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Wallstreet wartet nervös auf den Rettungsplan

Die Börsen hoffen auf ein Ja des amerikanischen Senats zum neuen Rettungsplan. Doch was will dieser Plan eigentlich? Die wichtigsten Antworten.

Bangen an Wallstreet: Der Dow Jones stürzte heute noch weiter ab.
Bangen an Wallstreet: Der Dow Jones stürzte heute noch weiter ab.
Keystone

Jetzt geht es nur noch wenige Stunden: Heute um 19.30 Uhr Ortszeit stimmt der Senat über den neuen Rettungsplan ab. An Wallstreet wartet man ungeduldig. Der Dow Jones sackte sofort nach Eröffnung der New Yorker Börse um 1,7 Prozent ab.

Am Montag hat der Kongress den ersten, 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson bachab geschickt. Präsident George W. Bush, Finanzexperten der Regierung und wichtige Köpfe der Demokraten und der Republikaner haben daraufhin mit Hochdruck an einem Alternativplan gearbeitet – zu gross, so die allgemeine Meinung, wäre das Risiko, nicht in die Märkte einzugreifen.

Was wollte der alte Plan?

Mit den 700 Milliarden Dollar sollte die US-Regierung den Banken faule, mit wertlosen Hypotheken-Papieren verseuchte Anlagepakete abkaufen und sie so entlasten. Die Regierung hätte für die Pakete den Preis bezahlt, den diese nach der Krise ungefähr wert sein werden. Eine schwierige Schätzung, und genau das war ein Grund für die Ablehnung des Pakets: Zu wem das Geld genau fliessen würde, wer davon profitiert hätte und wie es unter Umständen irgendwann zurück käme – alles unbeantwortete Fragen. Der Kongress befand, der Vorschlag würde Paulson und seinen Leuten freie Hand lassen, ohne dass sie, die Volksvertreter, den Überblick hätten.

Nach erster Kritik beugten sich Paulson und Bush dem Druck des Kongresses und erweiterten den Rettungsplan um zwei neue Bedingungen. Einerseits sollte der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe an den geretteten Instituten beteiligt werden und zweitens sollten die Gehälter der in den entsprechenden Banken tätigen Manager nach oben begrenzt werden.

Trotz dieser Zugeständnisse verweigerte der Kongress schliesslich seine Zustimmung – und zwar sowohl Demokraten, als auch Republikaner.

Was unterscheidet den neuen Rettungsplan vom alten?

Die bisher ausgehandelten Bedingungen, also die Summe des Geldes, die Beteiligung des Staates als Ausgleich sowie die Gehaltsbegrenzung bleiben erhalten. Es kommen aber neue Massnahmen hinzu, die den amerikanischen Mittelstand für das Paket begeistern sollen.

Für Normalsparer die wohl wichtigste Änderung: Der Staat haftet neu für die Verluste jedes einzelnen Bankkunden, bis zu einer Summe von 250'000 Dollar pro Kunde. Dafür fliessen laut Wall Street Journal bis zu 100 Milliarden Dollar in die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC). Die FDIC ist ein von den USA 1933 gegründeter Fonds, der in amerikanischen Banken deponierte Spargelder in Krisenzeiten vor Verlusten schützt. Bisher lag die Obergrenze der Versicherung jedoch bei 100'000 Dollar pro Kunde.

Als zweites Zugeständnis will die Regierung die Unternehmenssteuern und Abgaben auf alternativen Energien senken.

Diese Massnahmen sollen die amerikanische Normalbevölkerung versöhnlich stimmen. Damit steigen auch die Chancen, dass das Paket nun im Senat und später im Repräsentantenhaus angenommen wird: Viele Politiker hatten dem Plan vermutlich nicht zugestimmt, weil sie um die Gunst der Bevölkerung und somit um ihre Wiederwahl fürchteten.

Was passiert, wenn der Rettungsplan wieder scheitert?

Schon vor der Abstimmung am Montag hatten die Befürworter des Plans gewarnt, ein Nein zu den 700 Milliarden Dollar würde die gesamte US-Wirtschaft in die Krise reissen.

Zunächst aber würden die Konsequenzen vor allem in den Finanzmärkten spürbar. Bisher ist bereits über eine Billion (1000 Milliarden) Dollar vernichtet worden, weil zuvor wertvolle Papiere (Aktienpakete oder andere Beteiligungen) wertlos geworden sind. Ohne das schützende Geld der US-Regierung drohen viele weitere Verluste, die sich schliesslich auch auf die Realwirtschaft – also auf den Konsum, die Produktion und den Arbeitsmarkt – auswirken können.

Am einfachsten ist dies zu verstehen, wenn man bedenkt, was mit denjenigen Kunden passieren könnte, die bei der Credit Suisse in Lehman-Papiere investiert hatten: Sie verlieren ihr Geld, müssen in der Folge mehr sparen und können dadurch weniger ausgeben. Wenn ganz grosse Teile der Bevölkerung - nicht zu sprechen von den grossen Anlegern - in den USA Ähnliches erleben, weil sie ohne die helfende Hand des Staates ihr Geld verlieren, kann die gesamte Wirtschaft in eine Rezession schlittern.

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