aufgetaucht war. Ackermann habe ein unerträgliches Arbeitsklima geschaffen, schreibt Wauthier darin – eine Unterstellung, die Ackermann gemäss seinem Rücktrittsschreiben offenbar für unbegründet hält. Die Zurich-Versicherung um Konzernchef Martin Senn stützt diese Ansicht. Berichten des «Tages-Anzeigers» zufolge war es im Vorfeld der Halbjahreszahlenpräsentation am 15. August allerdings zu einer Auseinandersetzung um die Interpretation der Ergebnisse gekommen.

Gegenüber Bloomberg bestätigen Insider, dass sich Ackermann und Wauthier am Nachmittag des 14. Augusts zu einem Meeting getroffen hatten. Dabei sei die Darstellung des Geschäftsgangs ein Thema gewesen, insbesondere was die Fortschritte beim Erreichen der Jahresziele betrifft. Laut den befragten Personen kannte Ackermann den verstorbenen Finanzchef nicht gut, die beiden Führungskräfte sahen einander rund einmal pro Monat. Dass es der Streit mit Ackermann war, der Wauthier zum Suizid trieb, können sich die Vertrauten indes nicht vorstellen. Eine Aussage des unabhängigen Versicherungsanalysten Paul Goodhind, der Wauthier aus Analystentreffen kannte, geht in eine ähnliche Richtung. «Pierre war ein belastbarer Bursche», sagt dieser, «ein Suizid sieht ihm überhaupt nicht ähnlich.»

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