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Wallstreet: Auf Frust folgt Hoffnung

Nach dem gestrigen Absturz haben die Börsen in Europa und Amerika wieder kräftig zugelegt. Der Dow Jones gewinnt über viereinhalb Prozent.

Wechselbad der Gefühle: Börsenhändler in New York.
Wechselbad der Gefühle: Börsenhändler in New York.
Keystone

Investoren zeigen sich zuversichtlich, dass der Kongress doch noch bald das Rettungspaket für die Finanzbranche verabschieden wird. Der Dow-Jones-Index schloss 4,68 Prozent im Plus bei 10'850 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 5,3 Prozent auf 1164 Zähler. Der Index der Technologie-Börse Nasdaq kletterte um 4,97 Prozent auf 2082 Punkte.

Schnäppchenjäger stürzten sich auf Aktien, die in den vergangenen Tagen schwere Verluste hinnehmen mussten. Die Papiere der Grossbank JPMorgan Chase legten rund 14 Prozent zu und gaben dem Dow damit kräftig Auftrieb.

Erfreuliche Konjunkturdaten

Citigroup-Aktien kletterten um 15,6 Prozent. Die am Vortag schwer abgestraften Aktien des Computer- und Elektronikkonzerns Apple gewannen knapp acht Prozent. Der Chiphersteller Intel profitierte von einer Heraufstufung: Seine Papiere legten 8,5 Prozent zu.

Konjunkturdaten trugen zur positiven Stimmung bei. Demnach hat sich das Vertrauen der US-Konsumenten in die wirtschaftliche Entwicklung trotz der Finanzkrise im September unerwartet verbessert.

Immobilienmarkt immer noch schwach

Zudem sank der an den Finanzmärkten stark beachtete Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Grossraum Chicago im September nicht so stark wie erwartet. Der Index gibt Hinweise auf die Produktionsaktivitäten im Mittleren Westen der USA.

Enttäuschende Nachrichten kamen dagegen vom Immobilienmarkt: Die Preise für Einfamilienhäuser fielen dem S&P/Case-Shiller-Index zufolge im Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um den Rekordwert von 16,3 Prozent.

Wetten auf neuen Rettungsplan

Auch die europäischen Börsen haben auf das gescheiterte Rettungspaket der US-Regierung und die dramatischen Kursstürze an der Wallstreet vom Vortag überraschend stabil reagiert.

An der Schweizer Börse verlor der Swiss Market Index (SMI) im Soge des Kursabsturzes in New York vom Vortag kurz nach Handelseröffnung am Dienstag 2,41 Prozent. Die Hoffnung, dass das US-Rettungspaket für den Finanzsektor doch noch zu Stande kommt, brachte eine Kehrtwende.

Banken leicht höher

Der Blue-Chips-Index SMI schloss am Abend 2,38 Prozent höher bei 6.654,89 Punkten. Die UBS-Aktien waren zu Beginn noch um 6,3 Prozent getaucht, notierten aber am Abend wieder 1,7 Prozent höher als am Vortag. Die Credit Suisse verlor bis 3,6 Prozent und schlossen 3,5 Prozent fester. Julius Bär fiel bis 8,3 Prozent und lag am Abend noch 0,8 Prozent im Minus. Luft verschafften dem Markt auch die Gewinne der Schwergewichte Nestle mit plus 3,6 Prozent, Roche mit plus 2,9 Prozent und Novartis mit plus 1,5 Prozent.

Im Sog des dramatischen Kurssturzes in New York brachen zunächst auch weitere europäische Aktienmärkte ein. Im Tagesverlauf hellte sich die Stimmung allerdings ebenfalls auf. In Frankfurt zog das kräftige Plus zur Handelseröffnung in New York den Deutschen Aktienindex (DAX) um 0,4 Prozent ins Plus auf 5830,49 Punkte. In Paris legte der CAC 40 bis Börsenschluss um 2,2 Prozent zu und in London notierte der FTSE am Abend 2,4 Prozent höher.

Irland-Index bis 25 Prozent im Plus

In Irland ging es sogar steil nach oben. Nach dem höchsten Kursverlust in der Geschichte der Dubliner Börse am Vortag kündigte die Regierung eine umfassende Bürgschaft für alle Einlagen bei irischen Banken an. Unmittelbar nach Öffnung der Börse schnellte der Index ISEF rund 25 Prozent in die Höhe, um sich dann später bei einem Plus von etwa zwölf Prozent einzupendeln.

Was kann ein Rettungspaket bringen?

Am Dienstag herrschte unter den Anlegern die Hoffnung vor, dass dennoch ein Rettungspaket noch diese Woche vom Kongress verabschiedet werden kann. Zugleich werde dem Markt klar, dass ein Rettungspaket - egal in welcher Form - nicht alle Krankheiten heilen könne, sagte Arthur Hogan von Jefferies & Co. «Es wird nicht gegen die Konjunkturabkühlung helfen oder Banken dazu zwingen, sich gegenseitig Geld zu leihen.»

Nach der Einschätzung eines Marktbeobachters der Zürcher Kantonalbank dürfte in den USA nun versucht werden, das Rettungspaket mit Anpassungen erneut vorzulegen. Es stelle sich dann die Frage, wie wirksam ein allenfalls verwässertes, mehrheitsfähiges Paket sei, um die gravierenden Probleme im Finanzmarkt zu lösen.

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